Interview

Immer mehr neue Wohnformen für Senioren

Geschäftsführer Michael Korn mit dem Logo des WohnGuts in Olpe.

Geschäftsführer Michael Korn mit dem Logo des WohnGuts in Olpe.

Foto: privat

Olpe/Saalhausen.  Michael Korn und Lena Zöller erklären anhand des WohnGuts in Olpe, welche alternativen Wohnformen es für ältere Mitbürger gibt.

Wohnformen, der Begriff ist ebenso neu wie die verschiedenen Angebote, die es heute für die unterschiedlichen Bedürfnisse und Geschmäcker älterer Menschen gibt – mittlerweile auch in ländlichen Gegenden. Das WohnGut im Osterseifen in Olpe – und demnächst auch in Saalhausen – genießt Vorbildcharakter über die Region hinaus. Wir sprachen mit Geschäftsführer Michael Korn und der Einrichtungsleiterin Lena Zöller über die Philosophie des Hauses und das Thema „Selbstbestimmtes Wohnen im Alter“.


Früher gab es im Osterseifen in Olpe das Pallottihaus, später mit dem Jugendhof. Wie fing alles an?
Michael Korn: Wir haben vor 11 Jahren das Pallottihaus gekauft, das alte Kloster komplett umgebaut, den neuen Pflegebereich angebaut und dazu 40 Service-Wohnungen geschaffen. Vor sechs Jahren kam der ambulante Pflegedienst dazu und wir haben den Bereich des Klosters weiter ausgebaut mit Ergotherapiepraxis, Frisörsalon und einem großen Sportsaal, so dass das Haus heute viel Service bietet, den wir anfangs noch nicht hatten.



Was war denn damals die Ausgangslage, also die Motivation, hier in Olpe zu investieren?
Michael Korn: Ausgangsmotivation war, Wohnen für Senioren zu schaffen, das auch Pflege beinhaltet, aber das Wohnliche im Vordergrund steht. Weil wir gesagt haben: Wenn man sein ganzes Leben schön gewohnt hat, warum soll man im Alter darauf verzichten?


Gab es damals eine Marktanalyse und wie sah diese aus?
Michael Korn: Ja, die gab es. In Service-Wohnen auf dem Land zu investieren, das war damals noch sehr innovativ. Das machte keiner und das gab es im Prinzip nur in großen Städten. Auf der Pflegeseite war ein erheblicher Bedarf vorhanden, so dass wir uns entschieden haben, hier 100 Pflegeplätze und 40 Service-Wohnungen zu bauen. An anderen Standorten ist das genau umgekehrt. In Saalhausen wird es mehr Service-Wohnungen und weniger Pflegeplätze geben.


Der Sauerländer liebt sein Eigenheim, aber irgendwann wird das Haus oder die eigene Wohnung für ältere Menschen zur Belastung. Ist das ein Grund, in Einrichtungen wie das WohnGut überzusiedeln?
Michael Korn: Ja, aber es ist nicht nur das. Es ist auch die Kommunikation. Die Menschen wollen Gemeinschaft erfahren, in der sie täglich Kommunikation haben und nicht allein in einem großen Haus sitzen. Was dazu kommt, ist das Thema Sicherheit. Dass sie die Sicherheit einer Gemeinschaft haben, in der sie leben und keine Angst haben müssen. Hier ist alles videoüberwacht und es gibt einen 24-Stunden-Service.
Lena Zöller: Hinzu kommt, dass viele Angehörige heute nicht mehr in der Nähe wohnen und die Senioren nicht mehr so unterstützen können, wie sie es gerne tun würden. Das ist auch ein Grund, warum sich Senioren entscheiden, eine geeignete Wohnform für das Alter zu suchen.
Michael Korn: Das ist am Anfang sicher nicht einfach, sein Eigenheim zu verlassen. Aber wenn sie bei uns wohnen, wissen sie, sie müssen später nicht noch einmal umziehen. Und sie haben den Vorteil, dass sie sich um die alltäglichen Dinge (die mit einem eigenen Haus verbunden sind, die Red.) nicht mehr kümmern müssen. Wir haben das Konzept all inclusive mit Mahlzeiten, Reinigung und vielen Diensten, da ist im Prinzip alles drin. Es sind die vielen lästigen Kleinigkeiten, die ihnen genommen werden und sie können sich auf andere schöne Dinge konzentrieren. Und das in einem schönen und wohnlichen Umfeld mit hoher Aufenthaltsqualität im Grünen.


Welcher Altersklasse gehören Ihre Bewohner an?
Michael Korn: Im Durchschnitt sind unsere Bewohner älter als 75.
Lena Zöller: Die Menschen werden heute älter, sind fitter, länger selbstständiger und wollen so lange wie möglich zuhause bleiben.


Die Räumlichkeiten sehen sehr wohnlich, wie in einem Hotel, aus. Ist das auch bezahlbar?
Michael Korn: Natürlich. Im Pflegebereich ist das alles sehr transparent. Sie können sich die Kosten jeder Einrichtung anschauen und da werden sie feststellen, dass wir hier im Kreis Olpe im Pflegebereich nicht die teuersten sind. Und im Service-Wohnen sind wir deutlich günstiger als in Köln oder Dortmund. Wir haben noch eine Einrichtung in Bad Honnef, da ist der Markt schon ganz anders. Und schöne Farbe ist nicht teurer als hässliche. Uns ist nicht wichtig, exklusiv, sondern wohnlich zu sein, damit sich die BewohnerInnen wohl fühlen. Ein wohnliches Umfeld ist angenehmer für die Bewohner, aber auch für die Mitarbeiter, das stärkt die Arbeitszufriedenheit.
Lena Zöller: Man merkt, dass die Mitarbeiter selbst individualisieren und schauen, wer braucht jetzt Hilfe. Unser Ansatz ist es, die Pflege so gering wie möglich zu halten und die Selbstständigkeit zu fördern.


Sie gehen jetzt mit einem neuen Projekt in den Markt, u.a. sind 15 Einzelhäuser auf dem Gelände geplant. Welches Konzept verbirgt sich dahinter?
Michael Korn: Wir stellen fest, dass es Menschen gibt, die selbstständiger wohnen möchten als im Service-Wohnen. Weil wir versuchen, die Nachfrage so differenziert wie möglich abzudecken, werden wir noch drei zusätzliche Wohnformen einführen. Das eine ist Tages-Wohnen. Im Prinzip ist das eine Tagespflege für 18 Personen auf 350 Quadratmetern. Das zweite ist Gemeinschafts-Wohnen mit 24-Stunden-Service für Menschen mit geringen Pflegegraden. Die Unterstützung erfolgt hier im Wesentlichen in der Strukturierung und Unterstützung des Tagesablaufs mit gemeinsamen Tätigkeiten, wie z. B. kochen, backen, einkaufen oder anderen Freizeitaktivitäten.


Und wie sieht die dritte neue Wohnform aus?
Michael Korn: Wir nennen es Landhaus-Wohnen. Das ist praktisch eine etwas andere Art des Service-Wohnens zum Beispiel für Ehepaare in einem eigenen, gemieteten Haus mit einer Größe von 80 bis 120 Quadratmetern. Neben den bekannten Serviceleistungen des WohnGuts gibt es Carsharing, organisierte Ausflüge aber auch Fahrsicherheitstrainings. Sie leben in einem Haus in einem Park, müssen sich um nichts kümmern, können sich aber auch im Garten betätigen, wenn sie möchten.


Das hört sich ziemlich modern an. Ist dies ein neuer Trend auf dem Wohnmarkt für Senioren. Oder wo geht die Reise hin?
Michael Korn: Es geht dahin, dass das Angebot noch differenzierter werden wird. Der Wunsch nach Selbstbestimmung nimmt zu und die Ansprüche werden größer. Die Ansprüche der heutigen 70-Jährigen sind ganz andere als die der Menschen, die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts geboren wurden. Es werden viele Wohnformen nebeneinander existieren. Jeder sucht sich aus, was er bevorzugt. Wichtig ist, dass man ein breites Angebot hat und mit unserem Angebot sind wir schon einzigartig im Markt.
Lena Zöller: Es geht darum, hier gut und angenehm zu leben und die letzten Jahre zu genießen, also um Lebensqualität.

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