Gericht

Freispruch im Attendorner Raub-Prozess

Mit einem Freispruch endete der Attendorner Raub-Prozess vor dem Siegener Landgericht.

Foto: Hendrik Schulz

Mit einem Freispruch endete der Attendorner Raub-Prozess vor dem Siegener Landgericht.

Siegen/Attendorn.   Auch nach sechseinhalb Jahren bleibt der brutale Überfall auf die Spielhalle „Matrix“ ungeklärt. Das Landgericht sprach den Angeklagten frei.

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Richterin Elfriede Dreisbach sprach von „einem seltsamen Verfahren“. Erst im sechsten Anlauf war es der 1. Großen Strafkammer des Siegener Landgerichtes gelungen, den vermeintlichen Belastungszeugen zu hören. Dieser hatte bei der Olper Polizei ausgesagt, dass der Angeklagte ihm die Tat gestanden habe, dies aber vor Gericht widerrufen. Weitere Indizien brachen weg. „Wir sind verzweifelt auf der Suche nach dem, der die Spielothek ­Matrix überfallen hat“, meinte die Richterin. Der siebte Verhandlungstag war der letzte. Der Prozess endete mit einem Freispruch für den Angeklagten (28).

Mit Maske und Pistole

Es geht um einen brutalen Überfall auf die Spielhalle in der Nacht zum 29. November 2011 in Attendorn. Der Räuber war damals mit einer weißen Horrormaske erschienen und hatte die Mitarbeiterin und zwei Kunden mit einer schwarzen Pistole bedroht. Er hatte gesagt, dass er keinen Spaß verstehe und es sofort knallen würde, falls er nicht alles Geld erhalte. Seine Beute: 984 Euro. Zudem hatte er das Handy der Spielhallen-Aufsicht mitgenommen.

Wie berichtet, war urplötzlich ein weiterer Zeuge aufgetaucht. Die überfallene Spielhallen-Mitarbeiterin hatte vor drei Wochen überraschend ausgesagt, dass ihr etwa eineinhalb Jahre nach dem Raub in der Reha in Bad Berleburg ein Mann gesagt habe, sie solle sich mal mit seinem Sohn in Attendorn unterhalten. Dieser wüsste, wer die Spielhalle überfallen habe. „Ich habe damals auch eine Spielhalle in Attendorn überfallen, aber das war zwei Monate vor dem Matrix-Überfall. Da habe ich nichts mit zu tun.“, sagte der 25-jährige Zeuge vor Gericht. Wie unsere Zeitung erfuhr, handelte es sich dabei um die Spielhalle „Playothek“. Den Überfall hatte der 25-Jährige mit dem Zeugen, auf dessen Aussage die Anklage basierte, verübt.

„Sämtliche Indizien, die für eine Tatbegehung des Angeklagten sprachen, sind widerlegt worden oder konnten erklärt werden. Es gibt erhebliche Zweifel an der Tatbegehung. Deshalb Freispruch“, sagte Staatsanwältin Tanja Sotelsek. Das gravierendste Indiz, die Aussage des Zeugen, sei wohl nur erfolgt, weil er in der polizeilichen Vernehmung selbst besser dastehen wollte. Die Aussage erhalte keinerlei Täterwissen. Die Tat mit Maske und Pistole sei Gesprächsthema in Attendorn gewesen und in den Medien. „Die Beweislage war für so einen Anklagevorwurf äußerst dürftig. Sie reicht bei weitem nicht aus, um meinen Mandanten zu verurteilen. Deshalb ist er freizusprechen“, betonte Verteidiger Marcel Tomczak. Der Angeklagte, der von Attendorn nach Hildesheim gezogen war, erschien am letzten Tag nicht im Gericht.

Weitere Ermittlungen versäumt

„Die Zeugin hat von einem Akzent des Täters gesprochen. Er spricht aber akzentfrei“, so Richterin Dreisbach. Es sei versäumt worden nach der Aussage des Zeugen bei der Polizei im Jahr 2014 nachzuvernehmen und weitere Aufklärung zu betreiben. „Das hat uns nicht der Lösung dieses Rätsels nähergebracht“, meinte Dreisbach.

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