Der etwas andere Job

Finnentroper Alexander Berghaus lehrt Tennis in Manila

Der Finnentroper Alexander Berghaus lehrt Tennis in Manila.

Foto: Privat

Der Finnentroper Alexander Berghaus lehrt Tennis in Manila. Foto: Privat

Finnentrop.   Finnentrop, Eversberg, Manila: Tennistrainer Alexander Berghaus zieht es seit letztem Jahr aus dem Sauerland in die asiatische Millionenstadt. Dort hilft er armen Kindern.

Liebe kann man nicht in Zahlen ausdrücken, aber diese Daten sprechen für sich: Fünf Reisen, 200 Flugstunden, 103 000 zurückgelegte Kilometer. Das alles hat Alexander Berghaus aus Finnentrop innerhalb nur eines Jahres auf sich genommen, um zweierlei Lieben nach Manila, der pulsierenden Hauptstadt der Philippinen, zu folgen: seiner Freundin Evelyn und seinem Sport Tennis.

Alexander Berghaus ist leidenschaftlicher Tennisspieler seit er ein kleines Kind war. Und letztes Jahr hat der 19-Jährige sein Hobby zum Beruf gemacht: Berghaus ist selbständiger Tennistrainer und lehrt Nachwuchsspielern den „weißen Sport“. Bislang tat er das in Finnentrop, Eversberg und seit diesem Sommer auch im 10 286 Kilometer entfernten Manila, wo der Sauerländer alle paar Monate seine Freundin Evelyn besucht.

Der Anfängerfehler

Als Berghaus das erste Mal in Manila die gelben Bälle über das Netz schlug, war er nach nicht mal einer Stunde völlig erschöpft. „Wir haben um 12 Uhr gespielt, bei praller Sonne und 35 Grad, das war ein Anfängerfehler“, lacht Berghaus. Sport treiben könne man in der brütenden Hitze der Philippinen eigentlich nur morgens oder am späten Nachmittag. „Dann ist es noch erträglich“, sagt der Tennistrainer. Die ersten paar Male habe er nur zum Spaß gespielt, doch dann traf er auf Ron.

Ron ist ebenfalls Tennistrainer, aber nicht für die Schönen und Reichen, sondern für arme Kinder aus den Problemvierteln der Millionenstadt Manila. Seine Tennisschule „Pinoypro Sports“ fördert talentierte junge Akteure und unterstützt sie mit kostenlosem Training und Material. Als Ron Alexander Berghaus davon erzählt, sagt der Finnentroper sofort seine Unterstützung zu. „Wir schaffen den Kindern Perspektiven und versuchen, sie frühzeitig aus schlechten Kreisen zu ziehen“, erklärt Berghaus. Was ihm besonders imponiere, sei die Mentalität der Kids. „Mit welchem Eifer und welch einer Begeisterung die den Sport betreiben, das ist unglaublich. Das ist ganz anders als in Deutschland, da vermisst man schon manchmal die Einstellung eines Spielers“, findet Berghaus.

Noch ist die Tennisschule in einer frühen Phase und auf private Sponsoren angewiesen. Berghaus hofft, dass sich auch öffentliche Verbände bald beteiligen und die Tennisschule immer größer wird. „Es wäre ein Traum, wenn wir das ganze über Manila hinaus, vielleicht sogar landesweit ausbreiten könnten. Die Armut in der Stadt ist schon krass, aber auf dem Land ist es noch viel schlimmer.“

Ein anständiger Verdienst

Als Tennistrainer verdient sich Berghaus in Manila keine goldene Nase. Um gut leben zu können, würde es reichen, sagt er: „Zwischen 30 000 und 60 000 Pesos ist der monatliche Verdienst. Das sind in etwa 500 bis 1000 Euro. Das ist schon nicht schlecht, denn die Lebenshaltungskosten sind da ja viel geringer.“

Tennis ist aber nicht der eigentliche Grund, warum es Berghaus nach Manila zieht. Letztes Jahr hat er über Facebook Evelyn kennengelernt. Auch wenn die Distanz mehr als 10 000 Kilometer betrug und sie sich noch nie gesehen haben, funkte es direkt. Evelyns Familie hat den deutschen Gast mit offenen Armen empfangen. Die Verständigung ist kein Problem: Auf den Philippinen, einer ehemaligen US-amerikanischen Kolonie, spricht man neben der Amtssprache Tagalog auch Englisch.

Gewöhnungsbedürftig waren aber erstmal die Schattenseiten der Stadt: Extrem chaotischer Verkehr, laute Kulissen, elendige Zustände in einer äußerst dichten Bevölkerung. Doch spätestens wenn Alexander Berghaus in die begeisterten Gesichter seiner jungen Tennisschüler schaut, wird ihm eine Binsenweisheit bewusst – nämlich die, dass Lebensfreude nicht unbedingt an Reichtum geknüpft sein muss.

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