Kultur

Grevenbrück: Archiv der Stadt Lennestadt zieht nach Elspe

Alles wird eingepackt. Jürgen Kalitzki mit dem Scheinwerfer einer E-Lok, Andrea Bräutigam mit einer sogenannten Plattenstudiokamera von Jupp Schmies, der ein Fotoatelier in Finnentrop hatte.

Alles wird eingepackt. Jürgen Kalitzki mit dem Scheinwerfer einer E-Lok, Andrea Bräutigam mit einer sogenannten Plattenstudiokamera von Jupp Schmies, der ein Fotoatelier in Finnentrop hatte.

Foto: Roland Vossel

Grevenbrück.  Das Archiv der Stadt Lennestadt in Grevenbrück, das sich derzeit im alten Amtshaus befindet, zieht nach Elspe. Jürgen Kalitzki hilft beim Umzug.

Eigentlich ist Jürgen Kalitzki bereits in der passiven Phase der Altersteilzeit bei der Stadt Lennestadt. Doch wegen der aktuellen Ereignisse ist für den 63-Jährigen noch nicht an Ruhestand zu denken. Im Gegenteil. Jürgen Kalitzki ist mittendrin. 1983 hat er das Archiv der Stadt Lennestadt in Grevenbrück im alten Amtshaus eingerichtet und jetzt hilft er mit beim Umzug nach Elspe. „Das ist mir natürlich eine Herzensangelegenheit“, sagt der Mann, der 34 Jahre lang Stadtarchivar war, im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Archiv sei „das Gedächtnis der Stadt Lennestadt“, betont er.

Die Umzugsarbeiten sind derzeit im Alten Amtshaus in Grevenbrück in vollem Gange. Alles muss raus: Archiv, Bibliothek und Museum. Über ein Förderband wird aus dem Fenster alles hinunter gebracht und in einem Lkw verstaut. „Es sind 8000 Exponate vom Museum, 2000 Kartons vom Archiv und 3000 Bücher und Zeitschriften der Bibliothek“, berichtet Stadtarchivarin Andrea Bräutigam.

Bis Mitte November soll das ganze Gebäude geräumt sein. „Wir müssen alles leer machen vom Dachgeschoss bis zum Keller. Von den drei Bereichen, die im Haus sind, kommt nur das Museum zurück. Archiv und Bibliothek ziehen um in die Grundschule Elspe“, so Jürgen Kalitzki.

„Die meisten Sachen gehen nach Elspe. Zudem haben wir, gerade auch für große Exponate, noch ein Zwischenlager, eine leerstehende Lagerhalle im Elspetal, angemietet“, erläutert Martin Steinberg, Fachbereichsleiter Öffentlichkeitsarbeit und Kultur bei der Stadt Lennestadt.

Etwa zwei Millionen Euro werden laut Steinberg in die komplette Neuausrichtung der Museumslandschaft investiert. Einen Förderbescheid des Landes über 1,17 Millionen Euro übergab Heimatministerin Ina Scharrenbach im Mai in Grevenbrück. „Sie können hier einen beachtlichen Akzent für die Zukunft setzen“, hatte die Heimatministerin gesagt. Die Stadt habe Zeit, das bis zum 31. Dezember 2021 umzusetzen.

Abriss Anfang 2021

Es muss also aufs Gaspedal getreten werden. Dach- und Außenfassade des denkmalgeschützten Gebäudes wurden bereits im vergangenen Jahr erneuert und saniert. Anfang 2021 soll in Grevenbrück mit dem Abriss des Anbaus aus den 60er Jahren begonnen werden. „Dort wird eine Freifläche geschaffen, die vom ganzen Dorf genutzt werden kann. Auch die OT kann das dann zum Beispiel nutzen für den Kinderhort oder man könnte auch eine Vernissage vom Museum mit einem Empfang draußen machen“, so Martin Steinberg. Besonders freue sich auch der Heimatverein über die freie Fläche und den Umbau.

Nach dem Abriss des Anbaus erfolgt der Umbau mit einer Kernsanierung. „Es gibt neue Elektrik, eine neue Heizung, Wände werden versetzt. Der Korpus bleibt, aber der ganze Innenbereich wird neu konzipiert und eingerichtet“, sagt Steinberg.

Bleiben soll die Ausstellung „Moderne Zeiten – Vom Leben im Sauerland 1850 – 1955“. Unter diesem Titel zeigt das Museum die Geschichte der Orte und Landschaften, die heute zu Lennestadt gehören. Thema der ständigen Ausstellung ist die Geschichte dieser ländlichen Region von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre. Ausgangspunkt ist der Bau der Ruhr-Sieg-Eisenbahn im Jahre 1861, der Beginn des Industriezeitalters in den Dörfern an Lenne, Veischede und Elspe. Es gibt über 400 Fotos und Ausstellungsstücke sowie erläuternde Texte.

„Es wird künftig moderne pädagogische Museumselemente geben“, so Jürgen Kalitzki. Die Stadtarchivarin denkt an Mitmachelemente für Jugendliche oder Infos über QR-Codes. Weiterer Schwerpunkt des neuen Museums in Grevenbrück soll die Wollwerkstatt bleiben, sagt Andrea Bräutigam: „Das sind ehrenamtliche Damen, die den Kindern zeigen, wie man Wolle verarbeitet vom Schaf bis zum Faden. Die Kinder können da mitgestalten.“

Einzug in 2022 geplant

Im Frühjahr 2021 soll die Ausschreibung für die neue Museumskonzeption erfolgen, so Steinberg: „Ich denke, dass der Einzug hier dann im Jahr 2022 ist.“ Bereits Anfang 2021 sollen Archiv und Bibliothek in der Grundschule Elspe ihre neue Heimat gefunden haben. Dort hat man dann wesentlich mehr Platz. „Die Archivbestände werden weiter steigen“, meint Jürgen Kalitzki. Stadtarchivarin Bräutigam dankt bei den derzeitigen aufwändigen Umzugsarbeiten allen Nachbarn, ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helfern. Im hinteren Bereich werde zudem ein Aufzug entstehen: „Dann sind alle Etagen barrierefrei. Das ist wichtig für die älteren Besucher.“

Es sei ungewöhnlich, so Martin Steinberg, dass zwei Museen in einem Ort sind: „Aber im Kulturbahnhof geht es ja auch um die Ruhr-Sieg-Strecke. Das kann dann ein Appetitanreger für das Museum hier sein.“ Hintergrund: Im Kulturbahnhof Grevenbrück eröffnet Bürgermeister Stefan Hundt am Freitag, 23. Oktober, die neu konzipierte Dauerausstellung unter dem Thema „Fahrt Richtung Zukunft. Die Ruhr Sieg-Strecke und der Wandel der Mobilität“. Der Kulturchef im Lennestädter Rathaus ist sich angesichts der vielen Aktivitäten sicher: „Der Kulturort Grevenbrück wird weiter gewinnen.“

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