Freundschaft

In Kirchhundem heißt es: „Du hast dich gar nicht verändert“

Ingeborg Dömer (links) und Agnes Rameil haben sich viel zu erzählen.

Foto: Nicole Voss

Ingeborg Dömer (links) und Agnes Rameil haben sich viel zu erzählen.

Kirchhundem.   Ehemalige Klassenkameradinnen treffen sich durch Zufall nach 70 Jahren in der Tagespflege der Caritas wieder.

Ein prüfender Blick und schon schießt Ingeborg Dömer bei ihrem ersten Besuch in der Tagespflege der Caritas in Kirchhundem ein Gedanke in den Kopf: Die Frau kennste doch. „Agnes saß auf der anderen Seite. Ich fasste meinen ganzen Mut zusammen und sprach sie an. Bist du nicht die Agnes?“ „Ja, die bin ich“, war die prompte Antwort von Agnes Rameil und Ingeborg Dömer schmunzelte: „Hast dich gar nicht verändert.“ Dass sich zwei Damen wieder treffen mag ja auf den ersten Blick nichts besonderes sein. In diesem Fall aber schon. Ingeborg Dömer und Agnes Rameil haben sich mehr als 70 Jahre aus den Augen verloren.

Ein Blick zurück: In ihrer Kindheit wohnten beide in Kickenbach, besuchten die Volksschule in Langenei und gingen in die gleiche Klasse. „Einmal wöchentlich nachmittags sind wir oft gemeinsam zum Religionsunterricht zur „Drosten Tante“ Maria gegangen“, erinnert sich Agnes Rameil. „Mit dreizehn Jahren sind wir aus der Schule entlassen worden. Es bestand zwar die Möglichkeit die neunte Klasse noch zu absolvieren, aber es waren harte Kriegszeiten und viele hatten nicht viel zu essen. Ich fing beim Bauer Mester in Burbecke an zu arbeiten“, blickt Ingeborg Dömer zurück. Agnes Rameil blieb zu Hause und unterstützte ihre Mutter und die sechs Geschwister. Beide gründeten eine Familie.

Aus den Augen verloren

Ingeborg Dömer zog nach Rahrbach und Agnes Rameil fand in Saalhausen ihre neue Heimat. Aufgrund der räumlichen Trennung und der damals noch nicht vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten sahen sie sich jahrzehntelang nicht wieder. Aber, wie heißt ein bekanntes Sprichwort: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Da leistete das Schicksal einen positiven Beitrag. Für Ingeborg Dömer, die alleine lebt, war es zunächst keine Option Gast der Tagespflege zu werden, auch nicht, als ihre Tochter anregte, dass sie Abwechslung und Gesprächspartner brauche. „Ich wollte nicht in die Tagespflege. Ich dachte, da kann ich mich auch nicht unterhalten. Da sind alle schon so tüddelig“, schmunzelt die 86-Jährige heute über ihre Worte.

Die Seniorin wurde eines Besseren belehrt und genießt die Aufenthalte in der Tagespflege. Seit ihrem Wiedersehen sitzen Ingeborg Dömer und Agnes Rameil immer zusammen. Sie plaudern über alte Zeiten, tauschen Erinnerungen aus und freuen sich jeden Mittwoch auf das Wiedersehen.

Gegenseitige Unterstützung

Aber nicht nur das. Da Agnes Rameil im Rollstuhl sitzt erfährt sie in der Tagespflege auch Unterstützung von Ingeborg Dömer. Sogar einen Lieblingsplatz für ihre Mittagspause haben sich die beiden 86-Jährigen längst ausgesucht. Mit einem Strahlen im Gesicht sagt Ingeborg Dömer:„Ich bin froh, dass ich dich wiedergetroffen habe“, und fragt ihre ehemalige Schulkameradin: „Biste auch froh?“ Und wieder kommt die Antwort prompt: „Jo.“

Bei diesem Wiedersehen schmunzelt auch Martina Schnüttgen, Leiterin der Tagespflege: „Wir hatten schon drei Schwestern gleichzeitig zum Kaffeeklatsch hier, aber, dass man sich nach so vielen Jahren hier wieder trifft, ist schon irre.“

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