Ärztemangel

Hünsborner Arzt beweist: Medizin kennt keine Kreis-Grenzen

Arzt Klaus Bahrendt wird von Ramona Schauerte, Solke Neef und Lara Bäumer (von links) verabschiedet. Die Arztpraxis Spieren übernimmt hier.

Arzt Klaus Bahrendt wird von Ramona Schauerte, Solke Neef und Lara Bäumer (von links) verabschiedet. Die Arztpraxis Spieren übernimmt hier.

Foto: Privat

Hünsborn/Niederdielfen.   Die Hünsborner Praxis von Stefan Spieren hat eine zusätzliche Filiale in Niederdielfen (Wilnsdorf). Wie das funktioniert, hat der Arzt erklärt.

Zunächst hört sich das neue Konzept der Arztpraxis Spieren aus Hünsborn etwas befremdlich an. Eine zusätzliche Filiale, die sich im knapp 22 Kilometer entfernten Niederdielfen (Wilnsdorf) befindet? Kann das funktionieren? Ja, das tut es, sagt der Allgemeinmediziner und Facharzt für Allgemeinchirurgie, Stefan Spieren. Und dank modernster Technik funktioniere das sogar richtig gut, betont er.

Im Gespräch mit unserer Zeitung macht er deutlich, warum die medizinische Versorgung an keiner (Kreis-) Grenze scheitern muss.

Viele Jahre befand sich die Praxis an der Mittelstraße in Niederdielfen in den Händen von Klaus Bahrendt. Doch nun geht der 70-Jährige in den Ruhestand. Lange hatte er einen Nachfolger gesucht. Allerdings vergeblich. Das hat die beiden Männer mit Unterstützung der selbstständigen Lehrbeauftragten für den Bereich „Businessplanning“, Lara Bäumer, auf die Idee gebracht, die Praxen zusammenzulegen. Ein großer Schritt, der viel Fingerspitzengefühl erforderte. Schließlich hat der Gang zum Hausarzt auch immer viel mit Vertrauen zu tun.

Eine Lösung musste her, um die Patienten in Niederdielfen nicht zu verunsichern. Also ist Klaus Bahrendt seit der Übergabe im April noch einige Monate geblieben, als angestellter Arzt. Denn der nahlose Übergang, die Kontinuität der Betreuung, lag dem Mann, der nun zu Beginn des neuen Jahres wirklich in den Ruhestand geht, sehr am Herzen.

Moderne Technik macht es möglich

Nun liegt die Verantwortung bei dem Hünsborner Ärzteteam. Stefan Spieren ist 41 Jahre alt, hat in Göttingen Humanmedizin studiert, in Düsseldorf Master of Business Administration (MBA), zuerst Facharzt für Allgemeinchirurgie, dann Allgemeinmedizier.

Er arbeitet zusammen mit den Ärzten Werner Spieren (sein Vater), Julia Spieren (seine Frau) und Annette Pomplun. Dazu kommen noch vier Medizinische Fachangestellte. Das Team in der Niederdielfener Filiale soll noch wachsen. Ab Frühjahr wird dort Klaus Mischak (60), ein erfahrener Mediziner aus dem Siegener Krankenhaus, die Filiale leiten. Dieser wird bereits in Hünsborn auf die neue Aufgabe vorbereitet.

Doch wie funktioniert nun der Praxisalltag? „Koordination und Administration sind die größten Herausforderungen“, sagt Stefan Spieren. „Ohne moderne Technik funktioniert dies nicht.“ Die Arztpraxis Spieren arbeitet mit einem zentralen Server, auf den von jedem Arbeitsplatz zugegriffen werden kann. Es gibt ein zentral eingerichtetes Telefon, so dass Patienten sowohl über die Hünsborner als auch über die Niederdielfener Rufnummer einen Ansprechpartner erreichen. Die Patienten haben aber auch die Möglichkeit, Termine online in Echtzeit zu buchen oder Rezepte online zu bestellen. „Die Digitalisierung wird sinnvoll und zum Wohle der Patienten eingesetzt“, so Spieren. Die Medizinischen Fachangestellten können aufgrund der modernen Technologien auch von zuhause aus arbeiten. Von dort nehmen sie Telefonate an, vereinbaren Termine oder bearbeiten Rezeptbestellungen.

Stolpersteine beseitigen

Natürlich gab es zu Beginn der Übernahme auch einige Stolpersteine, erzählt Spieren. Für das Hünsborner Team war die Technik nichts Neues, die Niederdielfener Kollegen, die alle übernommen wurden, mussten zunächst lernen, damit umzugehen. Auch Vorbehalte seitens der Patienten habe es gegeben. Für einige war es anfangs ungewöhnlich, dass „aus der Ferne“ alle Fragen beantwortet und Anfragen erledigt werden können.

Auch wenn zu Beginn noch einige Stolpersteine den reibungslosen Ablauf störten, heute ist das überregionale Praxisteam aus Niederdielfen und Hünsborn eng vernetzt und arbeitet Hand in Hand, berichtet Stefan Spieren.

„Natürlich macht das Arbeit“, sagt der 41-Jährige. „Aber es war eine gute Idee, weil es ein funktionierendes Konzept ist und die Zukunft einer Arztpraxis sichert.“

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