Naturereignis

Fachwerkdorf Kirchveischede leidet unter Mäuse-Invasion

Blick in die Röthe, die historische Ortsmitte in Kirchveischede. 

Blick in die Röthe, die historische Ortsmitte in Kirchveischede. 

Foto: Volker Eberts / WP

Kirchveischede/Lennestadt.  Milde Winter und trockene Sommer sorgen derzeit für eine Überpopulation von Mäusen, besonders im Veischedetal.

Sie flitzen in Scharen durch den Garten, machen es sich in Garagen und Carports gemütlich und sind dabei, sogar Speisekammern und Wohnstuben zu erobern. Noch nie gab es so viele Feldmäuse wie in diesem Sommer. Ist es Zufall oder gar eine Frage des Klimawandels?

Besonders betroffen scheint in diesem Jahr das Veischedetal zu sein. „Wir haben so viele Mäuse wie noch nie“, sagt Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands aus der Petmecke bei Grevenbrück. Zentrum der Mäuse-Invasion scheint aber der Fachwerkort Kirchveischede zu sein. Egal, wen man in dem Ort, der in diesem Jahr sein 1000-jähriges Bestehen feiert, anspricht, jeder kann seine eigene Mäusegeschichte erzählen.

40 Mäuse gefangen

Antonius Steinberg, der im ersten im früheren Pfarrhaus an der Straße zum Kellenberg wohnt, hat seit Frühjahr schon mehr als 40 Mäuse gefangen. „Als wir aus dem Urlaub kamen, hatten wir sogar drei in der Küche“, erzählt er. Kein Einzelfall. Sie zwängen sich durch die kleinsten Ritzen.

Angefangen hat die „Mäuseplage“ im Frühjahr. „Und es lässt einfach nicht nach“, so der Ruheständler. Helene Schnütgen, die in der Ortsmitte Röthe wohnt, kann das bestätigen: „Man kann keine Tür mehr auflassen, dann sind sie im Haus.“

Sogar in der Speisekammer

In ihrer Nachbarschaft haben es die kleinen Allesfresser in die Speisekammer geschafft und sich über Vorräte hergemacht. In den Baumärkten in Lennestadt und Umgebung sind Mausefallen in diesen Tagen ein echter Renner, waren zeitweise sogar ausverkauft. „Eigentlich haben wir immer einige Katzen ums Haus herum schwirren“, sagt Kirchveischedes Stadtverordneter Gregor Schnütgen, aber selbst die größten Feinde der Maus scheinen der Übermacht der kleinen Tiere in diesem Jahr nicht Herr zu werden.

Jäger Robert Schnütgen berichtet von Mäusen, die ihm sogar auf dem Hochsitz entgegen kamen. „Im Wald laufen mir täglich jede Menge über den Weg. „Ich vermute, es kommt durch den trockenen Sommer“. Mit dieser Einschätzung liegt er fast richtig.

Sehr gute Lebensbedingungen

Die Mäuse fanden schon im trockenen Sommer letzten Jahres gute Lebensbedingungen vor. „So hatten die Fichten im letzten Jahr ein Mastjahr und haben viele Samen produziert“, so Lennestadts Umweltbeauftragte Dr. Swendja Vormstein. Für die Mäuse gab es also Nahrung satt. Ohne stärkere Regengüsse wurden auch die unterirdischen Bauten nicht überflutet, was die Mortalitätsrate minderte. Dadurch konnten sich die Tiere stark vermehren.

„Die Bedingungen für die Tiere sind momentan extrem gut“, so Fachmann Uwe Rink. Das gleiche Phänomen habe es vor einigen Jahren schon einmal gegeben. Damals mussten ganze Grünlandflächen umgebrochen werden, um die Mäuse zu vertreiben.

Beutegreifer lauern schon

Rink glaubt, dass sich das Problem aber von selber lösen wird, weil auch die Greifvögel gute Bedingungen vorgefunden haben und sich auch diese Populationen vermehren werden. Mehr Beutegreifer bedeutet weniger Mäuse, denn diese stehen bei Bussard, Milan und Co. ganz oben auf der Speisekarte.

Diese Zyklen wechseln sich ständig ab. „Aber wir haben den Eindruck, dass diese Wellen immer schneller wechseln und die Zyklen kürzer werden als früher“, so Rink.

Zyklen wechseln schneller

Dass die Populationen in einigen Bereichen besonders stark sind, wie jetzt im Veischedetal, sei ebenfalls durchaus normal. Aber auch im Repetal werde ein vermehrtes Mäuseaufkommen beobachtet. Letztlich werde die Natur das Problem regeln, sind die Fachleute überzeugt.

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