Schule

Eltern aus Olpe üben scharfe Kritik an der Grundschulpolitik

An welche Schule darf mein Kind? Mit dieser Frage müssen sich in Olpe Eltern auseinandersetzen, deren Kinder nicht katholisch sind.

An welche Schule darf mein Kind? Mit dieser Frage müssen sich in Olpe Eltern auseinandersetzen, deren Kinder nicht katholisch sind.

Foto: Symbolbild: Julian Stratenschulte / dpa

Olpe.  Die Grundschullandschaft in Olpe ist katholisch geprägt. Dass die Konfession bei der Schülerauswahl entscheidend ist, ärgert diese Mütter:

Die Franz-Hitze-Grundschule in Rhode ist eine Katholische Bekenntnisgrundschule. Genau wie die Olper Grundschule Auf dem Gallenberg und der Hauptstandort der Düringer-Grundschule.

Bis auf die Betonung der Konfession gibt es keinen Unterschied zur Gemeinschaftsgrundschule Hohenstein. Dementsprechend werden auch nicht-katholische Kinder angenommen – zumindest, so lange es genug Plätze gibt. Denn das Schulgesetz sagt ganz klar: Erst die Katholiken, dann die anderen.

Doch das stößt bei einigen Eltern auf Kritik. Es geht ihnen nicht um die Konfession – es geht ihnen um die Schule als sozialer Treffpunkt. Ein Ort, wo ihre Kinder mit anderen Kindern lernen und spielen sollen. Im Idealfall mit den Jungen und Mädchen, mit denen sie schon zusammen in der Kita waren.

Fall 1: Sandra Schulte

„Mir tut es wahnsinnig leid, meine Tochter aus ihrem Freundeskreis reißen zu müssen“, sagt Sandra Schulte. „Und ich finde es unmöglich, dass ich sie mit dem Auto bringen muss, obwohl Schulen fußläufig erreichbar sind.“

Sandra Schulte ist 39 Jahre alt. Ihre vierköpfige Familie wohnt in Olpe auf dem Hatzenberg. Sowohl die Grundschule in Rhode als auch die am Gallenberg wären für ihre Tochter fußläufig zu erreichen. Doch das Mädchen ist nicht katholisch. Sie wird abgelehnt. „Unsere Tochter ist seit kleinauf mit ihren Freundinnen in der Straße sehr eng“, erzählt sie. „Wir wollten, dass sie in einer Gruppe selbstständig zu Fuß dorthin kommen.“ Es ist nicht so, dass sie diese Möglichkeit am Anfang nicht in Betracht gezogen hätte. Auf einer Info-Veranstaltung sprach Schulte das Thema an – wichtiger seien Geschwisterkinder und Wohnortnähe, hieß es dort. Die Familie fühle sich sicher. Doch dann kam der Ablehnungsbescheid. Sie wendet sich an das Schulamt, an die Stadt. Zwecklos „Ich konnte das irgendwann nicht mehr“, sagt sie. „Ich will meiner Tochter ein gutes Gefühl für ihren Schulstart vermitteln.“

Fall 2: Vanessa Dombrowe

So wie ihr geht es vielen Müttern. Auch Vanessa Dombrowe. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in Neuenkleusheim. „Meine ältere Tochter wird aus unserem Dorf das einzige Kind ihres Jahrganges sein, das nicht nach Rhode zur Schule gehen wird“, sagt sie. „Zum Glück hat sie eine Freundin in Stachelau, die ebenfalls in Rhode abgelehnt wurde.“

Die Mädchen sind evangelisch und gehen nun auf die Hohenstein-Grundschule. Zusammen. Dennoch: „Für den Sozialkontakt innerhalb des Dorfes wird es für unsere Tochter nicht mehr so einfach“, sagt Dombrowe.

Ärgerlich findet sie vor allem die einst beworbene Kooperation der Kita und der Grundschule Rhode.

Fall 3: Betül Isiklar

Das verärgert auch Betül Isiklar. Die 31-Jährige ist Mutter eines fünfjährigen Jungen und Zwillingen im Alter von zwei Jahren. Ihr Sohn Jamal ist das einzige Kind aus Altenkleusheim, das in Rhode abgelehnt wurde. Viele Gespräche hat sie daraufhin geführt. Mit der Stadt Olpe, mit der Schulaufsicht – Verständnis habe sie geerntet, nur helfen kann keiner.

„Wir sind nicht konform damit, dass es im Stadtgebiet Olpe mit einem Anteil von mehr als 25 Prozent von Menschen mit Migrationshintergrund nur eine Gemeinschaftsgrundschule gibt“, sagt sie. „Für die abgelehnten Kinder gibt es keine Alternative. Bekenntnisgrundschulen werden steuerfinanziert.“ Es sei schmerzhaft, ihrem Sohn erklären zu müssen, warum er nicht mit seinen Freunden zur Schule darf. Nachdem sie auf dem Ablehnungsbescheid gesehen hat, dass von 56 Kindern nur 45 katholisch sind, will sie rechtlich vorgehen – wenigstens für ihre Zwillinge, die auch in die Situation kommen werden. Eine juristische Handhabe gibt es nicht. Gesetz ist Gesetz. Die Konfession ist das erste Auswahlkriterium bei den Bekenntnisschulen, von denen es außer in NRW nur noch wenige gibt.

Fall 4: Nuray Uyar

Dagegen wehrt sich auch Nuray Uyar. Sie ist 33 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern und wohnt in Olpe auf dem Hatzenberg. Sie ist selbst als Lehrerin tätig und sagt: „Ich finde die momentane Situation in der Grundschullandschaft unmöglich.“ Sie wollte aufgrund der fußläufigen Erreichbarkeit ihre Tochter an der Gallenbergschule anmelden.

„Auch uns hat man damals gesagt, es würde nicht auf die Konfession ankommen“, berichtet Uyar. Als keine telefonische Ablehnung erfolgte, ging die Familie davon aus, dass ihre Tochter angenommen wurde. „Unsere Tochter hat sich riesig gefreut“, erzählt Uyar. Doch dann kam alles anders. Ende Februar kam die schlechte Nachricht. Erst im Nachhinein hat Uyar erfahren, warum – eine Familie hat ihr Kind noch umtaufen lassen. „Wir konnten es nicht fassen und waren schockiert“, betont die Mutter. „Wie kann man sowas überhaupt anerkennen? Das ist unmoralisch.“ Nuray Uyar ist verärgert und hat ihre Tochter immer noch an keiner Grundschule angemeldet – sie möchte juristisch vorgehen.

Fall 5: Meliha Kir

Meliha Kir ist 29 Jahre alt und wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Lütringhausen. Ihre Tochter Zümra besucht den St. Martinus Kindergarten, der mit der Gallenberg-Schule kooperiert – wo sie ihre Tochter letztlich auch angemeldet hat. „Ich war fest davon überzeugt, dass mein Kind angenommen wird“, sagt sie. „Doch wir haben schon nach zwei Wochen eine Ablehnung bekommen. Ich möchte gerecht behandelt werden. Ich möchte, dass es keine Bekenntnisschulen mehr gibt.“

Fall 6: Angela Günnewig

Die Tochter von Angela Günnewig (42) sollte eigentlich auf die Gallenbergschule gehen, zweite Wahl war Rhode. Letztlich musste sie aber auf die Hohenstein-Schule. Tochter Lena fand das auch letztlich nicht schlimm. Immerhin sollte ihre beste Freundin Johanna auch dort angemeldet werden. Doch jetzt hat Rhode doch noch einen Platz für Johanna. „Ich finde es schlimm, dass man sich auf nichts verlassen kann“, sagt Günnewig. „Freundschaften, die sich aufgebauten haben, werden auseinander gerissen. Moralisch total daneben.“

Meliha, Betül, Nuray, Vanessa, Angela und Sandra – sie stehen stellvertretend für eine Vielzahl von Mütter in Olpe, die für ihr Kind eine wohnortnahe Schule wünschen. Im gewohnten sozialen Umfeld. Sie fordern: Eine Umwandlung der Grundschulen in Olpe in Gemeinschaftsgrundschulen und eine Wiedereinführung fester Schulbezirke.

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