Medizinische Versorgung

Hünsborn: Facharzt Jan Khalil wird zum Hausarzt ausgebildet

Jan Khalil will sich im ländlichen Raum niederlassen.

Jan Khalil will sich im ländlichen Raum niederlassen.

Foto: Verena Hallermann / WP

Hünsborn.  Jan Khalil ist Facharzt für Innere Medizin. Er will sich als Hausarzt in der Region niederlassen – jetzt macht er in Hünsborn eine Weiterbildung.

Eigentlich hat Jan Khalil mit seinen 35 Jahren schon das erreicht, was sich viele junge Menschen wünschen. Nach Jahren des Studierens, des Lernens und der Prüfungen hat er seinen Facharzt für Innere Medizin absolviert. Doch damit ist er nicht am Ziel: Jan Khalil möchte sich als Hausarzt im ländlichen Raum niederlassen. Zurzeit macht er eine entsprechende Weiterbildung in der Arztpraxis Spieren & Kollegen in Hünsborn. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er, welche schönen Seiten der Beruf des Allgemeinmediziners hat.

Eine Phase der Findung

Jan Khalil ist in Frankfurt am Main geboren und aufgewachsen. Eine Zeit lang hat er in Aleppo gelebt, hat dort sein Abitur gemacht und ist dann nach Deutschland zurückgekehrt. Nach dem Wehrdienst geht er an die Uni. In Gießen studiert er von 2004 bis 2010 Humanmedizin. Dann beginnt für ihn eine Findungsphase. Er arbeitet in der Unfallchirurgie in Bremerhaven, dann in der Kardiologie in Frankfurt, dann zieht es ihn für ein Jahr in die Schweiz. Zuletzt hat er am Marienkrankenhaus in Siegen seinen Facharzt für Innere Medizin absolviert und ist dort aktuell auch noch Doktorand. „Ich hatte schon immer das Ziel, mich als Hausarzt niederzulassen“, erzählt Jan Khalil. „Das selbstständige Arbeiten ist für mich wichtig.“

Seinen Traum will er nun verwirklichen. Seit Januar macht er in der Arztpraxis Spieren & Kollegen in Hünsborn eine Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Sie dauert insgesamt zwölf Monate. Doch ist das überhaupt notwendig als studierter Facharzt? Ja, erklärt der 35-Jährige. Denn Hausärzte müssen sich im Berufsalltag mit ganz anderen Herausforderungen auseinandersetzen. So müssen sie sich – anders als beispielsweise der Kardiologe – in einem breiter gefächertem medizinischem Spektrum auskennen. „Man hat es mit der globalen Medizin zu tun“, sagt Jan Khalil. „Das kann in alle Richtungen gehen.“

„Man kann es bewältigen“

Doch das ist noch nicht alles. Die Abläufe in einer Hausarztpraxis unterscheiden sich maßgeblich von der Arbeit in einem Krankenhaus. Ein niedergelassener Arzt arbeitet selbstständig. Dazu gehört neben dem Umgang mit nicht selektierten Patienten auch sowas wie Pflegeheimversorgung, Personalführung, und Abrechnungen. „Viele haben Angst vor dem Einstieg in eine Hausarztpraxis“, sagt Jan Khalil. „Eben wegen dieses bürokratischen Systems. Aber das ist etwas, was man bewältigen kann.“

Für Jan Khalil ist der Beruf des Allgemeinmediziners aber mehr als eine „Bewältigung von schwierigen Herausforderungen“. Es ist vor allem die menschliche Nähe, die ihn daran fasziniert. „Der Patientenkontakt ist viel enger“, erklärt er. „Man sieht die Menschen häufiger, lernt sie auf einer persönlichen Ebene kennen und ist häufig auch per Du mit ihnen.“ Aber auch die Team-Arbeit, der Umgang untereinander, gefällt ihm. „Wir machen hier auch mal Späßchen“, sagt Jan Khalil und lacht. „Das ist das Schöne daran.“

Vorteile der Region

Aber was zieht einen Großstädter in die ländliche Region? Oder will er gar nach der Weiterbildung zurück in die Metropole? Nein, macht Jan Khalil deutlich. Zurzeit wohnt er mit seiner Frau und seinen beiden Jungs in Freudenberg, sucht nach einem Bau-Grundstück. So wie es aussieht, will sich die Familie im Wilnsdorfer-Raum ein Zuhause bauen. „Ich habe die Region hier schätzen gelernt“, sagt der junge Arzt. „Der ländliche Raum gefällt mir gut, weil das Arzt-Patienten-Verhältnis inniger ist und die Dankbarkeit einfach nochmal anders ist.“

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