Unfallzahlen

Gefährliche Sucht: Handy am Steuer

Foto: Volker Eberts

Kreis Olpe.   Die Unfallzahlen des Jahres 2016 sind da: Die Polizei berichtet über Licht und Schatten im Kreis Olpe. Immerhin: Es gab weniger Unfälle als 2015.

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Licht und Schatten weisen die Unfallzahlen für das letzte Jahr aus. „Eine erfreuliche Entwicklung“, so Landrat Beckehoff bei der Vorstellung gestern. Erfreulich, weil die Zahl der registrierten Verkehrsunfälle nach dem Anstieg in 2015 im letzten Jahr um 1,6 Prozent gesunken ist, und das gegen den Landestrend in NRW (plus 3,34 Prozent). Allerdings verunglückten mit 546 Personen 13 mehr als noch 2015 und auch die Zahl der Todesopfer stieg um zwei auf sechs Personen. Zwei davon erlitten laut Polizei bereits vor dem Unfall am Steuer einen Herzstillstand.

Bedenklich sind dagegen zwei andere Zahlen: Die Verstöße durch Ablenkung am Steuer sind signifikant angestiegen. 1412 Mal erwischte die Polizei Fahrzeugführer mit Handy am Ohr oder in der Hand, fast 400 mehr als noch im Vorjahr. Und bei den Unfallursachen ist zu geringer Abstand immer häufiger der Grund. Für die Polizei ist klar: „Mehr Unfälle mit zu geringem Abstand ist für uns ein Hinweis durch Ablenkung durch das Smartphone.“

Handys im Fußraum

Was bedeutet: Immer mehr Autofahrer greifen während der Fahrt zu ihrem Handy, um zu telefonieren, Nachrichten zu verschicken oder sonstige Informationen abzurufen. „Wir werden deshalb die Verstöße durch Handys am Steuer stärker bebachten“, so Erster Polizei-Hauptkommissar Hans-Jürgen Schüttler, Leiter der Verkehrsdirektion der Kreispolizeibehörde.

Bei jedem Unfall schauen die Beamten deshalb bewusst nach, ob nicht ein Handy im Fußraum des Unfallautos liegt, das auf eine Missachtung des Handyverbots am Steuer hinweisen könnte.

Aber nicht nur das Handy führt zur Ablenkung. Manchmal kann es auch der Blick auf den Navigationsbildschirm sein, der den Fahrer ablenkt und auf die Gegenfahrbahn lenken lässt, wie 2016 geschehen.

Eine Problemgruppe blieben auch 2016 die Jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren. Hier ging die Zahl der verunglückten Personen mit 118 wieder nach oben und das Jahr 2014, als „nur“ 93 junge Erwachsene verunglückten, war lediglich eine rühmliche Ausnahme.

Auch die Zahl der Unfallverursacher unter den Jungen Fahrer stieg von 51 auf 67 signifikant. Bei fast jedem vierten Unfall mit Personenschäden war ein junger Fahrer beteiligt (23,4 Prozent). Auch im Landesvergleich der Jungen Fahrer sind die Zahlen alarmierend, liegt der Kreis Olpe in der Spitzengruppe.

Maßnahmenbündel

Das Maßnahmenbündel der Polizei im Kreis Olpe zielt deshalb auch in diesem Jahr auf die Bekämpfung der Unfallursachen. Landrat Frank Beckehoff: „Die Raser bleiben im Visier, zu schnelles Fahrer ist immer noch Unfallursache Nummer 1 im Kreis Olpe.“ Darüber hinaus will die Polizei an ihrem Präventionskonzept festhalten. An den drei Crashkursen, in denen Schülerinnen und Schüler die gesamte Bandbreite der schrecklichen Folgen eines tödlichen Unfalls gezeigt wird, erreichten im letzten Jahr 1138 Schülerinnen und Schüler teil. In diesem Jahr wird es drei weitere Crash-Kurse geben.

Die beste Unfallverhütungsmaßnahme für Fahranfänger ist immer noch, wenn Mama oder Papa auf dem Beifahrersitz mitfahren. Nicht ein Unfall mit 17-jährigen Fahranfängern wurde 2016 registriert. Dabei erweist sich das Begleitete Fahren immer mehr als Renner. 1015 Führerscheine an 17-Jährige wurden 2016 ausgestellt.

Eine weitere Problemgruppe der letzten Jahre hat sich im letzten Jahr aus dem Focus der Polizei gefahren, die Motorradfahrer: Nur 48 Unfälle wurden registriert, 2015 waren es noch 73. Hans-Jürgen Schüttler: „Die verstärkte Überwachung durch die Polizei hat hier zum Erfolg geführt, wir haben hart und viel gearbeitet und vielleicht auch das Glück des Tüchtigen gehabt.“ Bei den Krad-Rasern spielen die 18-24-jährigen keine große Rolle. Zwei Drittel der 48 Verunglückten kamen nicht aus dem Kreis und waren älter als 40.

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