Architektenwettbewerb

Entwurf für Kirchenneubau in Neu-Listernohl steht fest

So sieht der Entwurf des Architektenbüros „DEEN architects“ für den Neubau der katholischen Augustinus-Kirche in Neu-Listernohl aus

So sieht der Entwurf des Architektenbüros „DEEN architects“ für den Neubau der katholischen Augustinus-Kirche in Neu-Listernohl aus

Foto: DEEN architects

Neu-Listernohl.  Beim Architektenwettbewerb setzt sich „DEEN architects“ aus Münster durch. Hochaltar, Orgel und Glockenturm bleiben erhalten.

Die Entscheidung ist gefallen und eine wirkliche Alternative hat es wohl nicht gegeben. Die nach den Plänen des Architekten Prof. Hermann Gehrig (Essen) in den Jahren 1963 bis 1965 gebaute Pfarrkirche St. Augustinus – eine Saalkirche aus Backstein und Stahlbeton – wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Nur der Glockenturm soll erhalten werden.

Jetzt präsentierte der Kirchenvorstand den Entwurf für den Neubau der katholischen Kirche mitten im Ort. Die Ergebnisse der sieben eingereichten Arbeiten des Architektenwettbewerbs werden am Samstag von 12 bis 17 Uhr und am Sonntag, 21. Juli, von 10.30 bis 12 Uhr in St. Augustinus ausgestellt. Eine Informationsveranstaltung folgt.

Den 1. Preis beim vom Planungsbüro „compar“ aus Dortmund durchgeführten Architektenwettbewerb haben „DEEN architects“ aus Münster gewonnen. In der Beurteilung der aus Professoren, Architekten und Mitgliedern des Kirchenvorstandes bestehenden Jury heißt es: „Insgesamt stellt der Entwurf einen sehr gelungenen Beitrag für den neuen Typus Kirche und Gemeindezentrum dar. Ein Haus lässt vielfache Nutzungen zu, die den öffentlichen Vorplatz genauso einbindet wie den eher privaten Garten im Westen.“

An Investor verkauft

Noch bis vor einigen Jahren gehörten zur Katholischen Kirchengemeinde St. Augustinus Neu-Listernohl ein viel zu großes Pfarrheim/Jugendheim, ein Pfarrhaus und die Kirche. Das Pfarrheim am Augustinusplatz wurde an einen Investor verkauft, der Eigentumswohnungen bauen wollte. Noch ist dort aber nichts passiert. Die Gruppen der Kirchengemeinde sind ins viel kleinere Pfarrhaus umgezogen, wo im Obergeschoss Flüchtlinge untergebracht sind. Auch das Pfarrhaus soll verkauft werden. Räumlichkeiten für die Gemeindearbeit – dazu gehören unter anderem ein großer und ein kleiner Gruppenraum, Büro, Küche, Lager, sanitäre Anlagen – werden in den Neubau integriert und können vom Kirchenraum mit einer Trennwand abgetrennt werden.

Überdimensioniertes Pfarrheim

Für die Kirche St. Augustinus gilt das gleiche wie für das überdimensionierte Pfarrheim nebenan: Sie ist für die kleiner werdende Gemeinde zu groß und im Unterhalt zu teuer. Zudem besteht erheblicher Sanierungsbedarf. „Wegen der fehlenden Isolierung herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit“, sagt Johannes Hesse vom Kirchenvorstand. Die Folge ist Schimmelbefall. Darunter leidet auch die 20 Jahre alte Orgel. „Sie ist eine der schönsten in Südwestfalen“, schwärmt Hesse.

Für den Neubau der Kirche muss die Orgel überholt und verkleinert werden. „Das kostet sehr viel Geld“, berichtet Andrea Rinscheid vom Kirchenvorstand. Ihr Mann, Musikdirektor Michael Rinscheid, sitzt oft an diesem Instrument. Dazu kommen die hohen Kosten für Energie. Ursprünglich wollte der Kirchenvorstand die Kirche verkleinern und die Gemeinderäume im bestehenden Gebäude einplanen. Aber dafür hätte es aus Paderborn keine Zuschüsse gegeben. „Alleine können wir das nicht stemmen“, weiß Hesse.

Abriss ist alternativlos

Für das zuständige Erzbischöfliche Generalvikariat gibt es nur eine Alternative: den Abriss. Der wird von Paderborn immerhin zu 100 Prozent bezahlt. Das gilt auch für den Architekturwettbewerb, dessen Ergebnisse jetzt vorliegen und vorgestellt werden. Andrea Rinscheid hat Verständnis für die Paderborner Entscheidung, die über 50 Jahre alte Kirche abzureißen und nicht zu erhalten. „Das ist ja auch keine historische Kirche. Die Substanz sieht nur von außen gut aus. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes.“

Der Hochaltar aus der 1965 gesprengten und in den Fluten der Biggetalsperre versunkenen Pfarrkirche im alten Listernohl, gestiftet vom damaligen Kölner Domkapitular Prof. Schnütgen, bleibt wie der Glockenturm und die Orgel beim Neubau erhalten. Kein Platz wird dort wohl für die um 1900 von Schnütgen zusammengetragenen barocken Skulpturen sein.

Der neue Kirchenraum sieht rund 120 Sitzplätze vor. Wieviel das alles kostet, wie hoch die Zuschüsse aus Paderborn sein werden und was auf die Kirchengemeinde St. Augustinus finanziell zukommt: Das können Johannes Hesse und Andrea Rinscheid noch gar nicht beziffern. Das gilt auch für den Beginn der Abrissarbeiten. Nur zwei Dinge weiß Hesse genau: „So schnell geht das nicht. Und es ist noch nie so gebaut worden, wie der erste Entwurf ausgesehen hat.“

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