Glockenguss

Historisches Ereignis in Attendorn: Gäste sehen Glockenguss

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Die Inhaber und Mitarbeiter der Glockengießerei Hermann Schmitt aus der Vulkaneifel beim Gießvorgang.

Die Inhaber und Mitarbeiter der Glockengießerei Hermann Schmitt aus der Vulkaneifel beim Gießvorgang.

Foto: Meinolf Lüttecke

Attendorn.  Auf dem Alten Markt in Attendorn wurden zwei Glocken gegossen. Eine läutet bald im Sauerländer Dom. Auch der Erzbischof aus Paderborn kam.

Gleich zwei Glocken wurden am Freitagabend in aller Öffentlichkeit vor der Kirchentreppe des Sauerländer Doms in Attendorn gegossen. Viele Interessierte waren gekommen, um den Arbeiten rund um das Gießen der beiden Glocken zuzuschauen. Eine Glocke wird nach Biekhofen gehen, eine weitere erhält die Pfarrkirche St. Johannes Baptist als „Kleppglocke“. Seit vielen Jahrzehnten wird in Attendorner Unternehmen gegossen. Zwar keine Glocken, aber Armaturen. Und so waren auch die Firmeninhaber Walter Viegener (Viega), Christian Beul (ABA Beul), Christian Bruse (Gebr. Bruse) und Axel Beul (Beulco) als besonders Sachkundige unter den zahlreichen Zuschauern auszumachen.

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Familienbetrieb aus der Vulkaneifel vollbringt den Glockenguss in Attendorn

Der Familienbetrieb Glocken- und Kunstguss Hermann Schmitt war mit vier Personen aus der Vulkaneifel angereist, um das Werk in Attendorn zu vollbringen. Sie hatten einen Gussofen aus Steinen aufgebaut. In der Mitte der Schmelztiegel, in dem die Bronze auf ca. 1300 Grad Celsius erhitzt wurde. Pastor Martin Hufelschulte, der mehrere Jahre Vikar in Attendorn war und sich in der Ausbildung zum Glockensachverständigen befindet, erklärte, dass die Bronze zu 78 Prozent aus Kupfer und 22 Prozent aus Zinn besteht. Er hat sich mit Claus Ortmann um die über Jahre dauernden Vorbereitungen gekümmert.

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Nachdem das Kupfer erhitzt war, kam zum Schluss Zinn hinzu. Nach der Zulegierung wurde die Schmelze gereinigt. Durch die Reinigung werden Schlacke und Gase der „Glockenspeise“ entzogen und so die Grundlage für einen sauberen Guss gelegt. Das flüssige Gussmaterial hielt man durch Rühren in Bewegung, um eine gute Konsistenz zu erreichen. Zwar war der Guss der beiden Glocken für 18 Uhr terminiert, jedoch das klappt nicht so ganz und der 82-jährige Seniorchef Hermann Schmidt rechtfertigte sich gegenüber Anja Geuecke, die den Nachmittag moderierte, dass man die Uhrzeit bei einer Geburt auch nicht ganz genau bestimmen könne. Aber gegen 18.30 Uhr war dann der Moment gekommen, dass die beiden Gussformen mit dem heißen Rotguss gefüllt werden konnten. Dechant Andreas Neuser gab noch den Segen, dann konnte es losgehen.

Jetzt war höchste Konzentration gefordert, denn nur im unbedingten Miteinander lässt sich ein gutes Ergebnis erzielen. Seniorchef Hermann Schmitt brachte seine geballte Erfahrung mit und spornte seinen Sohn Christoph und Metallbaugesellin Julia Robilla beim nur wenige Minuten dauernden Gießvorgang entsprechend mit „schneller“ an. Seine Premiere hatte Enkel Peter, die dritte Generation, der erstmals einige Gießkellen mit der heißen Legierung in die Gussform schüttete. „Damit die Familientradition bei der Glockengießerei Schmitt gut weitergeht“, animierte Pastor Hufelschulte dazu, einmal kräftig zu applaudieren, was sich die Besucher nicht zweimal sagen ließen.

Erzbischof aus Paderborn kommt zum 950-jährigen Jubiläum

Am Sonntagmorgen begann um 10 Uhr in der Pfarrkirche ein Festhochamt mit dem Hauptzelebranten, Erzbischof Hans-Josef Becker. Anlass des Besuches des Paderborner Oberhirten war die erste urkundliche Erwähnung der Pfarrei St. Johannes Baptist in einer Stiftsurkunde von Erzbischof Anno II. von Köln im Jahre 1072. Seitdem sind 950 Jahre vergangen. Allerdings so gut wie sicher ist, dass Attendorn schon zwischen 780 und 800 so etwas wie eine „Missionszentrale“ zur Christianisierung der umliegenden Orte gewesen ist.

Musikalisch mitgestaltet wurde das Pontifikalamt durch eine Gemeinschaftsaktion von Josefschor und Domchor, unter der Leitung von Diethard Wurm. Feierliche Orgelmusik mit Kirchenmusiker Michael Wurm an der Orgel und bekannte Choräle rundeten die Feier ab. Nach Grußworten von Bürgermeister Christian Pospischil und dem Vorsitzenden des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde, Wolfgang Dröpper, erfolgte das erste Anschlagen der neuen Glocken. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Attendorn und der Spielmannszug des St. Hubertus-Schützenvereins Biekhofen sorgten dabei für die musikalische Begleitung. Die Festlichkeiten endeten mit einem gemeinsamen Frühschoppen auf dem traditionellen Feuerwehrfest der Freiwilligen Feuerwehr Attendorn.

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