Feierlicher Umzug

Feldprozession: Uralte Tradition in Attendorn ist Geschichte

Unser Bild entstand im Jahre 2013 und zeigt die Teilnehmer der Flurprozession mit Dechant Andreas Neuser und den Messdienern. Der von den Altarbauern aufgebaute Segensaltar wurde in das  Hahnbeuler Kreuz integriert.

Unser Bild entstand im Jahre 2013 und zeigt die Teilnehmer der Flurprozession mit Dechant Andreas Neuser und den Messdienern. Der von den Altarbauern aufgebaute Segensaltar wurde in das  Hahnbeuler Kreuz integriert.

Foto: Privat

Attendorn.  Feierlicher Umzug in der Hansestadt findet nicht mehr statt. Die Beteiligung aus der Bevölkerung ließ in den vergangenen Jahren stark nach.

Die Attendorner Flurprozession, auch Feldprozession genannt, wird es zukünftig nicht mehr geben. Die Teilnehmerzahl ging im Laufe der Jahre kontinuierlich zurück, so dass man an dieser Tradition nicht mehr festhalten wollte.

Offiziell schreibt dazu Otto Höffer in den letzten Pfarrnachrichten: „Im Oktober 2013 lud der Pfarrgemeinderat die Bevölkerung ein, um die Zukunft der Flurprozession zu beraten. Seitdem hat die Beteiligung an der Flurprozession immer mehr abgenommen, so dass die Gremien der Pfarrei der Meinung sind, die Prozession nicht mehr durchzuführen, da sich diese uralte Tradition offensichtlich überlebt hat. Gleichzeitig gilt aber ein großer Dank all denen, die sich bis zum Schluss um eine würdige Ausgestaltung des Prozessionsweges ehrenamtlich bemüht und letztlich auch persönlich an der Prozession teilgenommen haben.“

Ursprünge aus 1658

Der Ursprung der Flurprozession ist sehr alt. Attendorns Stadtarchivar Otto Höffer recherchierte, dass Pfarrer Johannes Zeppenfeld bereits 1658 diese Prozession im Pfarrbuch erwähnte. Der Geistliche, der erstmals die Semmelsegnung 1658 im Pfarrbuch vermerkte, beschrieb vor 361 Jahren „eine große Prozession am Tag vor Christi Himmelfahrt“. Aus den Annalen geht weiter hervor: „Früh morgens um zwei Uhr zog man aus. Unterwegs wurden an verschiedenen Orten Predigten durch den Kaplan oder jüngeren Vikar gehalten, zusammen neun. Ebenfalls wurden die vier Evangelien gesungen. Einer der beiden geistlichen Herren hatte die hl. Messe in Ennest zu lesen, der andere ein Hochamt in Heggen. Des Abends um 5 Uhr kehrte man zurück.“

Im Laufe der Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte hat sich der ursprüngliche Prozessionsweg immer wieder geändert. 1804 beschnitt man diesen und ging nicht mehr über Heggen und Ahausen. Vor dem Zweiten Weltkrieg sollen sich rund 1000 Menschen an der Prozession beteiligt haben. Früher baute man sogenannte „Ehrenpforten“, das war ein Gerüst aus Tannenzweigen, in Form einer Kapelle, durch die die Prozession zog. Die letzte wurde 1946 errichtet.

Verbot durch die Gestapo

Die Gestapo verbot die Prozession ab 1941. Trotzdem gingen viele Attendorner den traditionellen Weg in den Jahren 1941 und 1942, allerdings ohne Priester. Etliche Gemeindemitglieder wurden anschließend verhaftet und im berüchtigten Dortmunder Gefängnis „Steinwache“ verhört und bestraft. Der Heimatverein organisierte zur Erinnerung an die besondere Prozession im Jahre 1942 vor zwei Jahren einen Rundgang über den annähernden Prozessionsweg.

2017 waren die Zeitzeugen Günter Stumpf, Franz-Josef Köster und Ferdi Rauterkus dabei, von denen Ferdi Rauterkus mittlerweile verstorben ist. Eine Niederschrift der heute 92-jährigen Lisel Berghoff vom 10. Mai 1942 las 2017 vom Heimatverein Uli Selter vor.

Sie schrieb als junges Mädchen: „Um halb sechs Uhr sollte die Feldprozession losgehen. Wie Verschwörer tauchten dunkle Gestalten auf dem Kirchplatz auf. Man wartete bis ungefähr 100 Mann da waren. Dann ging’s los. Wir sangen so laut, wie es unsere Stimmbänder erlaubten. Manche kamen mit verschlafenen Gesichtern ans Fenster und staunten Bauklötze. Auf dem Ohl wurde wie jedes Jahr vorgebetet. In Ennest gab es einen feierlichen Empfang. Die Glocken läuteten, und eine Kuh fing vor lauter Freude an zu tanzen. Die Ennester hatten sogar gestreut. Das Hochamt war picke, packe voll. Danach haben wir in der Backstube bei Schulten Kaffee getrunken. Der Kuchen schmeckte fabelhaft.“

Durch die Entstehung des Industriegebiets „In der Stesse“ entfiel ab 1966 die Predigt im Ohl. 1969 gab es eine Verkürzung des Prozessionswegs. Und durch den Bau des Industriegebiets Ennest, hier war zuvor Acker- und Weideland, gab es ab 1997 den Gang durch das Schwalbenohl zur Josefkirche. Ab 2012, nach der Schließung der Kirche, endete die Flurprozession im Gemeindezentrum „Seliger Adolph Kolping“. Die letzte Flurprozession, wie heute feststeht, war somit am Sonntag, den 6. Mai 2018, nach der 8-Uhr-Messe.

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