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Hünsborn: Bürger vermissen Café, Eisdiele und Drogeriemarkt

Reichlich Gesprächsstoff: Die Hünsborner berichten WP-Redakteur Roland Vossel (rechts) von den Problemen in ihrem Ort.

Reichlich Gesprächsstoff: Die Hünsborner berichten WP-Redakteur Roland Vossel (rechts) von den Problemen in ihrem Ort.

Foto: Dominik Brendel / WP

Hünsborn.  Gastronomie statt Industrie: Beim Besuch des WP-Mobils in Hünsborn wurde das geplante Gewerbegebiet oberhalb des Sportplatzes scharf kritisiert.

Feuer frei war die Devise im Feuerwehrhaus. Etwa 30 Hünsbornerinnen und Hünsborner kamen, um mit der WP-Redaktion über alles zu sprechen, was im zweitgrößten Ort der Gemeinde Wenden Thema ist. Ein Lob gebührt dem Einsatz der Hünsborner Wehr mit Josef Alfes an der Spitze, die das Fahrzeug aus der Halle gefahren, Tische und Bänke aufgebaut hatte und für die Bewirtung sorgte. Sogar Glühwein war im Angebot. Entsprechend heiß diskutiert wurde auch, wobei der Dauerbrenner Erweiterung der Gewerbeflächen eindeutig im Fokus stand.

Gewerbeflächen

Einhelliger Tenor: Mit den fünf Hektar zusätzliche Gewerbefläche für die Erweiterung bereits angesiedelter Betriebe in Hünsborn-Ost kann man leben. Hier formiert sich kein Widerstand. Ganz im Gegensatz zur geplanten Gewerbeflächen-Erweiterung um fünf Hektar oberhalb des Sportplatzes (Hünsborn-West). „Wir sollten unser hübsches Dorf nicht kaputt machen lassen. Wir sind nicht gegen Industriegebiete, aber die Fläche oberhalb des Sportplatzes ist tabu. Sie darf nicht angetastet werden“, betonte Paul Quast. Und: „Das ist die letzte grüne Fläche. Dort findet das Wernerfest statt, das Highlight in Hünsborn. Was für Wenden die Kirmes, ist für Hünsborn das Wernerfest.“ Eine junge Hünsbornerin bestätigte dies: „Das Wernerfest ist das Festival, wo die Jugend zusammenkommt, wo man sich das ganze Jahr drauf freut.

Vor zwei Jahren waren sogar noch zehn Hektar neue Gewerbeflächen über dem Sportplatz zur Landstraße geplant. Mit 1222 Unterschriften hatten die Hünsborner dagegen protestiert. „Es waren vor allem junge Leute, die damals die Idee zu der Aktion hatten. Wir wollen in Hünsborn keinen Wald mehr geben. Die Jugend braucht Luft zum Atmen“, sagte Ortsvorsteherin Gertrud Quast. „Das wollen wir da oben nicht. Dann wird da alles kaputt gemacht“, unterstrich auch Manfred Arns, 1. Vorsitzender von RW Hünsborn.

„In Wenden kommt alles hin, nur keine Industrie. Das ist für Wenden immer tabu. Die Wendener machen es sich schön. Sie nehmen sich die Rosinen raus und schieben die Industriegebiete nach Hünsborn“, kritisierte Paul Quast. Über Enik sei in Wenden eine ausgewiesene Industriefläche umgewandelt worden in Wohnbaufläche, so Ortsvorsteherin Gertrud Quast.

Bauland

Ortsvorsteherin Quast sprach von einem Geben und Nehmen zwischen Hünsborn und der Gemeinde Wenden: „Wir warten schon ewig auf Bauplätze. Jetzt werden welche erschlossen. Die jungen Leute wollen bleiben und irgendwann hier bauen.“ 50 Bauplätze sollen bei der Seniorenwohnanlage entstehen. „Alle wollen nach Hünsborn“, wies ein Teilnehmer auf die Beliebtheit des Ortes zur Grenze ans Siegerland hin. Für die 50 Bauplätze gebe es schon jetzt 200 Bewerber, meinte Paul Quast: „Das reicht nicht aus.“

Feuerwehr

Das Feuerwehrhaus an der Steimelstraße ist Treffpunkt der Vereine im Ort. Allerdings muss in Hünsborn ein neues, moderneres Feuerwehrgerätehaus gebaut werden. „Von der Lage her ist es hier optimal, aber zu klein. Die Gemeinde hat ein Konzept für die Reihenfolge der Feuerwehrhäuser erstellt. Für uns ist jetzt erst einmal wichtig, wohin das neue Feuerwehrhaus kommen soll“, so Josef Alfes, Leiter des Löschzuges Hünsborn und stellvertretender Leiter der Feuerwehr der Gemeinde Wenden. Er würde ein Grundstück am Ortsrand Nähe des Tunnels bei der Autobahn bevorzugen. Die Suche nach einem Standort sei aber jetzt Aufgabe der Verwaltung.

Stolz ist man, dass Hünsborn die erste Kinderfeuerwehr im Kreis Olpe auf die Beine gestellt hat. 15 Kinder aus der Gemeinde sind hier aktiv. Wenn sie 10 Jahre alt sind können sie in die Jugendfeuerwehr übernommen werden. Somit bildet die Kinderfeuerwehr ein wichtiges Fundament für die Zukunft. Gesucht seien aktuell noch Betreuerinnen oder auch Betreuer, so Josef Alfes.

Zusammenhalt

„Wir haben ein super Vereins- und Dorfleben“, war man sich im Feuerwehrhaus einig. „Ich finde es immer wieder toll, wenn ein Verein eine Feier hat, übernimmt ein anderer die Bewirtung. Das ist ein Nehmen und Geben“, betont Gertrud Quast. Derzeit gibt es 36 Vereine und Solidargemeinschaften in Hünsborn. Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt seien sehr gut, so die Ortsvorsteherin, die vor allem auch die Jugend hervorhebt: „Es ist eine tolle Sache, wenn junge Leute in ihrer Freizeit tätig sind, um anderen zu helfen.“ Ein Paradebeispiel hierfür ist das Event Team der Pfarrjugend Hünsborn.

Wünsche

Die Hünsborner wünschen sich Einkehrmöglichkeiten im Ort. „Wir haben hier in Hünsborn nichts, wo du mal hingehen kannst, wenn du Besuch hast“, meinte Paul Quast. Ein Café oder eine Eisdiele in einem so großen Dorf wie Hünsborn würde sich doch lohnen. Begrüßt wird die von der Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) geplante Seniorenwohnanlage gegenüber dem Nahkauf, über deren Realisierung in den ersten drei Monaten des neuen Jahres entschieden werden soll. „Das ist sehr gut. Einige Senioren aus Hünsborn haben dafür auch schon zugesagt. Ich habe die Gemeinde gebeten, dass, wenn die Seniorenwohnanlage gebaut wird, dort auch ein Drogeriemarkt hinkommt“, sagte Gertrud Quast.

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