Warnstreik

EMG in Wenden: Beschäftigte streiken für mehr Gehalt

Streikende Metallarbeiter in Westen der Gewerkschaft IG Metall stehen auf dem Werksgelände des Wendener Maschinenbau-Unternehmens EMG. Der Streik für mehr Gehalt hat damit den Kreis erreicht.

Foto: Flemming Krause

Streikende Metallarbeiter in Westen der Gewerkschaft IG Metall stehen auf dem Werksgelände des Wendener Maschinenbau-Unternehmens EMG. Der Streik für mehr Gehalt hat damit den Kreis erreicht.

Wendener Hütte.   Rund 220 Mitarbeiter des Maschienenbauers nehmen an der Demonstration auf dem Werksgelände teil. Flexiblere Arbeitszeiten nicht das Problem.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mario Hecken (45) aus Hillmicke fordert mehr Gerechtigkeit. „Die Schere zwischen Arm und Reich muss geschlossen werden“, betont der Industriemechaniker, der seit 1989 für das Maschinenbau-Unternehmen EMG Automation in Wenden arbeitet. Deshalb nimmt der 45-Jährige gestern Mittag gemeinsam mit mehr als 200 Kollegen aus der Frühschicht an einem Warnstreik der IG Metall teil. Deren Kernforderung lautet: Sechs Prozent mehr Gehalt für die Metaller.

Die Kluft, von der Hecken spricht, sei nämlich auch dadurch entstanden, dass außertariflich Beschäftigte mehr Geld verdienten als Hecken und andere, die nach Tarif bezahlt würden. „Je mehr Gesicht wir zeigen, desto größer sind die Chancen auf Erfolg“, erklärt der Hillmicker, dessen Vater bereits bei EMG gearbeitet hat.

Die Wirtschaft boomt

Präsent zu sein ist auch der Auftrag für André Arenz, dem IG Metall-Chef im Kreis Olpe, der sich vor die EMG-Belegschaft stellt und ins Mikrofon ruft: „Der Wirtschaft geht es gut, wie lange nicht, die Bude brummt. Wir haben uns einen fairen Anteil verdient.“ Gute Löhne würden der Wirtschaft nicht schaden, sagt Arenz. Ganz im Gegenteil: „Jeden Euro, den wir mehr im Portemonnaie haben, können wir auch ausgeben.“

Für das Recht auf mehr Gehalt einzustehen, ist ebenso die Devise von Stefan Köster, dem Betriebsratsvorsitzenden. „Es muss weiterverhandelt werden, durch unseren Druck muss es zu einem fairen Ergebnis kommen“, sagt er. Das Angebot der Arbeitgeber, zwei Prozent mehr Gehalt und eine Einmalzahlung von 200 Euro, sei inakzeptabel. Neben mehr Gehalt setzt sich die Gewerkschaft IG Metall für flexiblere Arbeitszeiten ein und pocht auf den Anspruch, die Arbeitszeit zwei Jahre lang auf bis zu 28 Stunden in der Woche zu verkürzen. Forderungen, die Köster mitträgt, die ihm aber nur nachrangig wichtig sind. „Wir haben schon sehr flexible Zeiten, denn wir arbeiten mit der Gleitzeit.“

Junge Leute in den Fokus

So hätten die Mitarbeiter die freie Wahl, ob sie schon um sechs Uhr oder erst um neun beginnen. „Zudem haben wir eine Betriebsvereinbarung, dass Mitarbeiter, die für eine Zeit kürzertreten, um etwa einen Angehörigen zu pflegen, danach auch wieder Vollzeit arbeiten können.“ In vielen Betrieben sei dies aus gesetzlichen und tariflichen Gründen nicht machbar, so dass die Betroffenen in der Teilzeit hängenbleiben würden.

Nicht nur den erfahrenen Mitarbeitern wie Hecken ist es wichtig, für mehr Geld zu demonstrieren. „Auch junge Leute müssen angemessen bezahlt werden“, fordert der Wendener Marius Jung (23), der seit sechs Jahren als Elektroniker bei dem Maschinenbauer arbeitet und dort bereits in die Lehre ging. „Genauso wichtig ist es für uns, dass wir bei Weiterbildungsangeboten unterstützt werden.“

Nahe an der Armutsgrenze

Deutlich drastischere Worte wählt Klaudia Maak, Jugend-Gewerkschaftssekräterin der IG Metall im Kreis: „Aus Sicht der Jugend sind die sechs Prozent wichtig und richtig“, sagt sie und legt nach: „Leider liegt die Vergütung von Azubis an der Armutsbemessungsgrenze. Die Auszubildenden sollen jeden Tag Bestleistung bringen und müssen sich gleichzeitig darüber Sorgen machen, wie sie ihre täglichen Kosten bezahlen können.“ Darüber hinaus forderte sie die Arbeitgeber dazu auf, jedem Azubi einen bezahlten freien Tag vor einer Klausur einzuräumen. „An solch einem Tag können die Jugendlichen letzte Vorbereitungen treffen und dann ausgeruht, konzentriert und weniger nervös in die Prüfung gehen.“

Nach rund einer halben Stunde ist der Warnstreik beendet, die Maschinen ruhen so lange. „Geht nach Hause“, ruft Köster seinen Kollegen zu und lässt eine kleine Hintertür auf: „Wer noch arbeiten möchte, kann das natürlich tun.“ Für Mario Hecken, Marius Jung und viele Kollegen ist das keine Option: Sie nehmen ihre Sachen und verlassen das Gelände. Das Tagwerk ist vollbracht. Die Spätschicht übernimmt.

>>> Info: Metaller-Streik im Kreis soll nächste Woche weitergehen

Bereits am Mittwoch demonstrierten Beschäftigte von Thyssen-Krupp in Rüblinghausen für mehr Geld und bessere Arbeitszeiten. Vermutlich Ende kommender Woche soll laut Arenz im Kreis Olpe weiter gestreikt werden. Wo und wann, ist noch unklar. Am Donnerstag legten laut IG Metall in NRW 12 250 Beschäftigte aus 109 Betrieben die Arbeit nieder, die größte Zusammenkunft gab es in Lemgo mit 3000 Beschäftigten aus 35 Firmen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik