Gesundheit

Ersten HIV-Selbsttest für zu Hause gibt es auch in Olpe

AIDS-Hilfe Kreis Olpe

AIDS-Hilfe Kreis Olpe

Foto: Verena Hallermann

Kreis Olpe.   Aids ist nach wie vor ein Tabu-Thema. Daher scheuen viele den Gang zum Arzt. Der neue Selbsttest soll die Angst nehmen und Klarheit schaffen:

Es ist ein Schritt, der Menschen ihre Ängste nehmen soll. Es ist auch ein Schritt, der dazu beitragen soll, ein tabuisiertes Thema in den Blick der Gesellschaft zu rücken: Ab sofort gibt es einen HIV-Selbsttest für zu Hause. Erhältlich ist dieser auch bei der AIDS-Hilfe des Kreises Olpe. Unsere Zeitung hat bei Vertretern des Vereins nachgefragt, wie der Schnelltest funktioniert. Und dabei über HIV-Infizierte gesprochen, die nach wie vor – auch im Kreis Olpe – diskriminiert werden.

Sozialarbeiter Andreas Zimmer hat sich heute mit Gabriele Putlitz König, der Vereinsvorsitzenden, und Eva Linder (Verwaltung) sowie Youth-Workerin Anne Diekemper in den Räumlichkeiten der Aids-Hilfe in Olpe getroffen. Gemeinsam erklären sie unserer Zeitung, wie der HIV-Selbsttest funktioniert. Für die Anwendung ist lediglich ein Tropfen Blut notwendig. Nach zehn Minuten liegt bereits das Ergebnis vor. Allerdings soll man mindestens zwölf Wochen nach der potenziellen Infizierung warten. Denn bei dem Test handelt es sich um einen Antikörper-Test. Und das dauert eine Weile, bis diese im Blut nachweisbar sind. „Dann ist das Ergebnis zu 99,9 Prozent sicher“, erklärt Zimmer.

Auch Hilfe für Selbsttester

Freigegeben ist der HIV-Selbsttest in Deutschland seit dem 1. Oktober. In anderen europäischen Ländern gibt es ihn schon länger. Vor­angegangen war eine kontroverse Diskussion. Schließlich führen die Menschen den Test ohne ärztlichen Beistand durch. Wie reagieren Betroffene in ihren eigenen vier Wänden, wenn das Ergebnis plötzlich positiv ist? Zimmer betont, dass die Selbsttester nicht alleine gelassen werden. Es gibt einen Begleitzettel, der den Menschen erklärt, was in einem solchen Fall zu tun ist. Und die ausdrückliche Bitte, sich jederzeit hilfesuchend an den Verein zu wenden. Außerdem besteht montags von 14 bis 17 Uhr bei der Aids-Hilfe Kreis Olpe die Möglichkeit, den Test unter Aufsicht zu machen. „Wir sehen in dem Selbsttest eine Bereicherung“, macht Zimmer deutlich. „So wird die Scheu umgangen, mit einem Arzt reden zu müssen.“

Meistens sind es Spätdiagnosen

Es ist insbesondere diese Scheu, die gefährlich ist. Dreiviertel der Menschen, die sich an die Aids-Hilfe Kreis Olpe wenden, sind Spätdiagnosen. Sechs bis acht Jahre sind sie zum Teil bereits positiv, haben die Gefahr aber verdrängt. Und das, obwohl es schon längst ausreichend Möglichkeiten gibt, sich testen zu lassen. Sowohl beim Gesundheitsamt als auch bei der Aids-Hilfe. „Die Last ist enorm, die die Menschen mit sich tragen“, sagt Gabriele Putlitz König. „Dementsprechend groß sind auch die Hemmschwellen.“ Nun gelte es abzuwarten, bis sich der neue Test etabliert und die Menschen den Mut finden, zu ihnen zu kommen.

Gabriele Putlitz König ist seit 1991 Vorsitzende der Aids-Hilfe. Über ihre Mutter fand sie den Weg in den Verein. Sie erzählt von den schwierigen Anfängen, die Ausgrenzung, die die Betroffenen erfahren mussten. „Nicht mal die Familien wussten damals Bescheid“, weiß Putliz König. Es ist besser geworden. Heute erkennen immer mehr Menschen an, dass es sich um eine Krankheit handelt. Doch Diskriminierung ist nach wie vor ein Thema. Andreas Zimmer erzählt, wie Menschen einen großen Bogen um ihre Info-Stände bei Veranstaltungen machen. Aber vor allem bedrückt ihn der Umgang mit den Betroffenen. „Ich kenne einen Menschen im Kreis Olpe, der im Bereich des Gesundheitswesens diskriminiert wurde“, sagt Zimmer, der seit 2010 zum Team gehört. „Es ist teilweise erschreckend, wie mit den Leuten umgegangen wird. Außerdem fehlt immer noch ein HIV-Schwerpunktarzt im Kreis. Die Menschen müssen bis nach Köln fahren.“

Die Mitglieder der Aids-Hilfe des Kreises Olpe hoffen nun, dass der HIV-Selbsttest den Menschen die Angst nimmt. Zimmer zeigt sich zuversichtlich. „Das wird natürlich erstmal ein bisschen dauern, bis sich das etabliert“, sagt er. „Aber es gab schon vorher Anfragen. Ich denke, das wird ankommen.“

Die Aids-Hilfe Kreis Olpe gibt die HIV-Selbsttests zum Einkaufspreis ab (16 Euro). Sie sind zu den Öffnungszeiten erhältlich:
montags bis freitags 9 bis 12 Uhr, mittwochs zusätzlich 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Die Tests sind aber auch in der Apotheke erhältlich.

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