Urteil

Gericht Olpe: Angeklagte mit Messer auf Freund losgegangen

Das Amtsgericht in Olpe.

Foto: Josef Schmidt

Das Amtsgericht in Olpe.

Olpe/Attendorn.   Die Angeklagte fügt dem Freund mit 2,5 Promille im Blut eine Wunde zu. Der Richter stellt das Verfahren gegen 70 Stunden gemeinnützige Arbeit ein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es war ein ungewöhnliches Verfahren am Olper Amtsgericht: Eine Attendornerin (45) ging im Rausch mit einem Messer auf ihren Freund (44) los, beide leben immer noch zusammen und der Richter ging mit der Angeklagten früher in die gleiche Schulklasse.

Rückblende. Zunächst hatte es am 9. Dezember vergangenen Jahres um 12.15 Uhr einen verbalen Zoff in der gemeinsamen Wohnung in Attendorn gegeben. Plötzlich ging die 45-Jährige in die Küche, holte ein Messer und fügte ihrem Freund laut Anklage eine zwei Zentimeter lange Schnittwunde an der Hand zu.

Attendornerin bei Messerattacke betrunken

„Ich kann mich an den Vorfall überhaupt nicht mehr erinnern. Ich war stark alkoholisiert“, sagte die Angeklagte. In der Tat: 2,5 Promille Alkohol im Blut waren damals bei ihr festgestellt worden.

Sie habe ein Alkoholproblem: „Ich trinke nicht andauernd, aber wenn, dann immer drei bis vier Tage am Stück. Hauptsächlich Wein, aber ab einem gewissen Pegel ist mir das egal.“ Auf Nachfrage von Richter Markus Gerndorf bestätigte die Angeklagte, dass sie mit ihrem Freund weiterhin zusammenlebe.

Auch nach der Tat habe es keine zwischenzeitliche Trennung gegeben. Wenn sie etwas getrunken habe, habe es häufiger Auseinandersetzungen gegeben: „Ich weiß, dass ich dann kein angenehmer Zeitgenosse bin. Aber so was mit dem Messer hatte ich noch nie gemacht.“

Richter ehemaliger Klassenkamerad der Angeklagten

Zu Beginn des Prozesses hatte Richter Gerndorf bekanntgegeben, dass er mit der Angeklagten fünf Jahre lang in die gleiche Klasse in der Realschule gegangen sei: „Aber wir haben seit 1989 keinen Kontakt mehr. Ich sehe von einer Selbstanzeige ab.“

Einen Befangenheitsantrag gab es nicht, so dass die Verhandlung ordnungsgemäß abgespult werden konnte.

Der bei der Tat mit 1,4 Promille ebenfalls alkoholisierte Freund bestätigte die Attacke mit dem Messer: „Sie kam aus der Küche und hatte plötzlich ein Messer. Ich wollte es mit einem Pantoffel wegschlagen und habe mich dabei verletzt.“ Beide hätten im Internet gespielt und dann sei man in Streit geraten.

„Es ist aber doch außergewöhnlich, dass man dann noch zusammenbleibt, wenn man mit dem Messer aufeinander losgeht“, meinte der Richter. Dazu der 44-Jährige: „Nee, wir haben uns nicht getrennt. Ab und zu habe ich noch Schmerzen. Der Stich war ziemlich tief.“ Die Angeklagte habe nach der Tat gelallt und sei geschwankt, so ein Polizist: „Sie war eher nicht zurechnungsfähig.“

Knapp an Schuldunfähigkeit – Psychotherapie geplant

„Bei den Ausfallerscheinungen ist das hier knapp an der Schuldunfähigkeit“, so Richter Gerndorf. Sie wolle an sich arbeiten und strebe nach Rücksprache mit ihrem Hausarzt eine Psychotherapie an, versicherte die Angeklagte.

Da eine solche Therapie angesichts von Wartezeiten über einem Jahr als Auflage nicht in Betracht kam, stellte Richter Gerndorf das Verfahren bei Erledigung von 70 Stunden gemeinnütziger Arbeit ein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Mehr zum Thema
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik