Umwelt

Immer weniger Plastik landet im Kreis Olpe im Biomüll

Die Störstoffe in den Biomülltonnen sind zurückgegangen.

Die Störstoffe in den Biomülltonnen sind zurückgegangen.

Foto: Christian Charisius

Kreis Olpe.   Die Bio-Mülltrennung hat sich verbessert. Doch nicht alle halten trennen ihren Müll ordentlich. Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Im November vergangenen Jahres kritisierte der Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallwirtschaft im Kreis Olpe (Zako), Theo Melcher, die fehlende Bereitschaft zur sorgsamen Mülltrennung im Kreisgebiet.Vor allem die vielen Plastikbeutel in den Biotonnen waren ihm ein Dorn im Auge. Deshalb musste sich einiges ändern. Im Verlauf der vergangenen Monate wurde deshalb hart durchgegriffen. Hat die harte Gangart etwas genützt? „Ja, Definitiv!“, so Melcher.

Die Maßnahmen

Der Zweckverband Abfallwirtschaft ergriff im März 2017 eine erste Initiative: „Mit Hilfe der Presse und Flyern wollten wir auf das Problem der falschen Mülltrennung aufmerksam machen“, so Theo Melcher. Gut eineinhalb Jahre später, im Herbst 2018, wurde dann im gesamten Kreis geschaut, ob die Informationskampagnen auch wirklich was genützt haben.

Die Müllwerker der Firma Remondis führten Sichtkontrollen der Biotonnen durch. Dabei stellten sie aber fest, dass die Tonnen in 5000 Fällen falsch befüllt worden waren. „Der Inhalt wurden dann zwar noch mitgenommen, jedoch wurden die Tonnen mit „gelben Karten“, einem Hinweisschild, versehen, dass die Bürger noch einmal über die Störstoffe in der Biotonne informiert“, sagt Melcher.

Im Dezember 2018 zog der Zweckverband Abfallwirtschaft dann aber die „Notbremse“. Die, die ihre Biotonne schlampig mit verschiedenen Stoffen befüllten, erhielten die „rote Karte“: „Sie wies die Bewohner darauf hin, dass sie ihren Müll selber noch einmal nachsortieren müssen. Die Tonnen wurden vor Ort stehen gelassen“, erklärt Theo Melcher.

Viele „Falschbefüller“ hätten ihre Lehren daraus gezogen, nachdem sie ihren Müll eigenhändig nachsortieren mussten: „Die Ergebnisse haben sich signifikant verbessert. Erst vor kurzem gab es eine Betrachtung der Biomülltonnen“, so Melcher. Der Störstoffanteil im Bioabfall sei von ursprünglichen fünf bis zehn Gewichtsprozent auf ein bis zwei Prozent, je nach Abfuhrgebiet, gesunken. Das zukünftige Ziel sei es, den Störstoffanteil auf unter ein Prozent zu drücken, so der Zako Geschäftsführer.

Die Verbesserung der Werte ist auch der guten Zusammenarbeit zwischen den Müllwerken und dem Zweckverband Abfallwirtschaft geschuldet: „Die Müllwerker identifizieren die schwarzen Schafe, dokumentieren die Vergehen mittels Foto und lassen die Tonnen dann stehen“, erklärt Melcher. Trotz des harten Durchgreifens, gebe es aber immer noch Leute, die sich partout weigern ihren Biomüll ordentlich zu sortieren: „Das sind momentan sechs Personen. Gegen alle wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet“, sagt Theo Melcher.

Das Problem

Zu den gefunden Fremdstoffen in den Biotonnen gehörten nicht nur Autobatterien, Eisenstangen und kopfgroße Steine, so Melcher, sondern vermehrt auch Plastik in Form von Kunststoffbeuteln, in die der Biomüll zu Hause reingeschmissen wird. Die Kunststofftüten werden im Supermarktregal als kompostierbar angepriesen. In Wahrheit sorgen sie aber in den Kompostwerken für Probleme. Das ärgert Theo Melcher: „Die Beutel gehören nicht den Biomüll. Sie lassen sich aus dem organischen Müll nur extrem schwer entfernen.“ Doch dies müsse getan werden, bevor überhaupt kompostiert werden könne. Das Problem: Der Zersetzungsprozess der Tüten dauert viel zu lang. So viel Zeit haben die Bakterien im Kompostierwerk aber nicht. Es dürfe nur vier bis fünf Wochen dauern, bis der Kompost raus muss – die Qualität leidet. Die die Plastiktaschen müssen deshalb rausgefiltert werden. Dies sei aber gar nicht so einfach, da sie beim Aufbearbeitungsverfahren so zerkleinert würden, dass sich die Schnipsel zum Großteil gar nicht mehr entfernen ließen. „Da hilft auch kein Siebverfahren mehr“, sagt Theo Melcher.

Das Fazit

Im Umkehrschluss bedeute das, dass die organischen Abfälle nicht weiter zu Kompost verarbeitet werden können, sondern kosten- und energieaufwendig verbrannt werden müssen – und das auf Kosten der Steuerzahler, denn „ohne die Kompostierung würden die Aufwandskosten um eine Million Euro steigen, somit müssten dann auch die Gebühren um ungefähr 12 Prozent erhöht werden“, erklärt Melcher und führt fort: „Mülltrennung schont nicht nur die Umwelt, sondern ist auch billiger.“

Die Einwohner des Kreises hätten dies verstanden: „Ich bin den sorgsamen Bürgern sehr dankbar“, sagt Theo Melcher. Dennoch solle man sich nicht auf dem Erfolg ausruhen. Es gilt weiter umweltschonend zu agieren: „Wir müssen weg von einer Wegwerfgesellschaft, zu einem Kreislaufsystem.“ Im Kreis ist dieser Wandel schon gestartet: „Von insgesamt 58.000 Tonnen Müll im Jahr 2016, haben wir 40.000 wiederverwertet.“

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