Gerichtsverhandlung

Endspurt im Drolshagener K.o.-Tropfen-Prozess

KO Tropfen werden in Discotheken ahnungslosen Frauen verabreicht. Foto:Friedhelm Zingler

Foto: ZINGLER, Friedhelm

KO Tropfen werden in Discotheken ahnungslosen Frauen verabreicht. Foto:Friedhelm Zingler Foto: ZINGLER, Friedhelm

Siegen/Olpe.   Sechs Frauen sind K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt worden. Gutachter Dr. Cornelius Hess spricht über die Auswirkungen der Substanzen.

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Der K.o.-Tropfen-Prozess am Siegener Landgericht nähert sich seinem Ende. Angeklagt ist im Berufungsverfahren ein 56-Jähriger aus Drolshagen, dem vorgeworfen wird, sechs Frauen etwas in Getränke gemischt zu haben, um sie widerstandslos und sexuell gefügig zu machen (wir berichteten).

Gutachter berichtet über Nebenwirkungen der K.o.-Tropfen am Siegener Landgericht

Am vorletzten Prozesstag kam nun Gutachter Dr. Cornelius Hess, Leiter der forensischen Toxikologie in Bonn, zu Wort. Der Sachverständige erläuterte, welche Nebenwirkungen die aphrodisierenden und libidosteigernden Mittel aufweisen können.

Angeklagter streitet Vorsatz ab

Denn die betroffenen Frauen schilderten zum großen Teil die gleichen Symptome, wie Schwindel, Übelkeit, Ausfallerscheinungen und Erinnerungslücken. „Ich wollte niemanden k.o. machen“, betonte der Angeklagte, nachdem Gutachter Hess die zum Teil starken Reaktionen der Frauen aus dem Protokoll zitierte: Mehrere Betroffene übergaben sich und gaben an, nicht mehr Herr ihrer Sinne gewesen zu sein.

„Es kommt immer auf die Dosierung und auch auf die körperlichen Konstitutionen an“, erklärte Dr. Hess und ergänzte: „Bei einer geringen Dosierung wirken die Mittel noch aphrodisierend, bei einer höheren Dosierung narkotisierend. Und bei einer viel zu hohen Verabreichung kann es zum Tode führen.“

Keine Gedanken über unbekannte Substanzen

Ob er sich denn keine Gedanken gemacht hätte, wie gefährlich unbekannte Substanzen sein könnten, beispielsweise im Zusammenspiel mit anderen Medikamenten, wollte Richterin Metz-Horst vom Angeklagten wissen.

„Ich habe nicht an die Wirkung geglaubt. Ich dachte, das wäre vergleichbar mit pflanzlichen Mitteln, wie etwa Arnika“, versuchte dieser zu beschwichtigen und ergänzte: „Dass den Damen schlecht wurde, habe ich nicht auf die Tropfen zurück geführt.“

Doch offensiv anbieten wollte der 56-Jährige die Tropfen seinen Partnerinnen auch nicht: „Sowas würde ich nur in einer festen Beziehung vorschlagen.“ An sich selbst hätte er die Tropfen ebenfalls zweimal ausprobiert, allerdings, ohne dass er eine Wirkung verspürt habe.

Angeklagter führte Buch mit Namen von 191 Frauen

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass der Angeklagte, der über Jahre ein „Buch der Errungenschaften“ mit insgesamt 191 Namen verschiedener Frauen führte, sich bewusst zu besonders vielen sexuellen Treffen verabredete? Das hinterfragte auch Richterin Sabine Metz-Horst und beleuchtete das Leben des Angeklagten. So berichtete der 56-Jährige, der sein Arbeitsverhältnis aufgrund des laufenden Prozesses aktuell ruhen lässt, dass er von 1988 bis 2005 verheiratet gewesen sei, bevor die Ehe „in beiderseitigem Einvernehmen“ getrennt wurde.

Richterin weist Antrag ab

Von da an, habe er sich in eine „On-Off-Beziehung“ mit einer Bekannten gestürzt, dessen Ende ihn stark belastet habe. Aus diesem Grund verlangte sein Anwalt Klaus Hesse, dass ein psychologisches Gutachten seines Mandaten erstellte werden solle. Mit dem Hinweis: „Liebeskummer ist keine Krankheit“, lehnte Richtern Metz-Horst den Antrag jedoch ab.

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