Tradition

Hans-Josef Gerbe legt sein Amt als Poskevatter nieder

Experten unter sich: Poskevatter „Hansel“ Gerbe im Gespräch mit Dieter Hundt (rechts), Geschäftsführer des Gesamt-Osterfeuervereins.

Experten unter sich: Poskevatter „Hansel“ Gerbe im Gespräch mit Dieter Hundt (rechts), Geschäftsführer des Gesamt-Osterfeuervereins.

Foto: Privat

Attendorn.   Der 72-jährige Hans-Josef Gerbe legt sein Amt als Poskevatter nieder. Der Poorte bleibt der Attendorner aber erhalten.

Die Kölner Poorte ohne Hans-Josef Gerbe an der Spitze, den sie alle nur „Hansel“ nennen. Das können sich viele Attendorner Poskebrüder gar nicht vorstellen. Der 72-Jährige gehört zum Osterfeuer im Kölner Tor wie der Kümmelsemmel zum Knochenschinken. 14 Jahre hat der dienstälteste Poskevatter der vier Po(or)ten beim Kreuz aufstellen die Kommandos gegeben. Davor war Gerbe zwölf Jahre lang Stellvertreter seines Vorgängers Herbert „Allo“ Neu. Erste Vorstandsluft schnupperte der Mann aus der Engelbertstraße als Kassierer. Poskevatter war damals der legendäre Paul „Lehmann“ Hundt.

Mehr als Kassierer wollte „Hansel“ Gerbe, der von Kindesbeinen zum Holz stellen mit in den Wald gegangen ist, bei seiner Kölner Poorte auch gar nicht werden. Als der junge Mann in die Fußstapfen von Kassierer August Bicher trat, übernahm er dessen nicht ganz ernst gemeinte Devise. „Ich mache das solange, bis ich nicht mehr schreiben kann.“

18 Jahre später ließ sich Gerbe zum Poskevatter wählen. „Ich wollte das gar nicht und habe mich überreden lassen“, blickt der traditionsbewusste Hansestädter zurück.

In Zukunft Stammgast

Am Freitagabend endet offiziell die „Ära Gerbe“ bei der Kölner Poorte. Dann übergibt der langjährige Poskevatter auf der Generalversammlung in der Gaststätte „Kotani“ das traditionsreiche Amt und legt die Verantwortung in jüngere Hände. Der Poorte bleibt der Attendorner natürlich erhalten. Aus dem ehemaligen Mubea-Angestellten, der zu Fuß zu seinem Arbeitsplatz in der Buchhaltung gehen konnte, wird auch bei der Kölner Poorte ein Rentner. „Meine Sachen mache ich weiter“, wird der 72-Jährige auch in Zukunft Stammgast auf dem Osterkopp sein und dort nach dem Rechten sehen.

„Ohne Rentner geht es bei der Poorte einfach nicht“, lacht Ehefrau Maria, kurz Ria genannt. Sie hat ihrem Mann immer den Rücken frei gehalten. Wenn die Beiden künftig wieder einen ihrer Spaziergänge unternehmen, weiß Ria Gerbe schon jetzt, dass ihr „Hansel“ wie eh und je nach guten Plätzen zum Holz stellen Ausschau halten wird.

Beim Besuch unserer Zeitung in der Engelbertstraße ist überraschend Dieter Hundt vorbeigekommen. Der Sohn des unvergessenen Poskevatters Paul Hundt wird auch „Lehmann“ genannt und stammt natürlich ebenfalls aus der Kölner Poorte. Dieter Hundt ist Geschäftsführer des Osterfeuervereins Attendorn, zu dem die Kölner Poorte, Waterpoote, Niederste Poorte und Ennester Pote gehören. Poskebrüder haben nicht nur in den Wochen vor Ostern immer etwas zu besprechen.

„Hansel ist ein hervorragender Poskevatter“, stellt Hundt seinem Gastgeber ein erstklassiges Zeugnis aus und lobt Gerbe für dessen „unermüdlichen Einsatz“. „Das ist ja fast wie ein Nachruf“, schmunzelt der zweifache Vater, der eher bescheiden auftritt und gar nicht so gerne im Mittelpunkt steht.

Als Poskevatter musste er das in den letzten 14 Jahren zwangsläufig. An der Spitze der Kölner Poorte konnte sich „Hansel“ Gerbe immer auf „gute Helfer“ verlassen. „Ich bin kein Handwerker“, verrät der 72-Jährige kein Geheimnis. Gab es technische Fragen oder Probleme, standen Experten wie Willi Springob oder Ewald Korte mit Rat und Tat bereit.

Begeisterung über Generationen

Bei seiner Poorte hat „Hansel“ Gerbe viele Freunde gefunden. Und um den Nachwuchs ist dem Attendorner nicht bange. Auch in der Kölner Poorte, von der die ersten Berichte aus dem Jahr 1922 stammen, wird die Begeisterung für das einzigartige Attendorner Osterbrauchtum in vielen Familien von einer Generation auf die nächste übertragen.

Das gilt auch für die Gerbes. „Unser Michael ist schon mit drei Jahren mit in den Wald gegangen“, berichtet der stolze Vater.

Schon vor zwei Jahren wollte „Hansel“ Gerbe als Poskevatter in Rente gehen. Dann ließ er sich für eine weitere Amtszeit überreden. „Ich habe das nie bereut. Mir hat es immer Spaß gemacht“, blickt der 72-Jährige auf die 14 Jahre an der Spitze seiner Kölner Poorte zurück. Jetzt ist Gerbe aber froh, die Verantwortung übergeben zu können. Denn vor einer Aufgabe hat der Mann aus dem Kölner Tor immer gehörigen Respekt gehabt. „Das Aufstellen des Kreuzes war für mich die schlimmste Stunde im ganzen Jahr. Wenn das Kreuz steht und festgemacht ist, sind mir immer 1000 Steine vom Herzen gefallen“, gibt „Hansel“ Gerbe zu, dass er vor Ostern nie gut geschlafen hat.

Wenn in ein paar Wochen das Aufstellen und Abbrennen des Osterkreuzes ohne Probleme geklappt hat, dann wird „Hansel“ Gerbe am Ostersonntag wieder in der hoch über dem Krankenhaus und den St. Ursula-Schulen gelegenen Hütte der Kölner Poorte auf Wunsch der Poskebrüder sein Lied anstimmen. Wer den „Heinrich“ schon mal gehört hat, wird ihn nicht so schnell vergessen.

Wie sein Vor-Vorgänger Paul „Lehmann“ Hundt gibt es für „Hansel“ Gerbe in einem Punkt keine Zweifel. „So wie wir es schreiben, ist es richtig.“ Poorte also mit r und zweimal o.

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