Schülerbeförderung

Familie Stinn aus Fahlenscheid kämpft für Schüler-Taxi

Familie Stinn

Familie Stinn

Foto: Verena Hallermann

Fahlenscheid.   Die Eheleute Elisabeth und Sebastian Stinn wünschen sich von der Stadt Olpe mehr Unterstützung. Denn Fahlenscheid ist nicht am ÖPNV angeschlossen

Mit ihren vier Kindern lebt die Familie Stinn in Fahlenscheid. Kaum mehr als zehn Einwohner zählt der Olper Ortsteil. Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie liegt inmitten einer grünen Idylle, die Nachbarschaft ist überschaubar. Elisabeth und Sebastian Stinn fühlen sich sehr wohl dort. Doch Fahlenscheid ist nicht an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen. Das stellt die Familie immer wieder vor Probleme. Denn die Kinder müssen zur Schule und in den Kindergarten. Nun hat die Familie einen Antrag auf Einrichtung eines Schülerspezialverkehrs gestellt.

Stundenpläne werden ausgewertet

Die Familie Stinn besteht aus Elisabeth (36), Sebastian (37), Johanna (9), Pauline (7), Martha (4) und Klara (2). Die beiden ältesten gehen in die Grundschule in Rhode, die kleinen in den dortigen Kindergarten. Zurzeit haben die Eltern selbst ein Taxiunternehmen beauftragt. Denn alle vier Kinder, mit ihren unterschiedlichen Stundenplänen und Schul- bzw. Kitazeiten jeden Werktag selbst hin- und zurückzufahren, sei nicht möglich. Sowohl der Vater als auch die Mutter sind beruflich im Familienbetrieb tätig. „Da muss nur mal ein Kind krank werden“, verdeutlicht Elisabeth Stinn das Problem.

Die Stadt Olpe beteiligt sich an den Kosten im Rahmen einer Wegstreckenentschädigung. Dafür, dass die Kinder das Schülerticket zurückgegeben haben, hat die Familie noch weitere Kosten erstattet bekommen. Doch die Familie Stinn möchte, dass die Stadt den beantragten Schülerspezialverkehr bestellt und vollständig bezahlt. Nicht nur, weil die tatsächlichen Kosten höher seien, sondern auch, weil die Beauftragung des Taxiunternehmens einen hohen organisatorischen Aufwand darstellt. „Ich muss die Stundenpläne auswerten und dem Unternehmen einen Monat im Voraus die Fahrten mitteilen“, erklärt Elisabeth Stinn. „Wenn wir eine Fahrt aufgrund von Krankheit oder ähnliches nicht früh genug absagen, bleiben wir auf einem Teil der Kosten sitzen.“

Beantragt ist ein Schülerspezialverkehr, also die Beförderung mit einem Taxi, für einen Teil der Fahrten für die beiden ältesten Töchter. Die Kleinen würde die Mutter selbst fahren. Einen Antrag, der die Erstattung der vollen Taxikosten beinhaltet hatte, hat die Stadt bereits abgelehnt. Eine Entscheidung, die die vierfache Mutter nicht verstehen kann. Insbesondere ärgert sie die Begründung, dass sich die Eltern „im Rahmen ihrer privaten Lebensführung für ein Kind entschieden“ hätten und damit auch „bestimmte Einschränkungen“ in Kauf nehmen müssten. Vor diesem Hintergrund sei es „ihnen zuzumuten, ihr Leben so einzurichten, dass sie dies bewältigen“ können. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand erstmal die Busfahrpläne überprüft, bevor er sich ein Kind anschafft“, sagt sie.

Rechtliche Grundlage fehlt

Die Stadt Olpe stützt sich bei ihren Begründungen zur Ablehnung des ersten Antrages der Familie Stinn auf ein Urteil des Verfassungsgerichts Düsseldorf. Denn für die Übernahme der vollen Taxikosten müssen „besonders begründete Ausnahmefälle“ vorliegen. So sei in diesem Urteil sogar die Kostenübernahme eines rollstuhlgebundenen Kindes abgelehnt worden.

Einen Ausnahmefall sieht die Stadt bislang bei der Familie Stinn nicht. Obwohl es unstrittig sei, dass die Beförderung eine große Herausforderung sei, habe die Familie die „umfängliche Unzumutbarkeit der Beförderung“ nicht dargelegt. „Vier Kinder, ein landwirtschaftlicher Betrieb, kein Bus“, zählt Elisabeth Stinn auf. „Reicht das nicht aus? Wir können auch nicht umziehen, weil wir an den Betrieb gebunden sind.“ Im nächsten Jahr wird die älteste Tochter zudem eine weiterführende Schule in Olpe besuchen. Das wird die Organisation erneut komplizierter machen.

In Rehringhausen gibt es hingegen einen Schülerspezialverkehr. Allerdings sei das laut Stadt kein ähnlicher Fall. Die rechtliche Grundlage läge in Fahlenscheid nicht vor. Denn es handle sich nicht um die wirtschaftlichste Beförderungsart. Die Stadt wird den neuen Antrag im heutigen Sozialausschuss prüfen. Dabei soll beraten werden, ob eine „rein freiwillige Regelung“ gefunden werden kann.

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