Straßenname

Finnentrop: Droht wieder Streit um einen Straßennamen?

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Der Blick von der Birkenstraße: Auf dieser grünen Wiese sollen mehr als 20 Bauplätze entstehen. Und die Frage lautet: Wie soll die neue Straße heißen, die hier gebaut wird?

Der Blick von der Birkenstraße: Auf dieser grünen Wiese sollen mehr als 20 Bauplätze entstehen. Und die Frage lautet: Wie soll die neue Straße heißen, die hier gebaut wird?

Foto: Britta Prasse

Finnentrop.  Die Freien Wähler aus Finnentrop wollen „ein Zeichen gegen Rechtsextremismus“ setzen und eine Straße nach dem „Engel von Auschwitz“ benennen.

Es sind einige der bekanntesten Komponisten der Musikgeschichte, die sich in unmittelbarer Nähe zum geplanten Neubaugebiet „Vorderster Schee II“ in Finnentrop tummeln. Die Straßen dort tragen die Namen von Georg Friedrich Händel, Franz Schubert oder Ludwig van Beethoven. Insofern scheint es nur logisch, dass die neue Straße, die auf der grünen Wiese eines Tages mehr als 20 Baugrundstücke anschließen wird, nach einem Musiker oder Komponisten benannt wird. Zumindest sieht das die CDU-Mehrheitsfraktion so, die mit der Felix-Mendelssohn-Straße liebäugelt – und diesen Vorschlag im Gemeinderat unterbreitete.

Allerdings konnten sich die Freien Wähler für diese Namensgebung nicht erwärmen und kamen ihrerseits mit einem Alternativvorschlag: Die neue Straße solle nach der in der Gemeinde bekannten Ordensschwester Maria Autsch benannt werden. „Nach unserer Auffassung ist es gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, durch diese Auswahl ein markantes Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Die Würdigung von Maria Autsch wäre ein starkes Signal in der heutigen Zeit und würde nach der unglücklichen Debatte um die Nazi-Straßennamen im Jahr 2014 der Gemeinde Finnentrop positiv angerechnet“, erklärte Fraktionschef Christian Vollmert im Anschluss an die Ratssitzung in einer E-Mail an seine beiden Ratskollegen Ralf Helmig (CDU) und Peter Schmitz (SPD).

Kontroverse Diskussionen

Unglückliche Debatte um Straßennamen im Jahr 2014? Die Älteren werden sich vielleicht erinnern, dass die Freien Wähler im Jahr des deutschen Fußballmärchens in Brasilien beantragt hatten, die nach Josefa Berens und Maria Kahle benannten Straßen in Bamenohl umzubenennen – mit Verweis darauf, dass diesen beiden Heimatdichterinnen nationalsozialistisches Gedankengut nachgesagt wurde. Nach kontroversen Diskussionen mit Ex-Bürgermeister Dietmar Heß und einer Anliegerbefragung schmetterte eine politische Mehrheit diesen Antrag jedoch ab. Schon damals plädierten die Freien Wähler dafür, eine dieser beiden Straßen nach dem „Engel von Auschwitz“ zu benennen, wie die in Bamenohl aufgewachsene Maria Autsch aufgrund ihrer nie endenden Nächstenliebe bezeichnet wurde.

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Sie wurde im Jahr 1900 in Röllecken geboren, zog dann mit ihrer Familie nach Bamenohl und besuchte dort die katholische Volkshochschule. Nach einer dreijährigen Lehre im Kaufhaus Bischof & Broegger in Finnentrop arbeitet Autsch in dem Betrieb unter anderem als Verkäuferin, ehe sie den Ordensschwestern in Tirol beitrat. Im Jahr 1940 wurde sie jedoch wegen angeblicher Führerbeleidigung von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager nach Auschwitz gebracht, schreibt Helmut Lehnen in einem Heimatkundlichen Beitrag aus der Gemeinde Finnentrop. „Dort erkrankte sie im Alter von 40 Jahren (…) an Flecktyphus und war wegen ihres Herzfehlers stark gefährdet. Sie (…) wirkte bis zu ihrem Tode segenreich weiter. Am 23. Dezember 1944 starb Schwester Angela Autsch nach über vierjähriger Lagerzeit (…) während eines Fliegerangriffs auf das Lazarett des Konzentrationslagers Auschwitz an einem Herzschlag“, schreibt Lehnen weiter.

Mehr als überfällig

„Durch ihr Wirken ist eine entsprechende Würdigung mehr als überfällig“, wirbt Vollmert dafür, die Straße im neuen Baugebiet nach der bekannten Ordensschwester aus Bamenohl zu benennen.

Grundsätzlich sei das eine tolle Idee, betonte auch CDU-Fraktionschef Ralf Helmig bereits im Gemeinderat. Allerdings würde sich hierfür eine Straße in Bamenohl eher eignen. Außerdem, so ergänzte Bürgermeister Achim Henkel, würde sich ein bekannter Komponist besser in die Umgebung des neuen Baugebietes einfügen.

Eine Entscheidung wurde zunächst vertagt – Ende offen. Mit der Erschließung des Baugebietes unterhalb des „Galgenkopfs“ will die Gemeinde im kommenden Jahr starten, im Haushalt stehen dafür 500.000 Euro bereit.

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