Ausbildung

Federn für Elbphilharmonie aus Finnentrop

Michelle Behrens (19) macht eine Ausbildung zum Industriemechanikerin in der Produktionstechnik bei der Firma Heinrich Eichbach GmbH in Finnentrop. Sie ist in ihrem dritten Lehrjahr. Ihr Ausbildungsleiter Oliver Ochel unterstütz sie bei der Ausbildung. Die Firma stellt Federn und Stabilisatoren für Fahrzeuge und die Industrie her. 

Michelle Behrens (19) macht eine Ausbildung zum Industriemechanikerin in der Produktionstechnik bei der Firma Heinrich Eichbach GmbH in Finnentrop. Sie ist in ihrem dritten Lehrjahr. Ihr Ausbildungsleiter Oliver Ochel unterstütz sie bei der Ausbildung. Die Firma stellt Federn und Stabilisatoren für Fahrzeuge und die Industrie her. 

Foto: Viktor Dobek

Finnentrop.  Das digitale Arbeiten hat auch in die Hallen der Firma Eibach Einzug gehalten. Michelle Behrens macht eine Ausbildung als Industriemechanikerin.

Mit ihren 19 Jahren hat Michelle Behrens schon eine genaue Vorstellung davon, wie ihr Berufsleben aussehen soll: „Ich möchte mein Leben lang als Industriemechanikerin arbeiten“, sagt sie. Die ersten Schritte, um diesen Wunsch zu verwirklichen, sind getan: Behrens absolviert derzeit ihr drittes Jahr in der Ausbildung zur Industriemechanikerin bei der Firm Heinrich Eibach GmbH in Finnentrop.

Mit dem bisherigen Verlauf ist sie auch sehr zufrieden: „Die Ausbildung bietet viel Abwechslung. Sie ist technisch anspruchsvoll und schon als Azubi habe ich ein hohes Maß an Verantwortung.“ Ihrer angestrebten Laufbahn scheint auf dem ersten Blick nichts mehr im Wege zu stehen. Vorerst zumindest, denn die Digitalisierung erhält immer mehr Einzug in industrielle Prozesse – auch bei der Heinrich Eibach GmbH.

Ferrari und Elbphilharmonie

Das Unternehmen wurde 1951 gegründet. Neben den eigenen Produktionswerken in Finnentrop, Corona (USA) und Taicang (China) ist Eibach außerdem mit Engineering- und Vertriebsfirmen in Australien, England und Südafrika vertreten. „Man kennt uns in erster Linie aus der Fahrwerkstechnik“, sagt Ausbildungsleiter Oliver Ochel. Zu den Produkten in diesem Bereichen zählen unter anderem Achsfedern und Achsstabilisatoren, die von vielen verschiedenen Automobilherstellern verbaut werden. Kunden seien beispielsweise Ferrari und Mercedes AMG, so Ochel. Die „klassichen“ Fahrwerksteile nehmen 50 Prozent der Fertigung ein. Die andere Hälfte der Produktion widmet sich dem Industriebereich.

Die Eibach-Federn übernehmen unterschiedliche Aufgaben: Bei Seilbahnen in Skiliften oder bei Anbaugeräten für Traktoren“, sagt Ochel. Das Spektrum sei breitgefächert. Besonders stolz ist man bei dem Finnentroper Unternehmen auf die Beteiligung am Bau der Elbphilharmonie in Hamburg: „Der Konzertsaal steht auf einem Federpaket von uns“, erzählt Oliver Ochel. Das Fundament des Auditoriums ist mit den Federn von Eibach gekoppelt worden, um die Schwingungen des Hafenbeckens, durch Schiffsschrauben und Motoren, zu eliminieren. Somit trägt auch Michelle Behrens mit ihrer Arbeit zu einer satten Straßenlage und einer hervorragenden Akustik bei. Das nötige Know-how dafür habe sich Behrens bei der „Grundausbildung Metall“ angeeignet, erklärt Ochel: „Die „Neuankömmlinge lernen in einer übergeordneten betrieblichen Ausbildungsstätte die essenziellen Fertigkeiten wie drehen, fräsen, feilen und schweißen“, erklärt der Ausbildungsleiter weiter.

Zuvor müssen die Bewerber aber noch einige Anforderungen erfüllen: „Beim Schulabschluss muss es ein Realschul- oder ein qualifizierender Hauptschulabschluss sein“, stellt Ochel klar. Beim Eignungstest würden räumliches Vorstellungsvermögen, Mathematik, Physik sowie wirtschaftliches- und soziales Wissen abgefragt.

Weiterführende Lehrgänge

Wurden die „Prüfungen“ erst einmal erfolgreich absolviert, verbringen die neuen Azubis sechs Monate in der Grundausbildung. Erst dann geht es für sie in die Betriebe, wo sie nach und nach alle wichtigen Stationen durchlaufen. Bei Eichbach sind das die Kleinfederfertigung, Fahrwerksfederfertigung und die Stabilisatorenfertigung, die vom betrieblichen Ausbildungsplan vorgegeben sind. „Ergänzend hierzu nehmen die Auszubildenden an weiterführenden Lehrgängen teil“, so Ochel.

Für die angehende Industriemechanikerin zählen dazu zum einen Steuerungstechnik sowie CNC-Technik, das Programmieren von computergesteuerten Maschinen. Die 19-Jährige arbeitet hauptsächlich an den Fertigungsanlagen. Behrens Arbeitsbeginn ist um sechs Uhr morgens. Dann macht sie sich ans Werk oder besser gesagt, „an die Maschinen.“ Ihre Arbeit lasse sich auch als „Produktionsvorbereitung“ beschreiben, sagt sie. Denn beim eigentlichen Herstellungsprozess der verschiedenen Eibach-Fabrikate, ist Michelle Behrens schon auf dem Weg zur nächsten Anlage. „Ich richte die Maschinen vorher ein oder rüste sie um“, erklärt die 19-Jährige. Darunter falle das Wechseln der unterschiedlichen Werkzeuge, das Einstellen von Robotern und Programmen, die Materialbereitstellung, Maaskontrollen und Dokumentationen. „Wenn das alles abgearbeitet ist, werden die Produkte hergestellt“, erklärt sie.

Dabei werden laufende Qualitätskontrollen von Produktionshelfern durchgeführt. Gibt es Unstimmigkeiten bei der Maschine, wird Behrens zur Problembehebung zurückbeordert – „ich bin den ganzen Tag quasi nur unterwegs.“ Zwischendurch stehen ihr zwei Pausen á 15 Minuten zu, sagt Ochel.

Digitalisierung bringt Tempo

Verschnaufen tut die Digitalisierung hingegen nicht: „Das Tempo wird immer schneller“, sagt Oliver Ochel. Schon jetzt hat das digitale Arbeiten Einzug in die Hallen von Eibach gehalten – gerade in Hinblick auf die innerbetriebliche Datenverarbeitung, die aufgeteilt ist in Betriebs- und Maschinendatenerfassung. Letztere fällt auch in Michelle Behrens Tätigkeitsbereich. Dementsprechend verändern sich auch ihre Arbeitsabläufe in der Ausbildung, wenn auch erst im Verlauf der dreieinhalb Jahre: „ Je weiter die Ausbildung voranschreitet, desto digitaler wird das Ganze“, erklärt Ausbildungsleiter Ochel.

Eine handwerkliche Grundausbildung sei hierbei aber nicht substituierbar – ganz im Gegenteil: „Ein Grundlagenwissen in der Metallverarbeitung ist zwingend erforderlich“, sagt Oliver Ochel. Einstellung, Inbetriebnahme und Wartung könnten noch nicht von der Technik übernommen werden. Das Berufsbild sei aufgeteilt in Handwerk und Digitalisierung. Schließlich brauche es immer noch jemanden, wie eben den/die Industriemechaniker/in, der alles soweit bringt, dass es auch automatisiert funktioniert, so Ochel, der seinen Standpunkt klarstellt: „In puncto Zukunftssicherheit mache ich mir bei diesem Beruf mittelfristig absolut keine Sorgen.“

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