Weltenbummler

Französisches Paar radelt von Vietnam in die Normandie

Edouard und Amandine Sabourdy bei einer Radlpause an der B 517 in Kirchhundem.

Edouard und Amandine Sabourdy bei einer Radlpause an der B 517 in Kirchhundem.

Foto: Volker Eberts

Kirchhundem.   Wie verrückt muss man sein, um mit einem Dreirad aus Bambusrohr um die halbe Welt zu radeln? Edouard und Amandine Sabourdy haben es getan.

Wie verrückt muss man sein, um mit einem Dreirad aus Bambusrohr um die halbe Welt zu radeln? „Nicht verrückt“, sagen Edouard und Amandine Sabourdy und lächeln dabei überzeugend, „es ist nur ein Traum, den wir jetzt wahr machen.“

Ein Traum, der wohl eher unter die Kategorie Abenteuer fällt. Am 18. Januar sind beiden in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon in Vietnam gestartet. Seitdem führte die Route durch China, die Mongolei, Russland, die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen und durch Polen nach Deutschland

Zwischen 9000 und 10.000 Kilometer zurückgelegt

Mittlerweile hat das Ehepaar zwischen 9000 und 10 000 Kilometern ohne Unfall auf ihrem „Bim“, wie sie ihr Dreirad nennen, zurück gelegt. Wieviel genau, das wissen sie nicht.

Am Dienstag radelten sie genüsslich bei herrlichem Sonnenschein über die B 517 in der Gemeinde Kirchhundem und wohl jeder Autofahrer wunderte sich über das bunte Pärchen und ihr ungewöhnliches Vehikel.

Bambus in Bewegung

Bim, das steht für „Bamboo in motion“, zu deutsch „Bambus in Bewegung“, denn bis auf die Aufhängung der Hinterräder und die Lenkstange aus Stahl besteht der Rahmen des Dreirads komplett aus Bambusstangen, die mit Canabis-, also Hanffasern zusammen gebunden sind. Kaum zu glauben, dass dieses Gefährt die Strapazen von mehr als 9000 Kilometern heil überstanden hat.

Den Sitzen aus Bambusgeflecht ist die lange Reise anzusehen, den beiden Weltenbummlern nicht. Sie machen auch nach neun Monaten auf der Straße einen tiefentspannten Eindruck.

Wohl auch, weil die Reise, der Traum, das Abenteuer, gut geplant war, sofern man einen solchen Trail überhaupt bis ins Kleinste planen kann. „Ein Jahr hat die Vorbereitung gedauert“, erklärt der 35-jährige Edouard, der wie seine Frau in Saigon als Chiropraktiker arbeitete. „Wir wollten langsam reisen und viel von den Landschaften sehen“, sagt seine 31-jährige Frau Amandine.

Und weil die beiden sich auf den Etappen unterhalten wollten, wählten sie kein Tandem, sondern ein Dreirad. Außerdem kann man so mehr Gepäck, das hinter den Sitzen aufgeschnallt ist, mitnehmen. Warum ein Rad aus Bambus? „Weil der Rahmen besser federt und weil wir das Rad selber reparieren können“, sagt Edouard.

So musste das Duo in Moskau eine zehntägige Pause einlegen, um das „Bim“ auf Vordermann zu bringen. Die ölverschmierten Werkzeuge, die griffbereit in einem Beutel an der Lenkstange baumeln, lassen erkennen, dass sie öfter im Gebrauch waren.

Handy lotst den Weg

Sieht man einmal von dem ungewöhnlichen Rahmen ab, verfügt das Dreirad über konventionelle Technik mit Kettenschaltungen für jedes Rad. Die Hinterräder mit Scheibenbremse stammen wegen der Stabilität von einem Kleinkraftrad, das Vorderrad dagegen von einem Fahrrad.

Den rechten Weg durch die halbe Welt weist das Handy per GPS-Navigation. 60 bis 80 Kilometer schafft das Pärchen im Schnitt, nur einmal, von Russland nach Estland mussten sie 125 Kilometer am Stück radeln, weil ihre Visa abliefen.

Wo sie die nächste Nacht verbringen werden, klärt sich meistens erst im Laufe des Tages. Mal schlafen sie im eigenen Zelt, aber meistens findet sich über das Internet-Portal warmshowers.org für Fahrradtouristen eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit. Nur so lassen sich auch die Kosten für den Trip im Zaum halten. Ein Sponsoring-Angebot haben die beiden abgelehnt. „We want to be free“, so Edouard.

Das frühere Leben in Vietnam hinter sich gelassen

Den größten Teil ihrer ungewöhnlichen Reise hat das Duo hinter sich, ebenso wie ihr früheres Leben in Vietnam. Im November wollen sie über die Niederlande und Belgien ihre Heimat in der Normandie in Frankreich erreichen.

Nach dem Winter wollen sie nach Portugal aufbrechen und dort auf Jobsuche gehen - um sich irgendwann den nächsten Traum zu erfüllen.

INFO: warmshowers.org – heiße Dusche für Radwanderer

Die Warmshowers Gemeinschaft (warmshowers.org) ist eine kostenfreie, weltweite Organisation zur Beherbergung von gastfreundlichen Radreisenden.

Menschen, die Tourenradfahrer(innen) beherbergen wollen, melden sich an, stellen ihre Informationen zur Verfügung und haben dann jemanden zu Gast, mit dem oder der sie spannende Geschichten und einen tollen Abend teilen.

Über die Reise des Ehepaars Sabourdy gibt es Blog im Internet unter www.chirolling.travel.blog.

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