Ausbildungs-Serie

Gebrüder Kemper Olpe: Ausbildung zum Verfahrenstechnologe

Ausbildungsserie: Johannes Lütticke (links) macht eine Ausbildung zum Verfahrenstechnologen unter der Leitung des Ausbildungsleiters Thomas Kiel (rechts) bei der Gebr. Kemper GmbH. 

Ausbildungsserie: Johannes Lütticke (links) macht eine Ausbildung zum Verfahrenstechnologen unter der Leitung des Ausbildungsleiters Thomas Kiel (rechts) bei der Gebr. Kemper GmbH. 

Foto: Riem Karsoua / WP

Olpe.  Im Rahmen unserer Serie stellen wir Berufe mit Zukunft vor. In dieser Folge erzählt Johannes Lütticke über seine Ausbildung bei Gebr. Kemper.

Mit dem Abschluss in der Tasche steigen viele Schüler mit einer Ausbildung direkt ins Berufsleben ein. Dabei geben die Namen der verschiedenen Ausbildungen nicht unbedingt eine ausführliche Beschreibung des Berufsfelds. Ein Beispiel ist der Verfahrenstechnologe – was man sich darunter vorstellen kann, ist für viele zunächst ein Rätsel. So ging es auch Johannes Lütticke. Dennoch entschloss er sich, nach seinem Abitur die Ausbildung bei Gebrüder Kemper in Olpe zu beginnen. Was er dort gelernt hat? Zusammen mit der WP blickt er zurück.

Abwechslungsreiche Aufgaben

Jeden Morgen um sechs Uhr startet sein Tag zunächst mit einem Rundgang in den Hallen der Gebrüder Kemper. Das Unternehmen ist auf die Fertigung von Buntmetallprodukten und Metallhalbzeugen spezialisiert. Die dort hergestellten Teile finden sich meistens in der Automobil- und Elektroindustrie wieder. Zunächst müssen alle Maschinen kontrolliert werden. „Anschließend gibt es eine Liste vom Meister“, erinnert sich Johannes Lütticke, der seine Ausbildung kürzlich abgeschlossen hat. „Ganz oben stehen die eiligsten Aufträge, die erledigt werden müssen.“ Zu diesen Aufträgen zählen unter anderem das Bedienen von Anlagen und Maschinen mit denen Bänder aus Kupferlegierungen hergestellt oder Metalle gezogen werden. Der junge Mann bereitet Fertigungsanlagen vor, montiert Walzen und andere Umformwerkzeuge und ist für die Überwachung und Steuerung des Umformvorganges zuständig. Auch der Bandschwebeofen gehört zu seinen Aufgaben. Das ist die Anlage der Endbandfertigung, worunter mehrere Anlagen fallen, wie zum Beispiel das Walzen oder Glühen, erklärt er. „Er betreut schon während der Ausbildung die Anlage von Anfang bis zum Ende des Prozesses“, sagt Ausbilder Thomas Kiel.

Lütticke ist früh klar geworden, dass er einen technischen Beruf erlernen möchte. Ein Studium direkt nach dem Abitur? Nein, das ist für ihn keine Option. Jetzt nach Abschluss seiner Ausbildung ist das etwas anderes. „Seit August studiere ich an der Universität Siegen Maschinenbau“, freut er sich. Den Weg dorthin hat er bereits in der Ausbildung begonnen: Kompliziertere Fächer, wie beispielsweise Werkstofftechnik, werden nämlich in dem Unternehmen durch einen internen theoretischen Werkunterricht vertieft. „Wenn in der Schule Schwierigkeiten bestehen, dann gehen wir in dem Unterricht darauf ein und versuchen diese zu lösen“, erklärt Kiel.

Die Zukunft des Berufes

In Bezug auf Digitalisierung hat sich am technischen Ablauf nicht viel geändert. „Das was viel besser durch Elektronik und Laser geworden ist, ist beispielsweise die Messtechnik. Beim Ablauf des eigentlichen Walzprozesses gibt es kaum Unterschiede. Man kann also nicht sagen, dass da nur Computer die Tätigkeit durchführen könnten“, erklärt der Ausbilder und ergänzt: „Mit Industrie 4.0 allein ist die Arbeit nicht möglich. Wir brauchen das Personal, das die jeweilige Maschine bedient. Ich sehe mit Industrie 4.0 keine großartige Änderung.“ Lütticke stimmt seinem damaligen Mentor zu: „Die technischen Einstellungen, Wartungen, Instandhaltung und die Kontrollgänge müssen auch weiterhin durchgeführt werden. Von der Technik können die nicht einfach übernommen werden.“

Schulische Anforderungen

Der Verfahrenstechnologe bekommt eine allgemeine Ausbildung. Zunächst lernt er alle Schritte, um die Anlagen und Maschinen bedienen zu können. Dazu gehört die Einrichtung von Maschinen und Anlagen sowie die Wartung und Reparatur. Am Bandschwebeofen, an dem sich Johannes Lütticke zuletzt befand, gibt es beispielsweise auch Reinigungsbäder, wo Schwefelsäure eingesetzt wird. Das müsse alles eingestellt, genaustens geprüft und kontrolliert werden, erklärt Kiel. Die schulischen Anforderungen, die ein Bewerber erfüllen muss, ist die Fachoberschulreife. Technisches Geschick und räumliche Vorstellungskraft seien ebenfalls von Vorteil. „Der Beruf ist sehr zukunftssicher“, versichert der Ausbilder. Wer sich weiterbildet, habe zudem auch sehr gute Aufstiegschancen, da in dem Berufszweig des Metalls – zumindest in dem Gebiet der Walzwerktechnik – die Verfahrenstechnologen kaum ausgebildet werden.

Neben der praktischen Ausbildung und der Theorie in der Schule, gehen die Auszubildenden während ihrer Grundausbildung zur EMG, wo sie die Voraussetzungen zur Metallverarbeitung lernen. In diesem Jahr stehe zudem noch ein vierwöchiges Auslandspraktikum, in Kooperation mit der IHK, in England an, das für die Auszubildenden vorgesehen ist, die sowohl mit guten Noten als auch mit einer guten Beurteilung überzeugen, so der Ausbilder.

Alle weiteren Folgen der Ausbildungs-Serie der WESTFALENPOST Olpe lesen Sie hier

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