Interview

Gerd Müller aus Hillmicke verabschiedet sich aus der Politik

Nach vier Jahrzehnten hat sich Gerd Müller aus der Politik verabschiedet. In der Hand hält er das Jahrbuch 1941, das Jahr, in dem er geboren wurde.

Nach vier Jahrzehnten hat sich Gerd Müller aus der Politik verabschiedet. In der Hand hält er das Jahrbuch 1941, das Jahr, in dem er geboren wurde.

Foto: Roland Vossel

Hillmicke.  Gerd Müller verabschiedet sich nach vier Jahrzehnten aus der Politik in Hillmicke. Er hat sein Amt als Vorsitzender der CDU-Ortsunion abgegeben.

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Gerd Müller ist ein Urgestein der Union. 35 Jahre war der Hillmicker CDU-Mitglied im Rat der Gemeinde Wenden und zehn Jahre 1. stellvertretender Wendener Bürgermeister. Zudem war der Ehrenratsherr 28 Jahre Vorsitzender der CDU-Ortsunion Hillmicke. Dieses Amt hat der 78-Jährige vor drei Wochen bei der Mitgliederversammlung abgegeben und sich damit nach insgesamt vier Jahrzehnten aus der Politik verabschiedet. Müller ist neben dem Ottfinger Kunibert Kinkel Träger des Ehrenringes der Gemeinde Wenden, der aktuell verliehenen höchsten Auszeichnung der Gemeinde Wenden. Einen Ehrenbürger oder eine Ehrenbürgerin gibt es derzeit nicht. Dies war zuletzt die verstorbene Elsbeth Rickers.

Was waren die Gründe, als Vorsitzender der CDU Hillmicke aufzuhören?

Gerd Müller: Aus Altersgründen und weil ich einen adäquaten Nachfolger gefunden habe. Es ist Zeit, dass man sagt, es ist genug. Ich hatte im Vorfeld mit Paul Sieler abgesprochen, dass er mein Nachfolger wird. Es war höchste Zeit, das Amt in jüngere Hände zu geben.

Blick zurück. Wie hat damals alles angefangen?

Im Jahr 1979 war Herbert Ackerschott im Rat und ich sein persönlicher Vertreter. Er gab das dran, von heute auf morgen und meinte: Jetzt musst du ran. Das war mitten in der Legislaturperiode. Ich war jung, hatte genug um die Hand und mich bis dahin politisch um wenig gekümmert. Aber man bildet sich immer weiter. Ich musste im Rat erst lernen. Ich habe mich auf die Hinterbeine gesetzt, um mitreden zu können.

Und wie wurden Sie Parteivorsitzender in Hillmicke?

Aus gesundheitlichen Gründen hatte Hans Meier im Jahr 1991 aufgehört. Es war damals schwierig, einen Vorsitzenden für die CDU Hillmicke zu finden. Da habe ich das übernommen.

Was sind die wesentlichen Unterschiede zu damals und heute?

Wir hatten damals einen größeren Kreis an Mitgliedern. Neue Mitglieder zu bekommen war damals einfacher als heute. Mich hat niemand fragen müssen, ob ich in die CDU eintreten wollte.

Was waren die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für den Ort Hillmicke?

Das war das Baugebiet Ober den Wieden, dann der Bau des Sportplatzes und die Umsetzung kleinerer Baugebiete am Ortsrand wie Nordstraße. Ganz wesentlich war auch der Bau der Sporthalle in Hillmicke. Aber man war ja nicht nur Vertreter des Ortes, sondern auch der Gemeinde. Am Anfang, vor 35 Jahren, ging es auch noch um die Zentralentwässerung, den Kanalbau. Das Industriegebiet Auf der Mark ist nach und nach erweitert worden. Es wurde einiges bewegt.

Was war das Erlebnis, das Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben ist und Sie am meisten bewegt hat?

Ich muss ganz ehrlich sagen: Das war die Wahl des Bürgermeisters im Jahr 2004. Ich habe mich damals sehr eingesetzt für Bürgermeister Peter Brüser, obwohl ich nichts gegen den Gegenkandidaten Tonis Halbe hatte. Aber das Verfahren hat mich geärgert. Ich habe getan, was ich konnte, um Bürgermeister Brüser die Stange zu halten. Ich war überzeugt davon. Als er fast 68 Prozent einstrich, war es so, als ob ich selbst betroffen wäre. Das war das Größte.

Gab es eine Devise, ein Motto, nach dem Sie gehandelt haben?

Ich habe immer nach meinem Gewissen gehandelt. Anders geht es nicht.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Paul Sieler? Was können Sie ihm für Tipps geben?

Er ist beruflich eingebunden als Leiter der Sparkasse Wenden und ist mit Publikumsverkehr groß geworden. Da muss man ihm nicht auf die Sprünge helfen. Der weiß, wo es langgeht.

Die Hillmicker CDU hat bei der Mitgliederversammlung auch die Weichen gestellt für die Kommunalwahlen im nächsten Jahr.

Ja. 2014 war Michael Brüser als Ratsmitglied gewählt worden. Da er jetzt aber in Neu-Listernohl wohnt, konnte er nicht mehr dem Rat Wenden angehören. Jetzt haben wir mit Stefan Dornseifer einen neuen Kandidaten aufgestellt. Sein Stellvertreter ist Roland Grunau. Es wäre schön, wenn wir ihn auch noch über die Reserveliste in den Rat bekämen. Dann hätten wir erstmals zwei Ratsvertreter aus Hillmicke.


Was sind die wichtigsten Aufgaben in der nächsten Zeit für den Ort Hillmicke? Was gibt es für Probleme?

Die Feuerwehr braucht ein neues Feuerwehrhaus, eventuell an einem neuen Standort wegen der An- und Abfahrt. Ich bin dagegen, neue Baugebiete in der Prärie zu erschließen. Die Ortskerne dürfen nicht leer werden. Bei den Innenlagen muss man jungen Familien unter die Arme greifen. Hier sollen fünf Windräder hin mit 200 Meter Nabenhöhe. Das betrifft nicht nur Hillmicke, sondern den ganzen Bereich Olpe, Drolshagen, Wenden. Windkraft ist im Moment ziemlich umstritten. Ich bin nicht dagegen, wir müssen Strom haben, aber die Frage ist, ob das der Weisheit letzter Schluss ist und es nicht andere Möglichkeiten gibt. Das ist zur Zeit noch keine reife Sache. Da werden Unmengen von Beton in den Wald gebracht, und es muss ins Netz eingespeist werden. Man fühlt sich nicht wohl dabei.

Wie blicken Sie auf die Zeit als 1. stellvertretender Bürgermeister in Wenden zurück?

Jeder Termin hat mir auch nicht geschmeckt, aber im Großen und Ganzen habe ich das gerne gemacht. Ich hatte Zeit, war Rentner und konnte die Termine vorbereiten und wahrnehmen. Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf.

Wen würden Sie als Kanzlerkandidaten der CDU favorisieren und warum?

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir Annegret Kramp Karrenbauer nicht als Kanzlerin vorstellen kann. Mein Favorit wäre im Moment Friedrich Merz, weil er ziemlich direkt ist und in seiner Zeit als Politiker deutliche Zeichen gesetzt hat. Was er sagt und tut, da ist Sinn drin.

Bleiben Sie der CDU noch in irgendeiner Funktion erhalten?

Gut, ich marschiere mit der CDU Hillmicke mit. Ich werde zu Veranstaltungen gehen und meine Meinung sagen. In der Partei mache ich nichts mehr. Das war es. Aber wenn der Paul mich fragt, werde ich mit ihm sprechen.

Was sind Ihre Hobbys?

Mein Hobby ist das Sauerlandtheater Hillmicke, in dem ich 38 Jahre lang Vorsitzender war. Zwar habe ich da nichts mehr zu sagen, aber mich interessiert, was unter dem neuen Vorstand läuft. Außerdem brauche ich Bewegung, Ich gehe viel spazieren.

Wie verbringt Gerd Müller Weihnachten?

Mit der Familie zu Hause.

Was kommt auf den Tisch?

Bei uns gibt es Rinderrouladen.

Was sind Ihre Weihnachtswünsche?

Die persönliche Gesundheit ist alles. Und man muss in der unruhigen Zeit den Weltfrieden bewahren. Man muss sich mal überlegen, was auf der Welt los ist, wenn man an Nordkorea, Trump oder Putin denkt.

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