Heimat

Ein beeindruckendes Werk über die Geschichte Drolshagens

Dr. Peter Vitt (rechts) und Drolshagens Bürgermeister Ulrich Berghof präsentierten das Buch „Wirtschaftsgechichte der Stadt Drolshagen“.

Foto: Dominik Brendel

Dr. Peter Vitt (rechts) und Drolshagens Bürgermeister Ulrich Berghof präsentierten das Buch „Wirtschaftsgechichte der Stadt Drolshagen“. Foto: Dominik Brendel

Drolshagen.   Dr. Peter Vitt arbeitet die Drolshagener Wirtschaftsgeschichte auf - mit teils ungewöhnlichen Methoden. Seiner Leidenschaft ist er erst mit Anfang 50 gefolgt.

Einige Familien in Drolshagen haben sich in den vergangenen Jahren sicher gewundert, als es an ihren Haustüren klingelte. Da stand dann ein höflicher, älterer Mann mit Sakko, Brille und Aktentasche und fragte: „Darf ich etwas über Ihre Familie erfahren?“

Dieser Mann ist der Heimathistoriker Dr. Peter Vitt, er schrieb das Buch „Wirtschaftsgeschichte der Stadt Drolshagen“. Und dafür scheute sich der 68-Jährige auch nicht, Bürger persönlich anzusprechen. „Peter Vitt schließt eine große Lücke, denn es gab bisher kein Buch über die lange und traditionsreiche Wirtschaftsgeschichte Drolshagens“, betont Ulrich Berghof (CDU), Bürgermeister der Stadt. „Es ist eine Wahnsinnsleistung, das ganze über 800 Seiten so detailliert darzustellen“, lobt er anerkennend.

Der Autor

Peter Vitt ist eigentlich kein Drolshagener. Und lange Zeit war er auch kein Historiker. Er kommt aus Netphen, „aus dem Sejerlänn“, sagt er schmunzelnd. „Das ist Gott sei dank katholisches Johannland, sonst hätte man mich hier gar nicht reingelassen.“ Vor 22 Jahren zog es ihn aus beruflichen Gründen nach Drolshagen. Damals war er noch Kaufmann. Aber dieser Beruf machte ihn nicht glücklich. „Ich war immer sehr vernarrt in Geschichte. Mit Anfang 50 habe ich mich dazu entschieden, noch mal zu studieren.“ Vitt hatte zwar Zweifel, ob es für ein Studium nicht zu spät sei, doch er wollte unbedingt beweisen, dass er es schaffen kann. An der Universität Siegen bestand er seinen Masterabschluss mit Bestnoten. „Dann sagte mir mein Professor: ‘Jetzt kannst du auch bleiben und promovieren.’ Also habe ich das getan“, erzählt Vitt. Der Historiker hat über seine Heimatstadt Nethpen ebenfalls ein Buch geschrieben, auch dabei ist sein Thema die Wirtschaftshistorie gewesen. Bekannt ist auch seine Chronik der heutigen Raiffeisen Sauer-Siegerland.

Das Buch

Sein neues Werk geht zurück bis ins 15. Jahrhundert, wo montanindustrielle Betriebe wie Hütten, Hämmer und Bergwerke die Drolshagener Wirtschaft bestimmten. Im 18. Jahrhundert wurden eine Tuchfabrik und mehrere Gerbereien betrieben und ab dem 19. Jahrhundert folgten Zigarren- und Strickwarenfabriken sowie Stahlbetriebe. „Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konzentrierte sich die Wirtschaft mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz auf die Metallverarbeitung. Dies war auch der Zeitpunkt, als sich der Wandel von Agrar- zur Industriegesellschaft abzeichnete“, erklärt Peter Vitt.

Sein Buch stellt die facettenreiche gewerbliche Entwicklung Drolshagens bis 1946 detailliert da, wobei es nicht nur um Firmengründungen geht, sondern auch um die Infrastruktur mit Verkehrswegen, der Eisenbahn, der Post sowie des Kreditwesens.

„Leider haben ja viele Firmen den Zweiten Weltkrieg und die damit verbundene Auflösung der preußischen Provinz Westfalen nicht überlebt, aber es gibt einige, die es ja doch geschafft haben“, sagt Vitt. Hierzu gehörten die Firmen Schwarte, Huhn, Krah, M&T und GSD sowie die Steinbrüche Gipperich und Scheda.

„Das Buch ist zwar wissenschaftlich geschrieben, aber es ist voll mit Fotos, Urkunden, Plänen und Karten. Für die Drolshagener wird es spannend sein, ihre Vorfahren auf den Bildern zu erkennen. Die Firmenbelegschaften werden namentlich genannt“, sagt der Historiker.

Die Recherche

Peter Vitt hat Hunderte von regionaler und überregionaler Quellen teilweise erstmals erschlossen und ausgewertet. Dabei hatte sich der 68-Jährige die Recherchearbeiten einfacher vorgestellt. „Ich dachte, ich könnte in Firmen nach Bildern fischen, aber es bestehen ja kaum noch Betriebe.“ Deshalb war das Bilderarchiv der Stadt Drolshagen eine wichtige Quelle für Vitts Buch. Ungefähr 5000 Fotos umfasst die Sammlung, die nach und nach digitalisiert wurden.

Und dann ist der Heimathistoriker ja noch in Drolshagen unterwegs gewesen, hat an viele Türen geklopft, sehr viele Hände geschüttelt und noch mehr Fragen gestellt. Vitt:„Das hat mir am meisten Freude bereitet. So habe ich Drolshagen erst richtig kennengelernt. Viele Menschen haben mir, einem Fremden, ihre Familienalben mit alten Fotos mitgegeben.“

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik