Windkraft

Heimspiel für Windkraftgegner im Frettertal

Wie auf dieser Fotomontage könnt es aussehen, wenn die bis zu 240 Meter hohen Windkraftanlagen rund um Serkenrode gebaut werden.

Foto: IG Gegenwind Frettertal

Wie auf dieser Fotomontage könnt es aussehen, wenn die bis zu 240 Meter hohen Windkraftanlagen rund um Serkenrode gebaut werden. Foto: IG Gegenwind Frettertal

Serkenrode.   450 Besucher folgen Einladung der IG Gegenwind Frettertal - bei allen Kontroversen: Intakte Dorfgemeinschaft soll bewahrt werden

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Zwar hat der Rat der Gemeinde Finnentrop die Planung von Windkraftanlagen für zwölf Monate auf Eis gelegt. Aber der Bau von bis zu 240 Meter hohen Windrädern rund um Serkenrode und Schöndelt ist nach wie vor ein heißes Eisen im Frettertal. So folgten am Mittwochabend rund 450 Bürger der Einladung der Interessengemeinschaft Gegenwind Frettertal und informierten sich in der rappelvollen Schützenhalle Serkenrode über die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Beeinträchtigungen durch diese riesigen Industrieanlagen in der schönen Landschaft. Windkraftbefürworter kamen nicht zu Wort.

Thema Infraschall

Dr. Joachim Ullrich aus dem Siegtal ist ebenfalls ein betroffener Bürger, was die Errichtung von Windrädern betrifft. „Bei uns sollten 40 Anlagen gebaut worden.“ Und deshalb ist der Frauenarzt aktiv geworden und hat sich besonders mit dem Thema Infraschall beschäftigt. Das sind Schallwellen, die der Mensch nicht hören, nach Überzeugung von Joachim Ullrich aber spüren kann. „Gegen niederfrequente Schallemissionen gibt es keinen Schutz“, ist der Mediziner überzeugt und präsentierte Studien zu möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. „Wehren sie sich, solange es noch geht. Wenn die Dinger stehen, ist es meistens schon zu spät“, appellierte Dr. Ullrich an die Zuhörer.

Ein erklärter Gegner von Windkraftanlagen ist Christof Gerhard. Der erste Vorsitzende der Bürgerinitiative Rehringhauser Berge kämpft schon seit einigen Jahren gegen Windräder, die nach seiner Meinung wirtschaftlich unsinnig, gesundheitsgefährdend und unsozial sind. „Es geht ausschließlich um ganz viel Geld. Hier werden unglaubliche Werte vernichtet“, wetterte Gerhard am Mittwochabend gegen die ungeliebte alternative Energie aus Windkraft.

„Mit den Windrädern kann man nicht die Welt retten, was CO2 betrifft.“ Für den Mann aus Rehringhausen macht der Bau neuer Anlagen überhaupt keinen Sinn. Zumal auch die Speichermöglichkeiten fehlten. Die privilegierte Einspeisung von Strom aus Windenergie und Photovoltaik gefährde die Netzstabilität und könne zu Strom-Blackouts führen.

Besonders angetan hat Christof Gerhard, der auch an der Spitze des 52 Bürgerinitiativen umfassenden Bündnisses Gegenwind Südwestfalen steht, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen und garantiert feste Einspeisevergütungen. Für Gerhard ist das Gesetz angesichts steigender Strompreise ein „volkswirtschaftliches Desaster“ und müsse deshalb ersatzlos gestrichen werden.

50 000 Euro Pacht im Jahr

Der Rehringhauser hat in seinem kleinen Ort selbst erlebt, wie das Thema Windkraft die Dorfgemeinschaft spalten kann. „Bei 50 000 Euro Pacht im Jahr kann jeder verstehen, dass darüber nachgedacht wird“, zeigte Christof Gerhard ein gewisses Verständnis, dass Grundstückseigentümer ins Grübeln kommen. Auf der anderen Seite verwies er auf die Risiken beim Rückbau dieser „Industrieanlagen im Wald“ in 20 Jahren. „Das ist ein ganz heißes Thema“, warnte Gerhard auch vor möglichen Veränderungen des Trinkwasserspiegels und der Trinkwasserqualität.

Vor allem ein Werteverlust ihrer Immobilien dürfte viele Frettertaler beschäftigen. So geht Christof Gerhard schon bei einem Abstand von 1000 Meter zu einem Windrad von einem Verlust von bis zu 30 Prozent aus. „Und das alles für etwas, was keinen Sinn macht“, schüttelte der Windkraftgegner den Kopf.

Moderiert wurde der Abend in Serkenrode von Johannes Richter. Der schloss die Info-Veranstaltung in der Schützenhalle mit einem eindringlichen Appell: „Uns allen von der IG Gegenwind Frettertal liegt eines ganz besonders am Herzen: Bei allen kontroversen Ansichten und gegensätzlichen Interessen ist es uns wichtig, dass wir uns im gegenseitigen Respekt begegnen und somit eines bewahren: eine intakte Dorfgemeinschaft, die dauerhaft keinen Schaden nimmt.“

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