Gesundheit

Hausarzt Stefan Spieren kämpft für die Zukunft der Ärzte

Ärzteversorgung im Kreis Olpe

Ärzteversorgung im Kreis Olpe

Foto: Manuela Nossutta Funkegrafik NRW / WP Olpe

Kreis Olpe.  Wie kann man Ärzte dazu motivieren, sich im ländlichen Raum niederzulassen? Der Facharzt aus Hünsborn hat eine Idee. Das ist sein Projekt.

Knapp ein Jahr ist es her, als Stefan Spieren eine Praxis in Niederdielfen (Wilnsdorf) übernommen hat. Es sollte eine Filiale der Arztpraxis Spieren & Kollegen in Hünsborn werden. Auch, um zu verhindern, dass eine weitere Praxis auf dem Land schließen muss, hatte sich der Facharzt für Allgemeinmedizin und Allgemeinchirurgie einst zu diesem Schritt entschieden. Doch das ist nun vorbei, die Filiale in Niederdielfen muss geschlossen werden. Der Grund: Es findet sich kein Arzt. „Wir haben lange gesucht“, bedauert Spieren. „Aber ohne einen Kollegen können wir die Versorgung nicht sicherstellen.“

Ärzte willkommen heißen

Es ist kein Einzelfall. Immer häufiger finden Hausärzte auf dem Land keinen Nachfolger. Doch dagegen wird nun aktiv etwas getan. Und zwar auf Initiative von Stefan Spieren. Zusammen mit der Unternehmensberaterin Lara Bäumer hat er das Leader-Projekt „UnternehmensWertArzt“ ins Leben gerufen. Es geht darum, (junge) Ärzte bei ihrem Plan, sich niederzulassen – mit all den verbundenen Fragen und Risiken – zu unterstützen. Einige Projektpartner sind mit an Bord. Darunter die katholische Hospitalgesellschaft, die Volksbank in Südwestfalen oder Promedia Medizintechnik. „Wir sind offene Türen eingerannt“, erzählt der 41-Jährige. „Alle waren überzeugt von dem Projekt.“

Die erste Veranstaltung im Rahmen des Projekts war am Donnerstag im Olper Krankenhaus. Eingeladen waren Ärzte, die in Krankenhäusern arbeiten oder gerade mit ihrem Studium fertig geworden sind. Spieren wirbt für die Vorteile einer Niederlassung. Eigenständigkeit, Flexibilität und die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte setzen sind nur einige der Vorteile, die Spieren sieht. „Man kann sich seine Work-Life-Balance selbst gestalten“, sagt Spieren, der die Praxis in Hünsborn 2015 von seinem Vater übernommen hat.

Es geht um die Zukunft

Zurzeit sieht die hausärztliche Versorgung im Kreis Olpe gemäß der statistischen Zahlen seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe mit Blick auf die Bedarfsplanung stabil aus. Sogar mehr als das. Der Versorgungsgrad liegt bei rund 100 Prozent (siehe Grafik). „Meine Passion ist, dass wir auch in Zukunft genug Ärzte im Kreis Olpe haben“, betont Spieren. „Ein großer Teil ist zwischen 60 und 65 Jahre alt.“

Auch die Kommunen sind mit im Boot. Sie haben sich bereit erklärt, die Ärzte, die sich hier niederlassen wollen, beispielsweise bei der Grundstückssuche oder auch bei der Suche nach einem Kita-Platz zu unterstützen. Bernd Clemens, Bürgermeister der Gemeinde Wenden, ist überzeugt von dem Projekt. „Ich bin absolut begeistert“, betont er. „Das ist ein ganz toller Baustein, um die hausärztliche Versorgung zu sichern.“ Natürlich ist das Thema auch in der Gemeinde Wenden schon längst präsent. Regelmäßig werden Gespräche mit Blick auf die Nachfolgersituation mit den Ärzten geführt, erzählt der Bürgermeister. „Die meisten sind über 60“, sagt Clemens. „Wir müssen nachhaltig an die Zukunft denken.“ Doch wie sieht die Prognose für die kommenden Jahre aus? Vanessa Pudlo, Pressesprecherin der Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, sagt, dass eine Prognose schwierig sei. „So gibt es beispielsweise keine Altersgrenze mehr für Ärzte, das heißt, sie können auch nach ihrem 68. Lebensjahr weiterhin vertragsärztlich tätig sein“, erklärt sie.

Die Veranstaltung am Donnerstag war erst der Anfang, verzeichnet jedoch schon erste Erfolge. „Eine Kollegin aus dem Rhein-Land hat ihr Interesse bekundet“, freut sich Stefan Spieren.

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