Gewalt

Häusliche Gewalt: 148 Anzeigen im Kreis Olpe im Jahr 2017

Den Gürtel in der Hand: Auch im Kreis Olpe gibt es zahlreiche Frauen, die unter der Gewalt ihrer Männer oder Partner leiden.

Foto: dpa/ Grafik: Sascha Kertscher

Den Gürtel in der Hand: Auch im Kreis Olpe gibt es zahlreiche Frauen, die unter der Gewalt ihrer Männer oder Partner leiden.

Kreis Olpe.   Viele Frauen im Kreis Olpe leiden unter physischer und psychischer Gewalt. Frauenhaus lehnt 99 Personen ab. Polizei vermittelt 42 Betroffene.

In der vergangenen Woche überbrachte die Kreispolizeibehörde überwiegend gute Nachrichten: So ist im Kreis Olpe die Zahl der Wohnungseinbrüche deutlich zurückgegangen, zudem konnten die Beamten mehr Straftaten aufklären (wir berichteten). „Das ist eine erfreuliche Tendenz“, sagt Elvira Schmengler. So weit, so gut. Doch die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises weiß: „Leider ist diese Tendenz bei unserem Thema, der häuslichen Gewalt, nicht gegeben. Wir haben gleichbleibend hohe Stände.“ Das geht auch aus den Zahlen hervor, die das Netzwerk gegen häusliche Gewalt (siehe Infobox) am Montag vorstellte.

Die Polizei

So gingen im Jahr 2017 insgesamt 148 Strafanzeigen wegen sexualisierter Gewalt, also von sexueller Nötigung bis hin zur Vergewaltigung, bei der Polizei ein. Ähnlich viele wie vor drei Jahren, allerdings weniger als 2016.

Erfreulich sei hingegen, dass sich immer mehr Frauen trauen würden, eine Anzeige zu erstatten. „Das hängt sicherlich auch mit der Me-too-Debatte zusammen. Wir sind froh, dass sich das Anzeigenverhalten positiv verändert hat und die Hemmschwelle niedriger geworden ist“, erklärt Michael Kopsan, Opferschutzbeauftragter bei der Kreispolizei. So seien auch weniger Anzeigen als in den Vorjahren zurückgenommen worden.

Die Zahl der Wohnungsverweise und Rückkehrverbote für Täter, häufig sind es Ehemänner oder Partner, blieb fast identisch im Vergleich zu 2016 bei knapp 100 Fällen. Kopsan: „Unsere Kollegen fahren eine Null-Toleranz-Strategie. Man muss wissen: Wenn sich misshandelte Frauen melden und wir dann vor Ort eintreffen, dann haben diese Frauen in der Regel mindestens fünf Jahre Gewalterfahrung schon hinter sich.“

Die Frauenberatungsstelle

42 Personen vermittelte die Polizei letztes Jahr an die Frauenberatungsstelle des Kreises. Davon nahmen 23 das Angebot einer persönlichen Beratung an. „Häufig handelt es sich um eine umfassende Gewaltproblematik“, erläutert Anette Pfeifer von der Frauenberatungsstelle. So gehe es in vielen Fällen zunächst harmlos zu, wenn etwa Verwandte oder Freunde des Opfers schlecht gemacht würden. „Doch nach und nach werden die Kontakte abgeschnitten und die Frauen tun sich schwer rauszugehen. Hinzu kommt die ökonomische Gewalt. Die Betroffenen haben also keinen Zugang zum Geld, selbst wenn sie über ein eigenes Einkommen verfügen“, erklärt Pfeifer. Neben sexuellen Übegriffen spielten mitunter Mobbing, Probleme in der Schule oder psychische Krankheiten eine große Rolle. Pfeifer nennt ein Beispiel: „Wir erleben es häufig, dass jungen Mädchen in der Schule verboten wird, ein Top zu tragen oder sich mit anderen Jungs zu unterhalten. Dieses Thema ist leider immer noch aktuell, auch wenn wir in der Moderne angekommen sind.“

Das Frauenhaus Olpe

Im Jahr 2017 nahm das Olper Frauenhaus, wie die Beratungsstelle eine Einrichtung des Vereins Frauen helfen Frauen, 70 Frauen und 74 Kinder auf. Der Großteil bleibt in der Regel nur für wenige Tage oder Wochen. Die wenigsten Neuankömmlinge stammen zudem direkt aus dem Kreis Olpe. „Zuhause werden sie häufig massiv bedroht, weshalb sie nicht in derselben Stadt bleiben können“, erläutert Anna Birker vom Frauenhaus, das lediglich Platz für acht Frauen und zehn Kinder bietet.

Deshalb musste die Einrichtung im letzten Jahr auch 99 Frauen wegen Überbelegung oder aus anderen Gründen ablehnen.

Informationen: Kooperation seit 2002

Dem Netzwerk gegen Häusliche Gewalt gehören neben Polizei, Frauenhaus und Frauenberatungsstelle unter anderem auch das Jugendamt und der Weiße Ring an. Es besteht seit 2002.

Anlass zur Gründung war unter anderem das Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetztes, das der Verbesserung des zivilgerichteten Schutzes bei Gewalttaten, aber auch bei der Überlassung der Ehewohnung bei Trennung dienen soll. So dürfen misshandelte Frauen und ihre Kinder in der ehemals gemeinsamen Wohnung bleiben, hingegen werden die gewalttätigen Ehemänner oder Partner der Wohnung verwiesen. Außerdem können den Opfern Schutzanordnungen (etwa Annäherungs- und Kontaktverbote der Täter) zugesprochen werden.

Kontakt zur Frauenberatungsstelle: frauenberatungsstelle.olpe@gmx.de oder 02761 / 611722

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