Glyphosat

Ganz ohne Glyphosat geht’s vermutlich nicht

Schon jetzt gilt: Versiegelte Flächen dürfen nicht mit Unkrautvernichtungsmitteln behandelt werden. Einzelne Pflanzen können, so Attendorns Umweltbeauftragter Martin Plückebaum, mit einem Pinsel bestrichen werden

Schon jetzt gilt: Versiegelte Flächen dürfen nicht mit Unkrautvernichtungsmitteln behandelt werden. Einzelne Pflanzen können, so Attendorns Umweltbeauftragter Martin Plückebaum, mit einem Pinsel bestrichen werden

Foto: Lars Heidrich

Kreis Olpe.   Hartnäckige Gegner wie der Riesen-Bärenklau werden wohl auch künftig mit Glyphosat bekämpft, aber im Garten und auf der Terrasse hat es nichts verloren.

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Sogar bei den GroKo-Sondierern ist Glyphosat seit Sonntag unten durch. Noch im Dezember hatte es zwischen Union und SPD großen Ärger nach dem Glyphosat-Alleingang von Agrarminister Christian Schmidt (CSU) gegeben, seit Sonntag sind sich CDU/CSU und SPD einig, den Einsatz des umstrittenen Unkrautgifts mit nationalen Regeln zu beschränken. Das Ziel ist „die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden“, heißt es in einem Entwurfspapier.

Bei Martin Plückebaum, Umweltbeauftragter der Stadt Attendorn, rennt die GroKo offene Türen ein. Verzicht auf Glyphosat? „Wir versuchen schon lange, so weit wie möglich ohne Herbizide auszukommen.“

So weit wie möglich.

Auch unter der neuen GroKo wird es, wenn sie denn zustande kommt, Situationen geben, in denen sich Plückebaum den Verzicht auf Herbizide nicht vorstellen kann.

Beispiel Neubaugebiete: Wenn Mutterboden aufgebracht wird, um Flächen gärtnerisch zu nutzen und dieser Mutterboden, wie im Sauerland durchaus üblich, durch und durch mit Ampfer durchsetzt ist: „Wie soll man das denn jäten?“, fragt Plückebaum, „da arbeitet man sich tot und kriegt es trotzdem nicht in den Griff.“

Beispiel Riesen-Bärenklau: Eine Pflanze, die 2008 zur Giftpflanze des Jahres gewählt wurde. Gärtner, die sie beseitigen wollen, tragen Schutzkleidung und Mundschutz. In solchen Fällen wird das Herbizid nicht flächendeckend, sondern selektiv auf die einzelne Pflanze aufgetragen. Ähnliches gilt für den Japanknöterich, dessen man ohne Herbizid aufgrund der extrem langen Wurzeln kaum Herr wird: „Im Steinbruch Biggen ist mal versucht worden, einen Japanknöterich samt Wurzel auszugraben. Bei drei Metern haben die aufgegeben“, erinnert sich Plückebaum.

Herbizid-Sünder

Der großflächige Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft ist ein eigenes Thema, aber wenn es um die Suche nach grob fahrlässigen Herbizid-Sündern geht, bekommt Martin Plückebaum Schützenhilfe von Hubertus Mester, Niederlassungsleiter des Raiffeisen-Marktes in Attendorn. In den Gärten wird mit dem Thema Pflanzengift oft Schindluder getrieben. Die beiden schlimmsten Sätze lauten: „Das habe ich immer so gemacht“, und: „Viel hilft viel.“

„Wir weisen unsere Kunden darauf hin, dass versiegelte Flächen nicht mit Roundup behandelt werden dürfen und schon gar nicht vorbeugend, nach dem Motto, in vier Wochen wächst da bestimmt etwas“, so Mester. Roundup werde über das Blatt aufgenommen und von dort in die Wurzel transportiert. Wo noch kein Blatt zu sehen sei, könne auch kein Roundup wirken: „Das geht dann direkt ins Grundwasser“, sagt Mester.

Und die Alternativen?

Gibt’s in allen Gartenmärkten, sind umweltfreundlich, kosten aber auch Geld und machen Arbeit. Der gute alte Fugenkratzer benötigt größte Entschlossenheit, der Umwelt Gutes zu tun, wer ihn mit einem langen Stiel kauft, tut auch seinen Knien Gutes.

Knieschonend, aber nicht billig, ist der elektrische Fugenkratzer mit Stahlbürste, etwas günstiger ein Gasbrenner, der aber immer wieder Nachschub beim Brennstoff braucht. Die Entscheidung liegt beim Gartenfreund und der Frage, so Hubertus Mester, „ob man den Löwenzahn nicht auch mal als Blume akzeptieren kann.“

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