Schornsteinfeger warnt

Geruchlose Gefahr: Dohlen verstopfen Schornsteine

Bezirksschornsteinfegermeister Eberhard Schmies (Mitte) und seine beiden Mitarbeiter müssen im Frühjahr auch Dohlennester aus Schornsteinen entfernen. Links Lehrling Raphaela Menke, rechts Schornsteinfegermeister Björn Krumpholz.

Bezirksschornsteinfegermeister Eberhard Schmies (Mitte) und seine beiden Mitarbeiter müssen im Frühjahr auch Dohlennester aus Schornsteinen entfernen. Links Lehrling Raphaela Menke, rechts Schornsteinfegermeister Björn Krumpholz.

Foto: Roland Vossel / WP

Attendorn/Kreis Olpe.  Wenn Dohlennester Schornsteine verstopfen, droht eine geruchlose und tödliche Gefahr. Schornsteinfegermeister Eberhard Schmies sagt, warum?

Eberhard Schmies hat seinen Humor nicht verloren. „Es gibt auch noch andere Gefahren“, sagt der Schornsteinfegermeister schmunzelnd im Gespräch mit unserer Redaktion. Neben dem Coronavirus ist jetzt im Frühjahr auch die Zeit der Dohlen, die mit ihren Nestern die Schornsteine verstopfen. „Das kann lebensgefährlich werden“, berichtet der Attendorner.

Aktuell gebe es auch für Schornsteinfeger die Anweisung, auf direkte Kundenkontakte zu verzichten und mindestens zwei Meter Abstand zu halten, so der 62-Jährige: „Am besten ist es, wenn wir klingeln und der Kunde uns reinlässt und wieder in seine Wohnung geht. Das klappt in der Regel, weil wir die Kunden hier kennen.“ Für alle Fälle hätten die Schornsteinfeger aber auch Masken und Einmalhandschuhe dabei, falls die Kunden damit nicht einverstanden seien. Diese habe man bisher aber noch nicht gebraucht.

„Aktuell sehen wir zu, dass wir die Kehrarbeiten fertig bekommen. Dann ist es nicht mehr so schlimm“, sagt Schornsteinfegermeister Schmies. Wenn aber der Notstand ausgerufen würde, könnten die Schornsteinfeger nur noch Arbeiten erledigen, bei denen sie nicht ins Haus müssten: „Dann könnten wir nur noch mit der Leiter aufs Dach. Das wäre natürlich der Supergau, aber da gehen wir mal nicht von aus.“

Nestbau schnell passiert

Zurück zur aktuellen Dohlen-Gefahr. „Jetzt fangen sie wieder an. Die haben so ein Nest in ein paar Stunden fertig“, berichtet der 62-Jährige. Bevorzugt hätten es die intelligenten Höhlenbrüter auf innerstädtische Bereiche abgesehen. Da dort Nistmöglichkeiten Mangelware seien, suchten sie sich Schornsteine aus, um darin ihre Nester zu bauen. Solche Bereiche seien zum Beispiel die Attendorner Altstadt und das Olper Weierhohl, aber in letzter Zeit auch das Attendorner Schwalbenohl, so Eberhard Schmies. Besonders beliebt seien alte Schornsteine mit einer rauen Oberfläche und Abdeckungen, die die Dohlen vor Regen schützten.

Eine tückische Gefahr

„Ihre Technik ist, die Äste zu einem V zu biegen, so dass sie im Schornstein hängen bleiben. Dann können sie weitere Äste darauf werfen. Auch Tempotaschentücher werfen sie hinein“, berichtet der Bezirksschonsteinfeger aus Attendorn. Und: „Die Dohlen machen den Schornstein komplett zu. Da geht nichts mehr durch, und die Abgase strömen aus der Heizungsanlage zurück in den Keller oder die Wohnräume. Dann besteht Lebensgefahr.“ Eine tückische Gefahr: „Kohlenmonoxid ist geruchslos und strömt durch Wände.“ Durch den Rückstau des hochgiftigen Gases komme es auch zu erheblichen Schäden im Keller.

Nicht zögern

Wer beobachtet, dass Dohlen immer wieder zum Schornstein seines Hauses fliegen, sollte deshalb sofort den Schornsteinfeger verständigen. „Wenn der Putz von den Wänden fällt oder sie Abgase im Keller bemerken, rufen die Leute mich an. Dann kann ich meine Sachen packen“, erzählt Schmies. Im Schnitt dauere es ein- bis eineinhalb Stunden, bis er ein Dohlen-Nest entfernt habe: „Letztes Jahr hatte ich aber einen Schornstein, der war so etwas von zu. Da war ich sechs Stunden dran. Ich habe schon Nester zehn Meter tief in Schornsteinen gefunden und entfernt. Da hatte mich ein Kunde angerufen und gesagt, dass es piept.“ In der Regel hole er so viel Nistmaterial aus den Schornsteinen, dass er damit einen 80 Liter Müllsack füllen könne.

Einmal, erzählt Eberhard Schmies, habe er ein Nest im Schornstein herunter gezogen mit drei jungen Dohlen: „Ich habe die drei unverletzten Tiere mitgenommen und über Nacht gefüttert. Am nächsten Tag habe ich sie zu einem Spezialisten des Nabu gebracht, der sie dann aufgezogen hat.“

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