Gericht

Geständnis im K.-o.-Tropfen-Prozess - Sexuelle Stimulation

Olpe/Siegen.   Der Angeklagte (56) hat gestanden, den Frauen Tropfen in die Getränke gemischt zu haben. Er sei von einer sexuell stimulierenden Wirkung ausgegangen.

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Beharrlich hatte der 56-Jährige aus Drolshagen alle Vorwürfe abgestritten: vor dem Olper Schöffengericht vor knapp zwei Jahren und auch jetzt am ersten Tag der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Siegen. Nein, er habe den sechs Frauen nichts in Getränke gemischt, um sie widerstandslos und sexuell gefügig zu machen. Wie berichtet, hatte ihn das Olper Gericht zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er den sechs Damen K.-o.-Tropfen verabreicht haben soll.

Am zweiten Tag der Berufungsverhandlung gab es jetzt eine Kehrtwende des Angeklagten. Er legte ein Geständnis ab, wie die Pressestelle des Landgerichtes auf Anfrage mitteilte. „Er hat gestanden, dass er den Damen tatsächlich etwas verabreicht hat, bestreitet aber, dass es sich um K.-o.-Tropfen gehandelt hat. Er sei davon ausgegangen, dass es sich um Tropfen handelte, die sexuell stimulierend seien. Er bestreitet weiterhin, dass die Frauen durch die Tropfen widerstandsunfähig waren“, so die Gerichtssprecherin.

Tropfen im Internet bestellt

Verteidiger Klaus Hesse hatte zunächst bei der Kammer wegen einer Verständigung nachgefragt, wenn sein Mandant ein Geständnis ablegen würde. Dies lehnte Richterin Sabine Metz-Horst aber ab. Sie wolle erst alle Zeuginnen hören, da der Angeklagte den Vorwurf der K.-o.-Tropfen weiter bestreitet. Der 56-Jährige hatte gestanden, ein Fläschchen im Internet für 25 Euro bestellt zu haben. In englischer Sprache sei für die sexuelle Stimulation der Tropfen geworben worden. Er habe den sechs Frauen jeweils fünf Tropfen in Getränke gemischt. Das Fläschchen habe er weggeworfen.

Die Frau, die damals Anzeige erstattet hatte, machte vor Gericht einen äußerst geknickten Eindruck. Sie sei nach den schlimmen Erlebnissen, bei denen ihr Bewusstsein immer mehr getrübt worden sei, psychisch schwer erkrankt. Eine andere Zeugin hatte das Geschehene offenbar besser verkraftet: Auch sie berichtete von Schwindel und Erbrechen, schickte dem Angeklagten aber später noch ein Sexvideo und vier Wochen lang eindeutige SMS.

Strafe ist völlig offen

Die Marschroute ist klar: Verteidiger Klaus Hesse strebt mit dem Geständnis eine Strafe von maximal zwei Jahren an, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Auf der anderen Seite könnte es für den 56-Jährigen auch mehr geben als die drei Jahre in Olpe. Die Staatsanwaltschaft hatte nämlich ebenfalls Berufung eingelegt.

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