Hilfsaktion

„Lennestadts Partnerstadt: Kein Bett mehr für Flüchtlinge“

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120 Klappbetten und 200 Würstchendosen werden in den Lkw beladen, bestimmt für Flüchtlingsunterkünfte in Otwock. Dort müssen rund 2000 weitere Flüchtlinge untergebracht werden.

120 Klappbetten und 200 Würstchendosen werden in den Lkw beladen, bestimmt für Flüchtlingsunterkünfte in Otwock. Dort müssen rund 2000 weitere Flüchtlinge untergebracht werden.

Foto: Volker Eberts

Lennestadt.  Stadt Lennestadt und Firma Hensel haben einen Hilfstransport für ukrainische Flüchtlinge in Otwock organisiert, an Bord Sachgüter für 25.000 Euro.

Picke-packe voll beladen mit 120 Klappbetten, sechs großen Zelten, und weiteren Hilfsgütern machte sich am Freitagmorgen ein 7,5-Tonner der Firma Hensel auf den Weg nach Otwock, Lennestadts Partnerstadt in Polen. Mit den Betten und Zelten sollen Übergangsquartiere für ukrainische Flüchtlinge in Otwock ausgestattet werden. Diese müssen derzeit zum Teil auf dem Boden schlafen.

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„Ich hoffe, dass wir es in 15 Stunden schaffen werden“, sagt Michael Rameil, der den Lkw zusammen mit seinem Kollegen Dieter Henke fährt, kurz vor der Abfahrt. Die beiden Ruhe- bzw. Vorruheständler der Firma Hensel hatten sich spontan bereit erklärt den Hilfstransport zu übernehmen, als die Stadt Lennestadt das Unternehmen um Unterstützung bat.

Aus Otwock war über Viola Kaufmann, Gattin des früheren Stadtdirektors Franz-Josef Kaufmann und selbst gebürtige Otwockerin, ein Hilferuf aus Lennestadts Partnerstadt eingegangen. In Otwock, das nur etwa 360 Kilometer vom Flüchtlings-Hotspot Lwiw (zu deutsch: Lemberg) in der Westukraine entfernt ist, kommen immer noch neue Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet an, die versorgt und untergebracht werden müssen, zum Teil privat, zum Teil in Schulen, Sporthallen etc. Derzeit sind es rund 2000 Menschen.

Alle Möbel ausverkauft

Für diese gibt es in Polen, das seit Kriegsbeginn die Hauptlast des Flüchtlingsstroms tragen muss, keine Betten mehr zu kaufen. „Wir wollten vor Ort Möbel und Klappbetten kaufen, damit die Menschen nicht auf dem Boden schlafen müssen, aber der Markt dort ist komplett leer gefegt“, so Bürgermeister Tobias Puspas.

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Deshalb entschlossen sich Verwaltung und Arbeitskreis Städtepartnerschaft, die Betten in Deutschland zu kaufen und – damit sie auch sicher ankommen – selbst in die 50.000 Einwohner-Stadt Otwock zu befördern. Ein Anruf bei der Firma Hensel genügte und das logistische Problem war gelöst. Geschäftsführer Philipp C. Hensel: „Wir haben gehört, dass die Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge zunehmend nachlässt, deshalb ist es wichtig, ein Signal zu setzen, dass die Hilfe weitergeht.“ Das Unternehmen stellt Lkw samt Fahrer zur Verfügung und sponserte zusätzlich sechs große Zelte im Wert von 10.000 Euro, die mit auf die Reise gingen.

Auch die Finanzierung der Klappbetten ist gesichert. Weil es schnell gehen musste, kam eine Spendenaktion wie zum Beispiel nach dem Hochwasser im letzten Jahr nicht in Frage. Der Arbeitskreis Städtepartnerschaft zweigte deshalb rund 11.000 Euro aus seinem Budget für die Städtepartnerschaft für die Aktion ab, die SPD-Fraktion steuerte weitere 500 Euro hinzu. Unterm Strich flossen so rund 25.000 Euro in die Hilfsaktion.

Gemeinsame Aktion

Bei Bedarf könnte es noch mehr werden. Philipp C. Hensel sagte, Hensel werde weitere Aktionen gern unterstützen. Schon bei der Hochwasserkatastrophe im letzten Jahr und bei der Aktion „Lennestadt leuchtet…“ konnte die Stadt auf den Traditionsbetrieb, der Produkte und Dienstleistungen für die elektrotechnische Gebäudeausrüstung herstellt, bauen. Bürgermeister Tobias Puspas: „Es ist klasse, dass die Firma Hensel an unserer Seite steht, bei dieser Aktion greifen viele Dinge ineinander.“ Sein Dank galt auch dem Arbeitskreis. „So leben wir in diesem Jahr unsere Städtepartnerschaft“, so der Bürgermeister.

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