Interview

Interview mit Unternehmer und Querdenker Henning Zoz

Prof. Dr. Henning Zoz beantwortet die Fragen von WP-Redakteur Josef Schmidt

Prof. Dr. Henning Zoz beantwortet die Fragen von WP-Redakteur Josef Schmidt

Foto: privat

Kreis Olpe.  Zoz: „Klimawandel vom Menschen kaum zu beeinflussen“

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Die Elektro-Mobilität ist nicht erst seit dem Vorstoß von Volvo, ab 2019 bei neuen Modellen nur noch auf Hybrid und reine E-Mobile zu setzen, mitten in der Diskussion. Wir hatten Gelegenheit, mit Unternehmer Prof. Dr. Henning Zoz (Zoz Technology Center in Olpe), u. a. Befürworter Wasserstoff betriebener Elektro-Fahrzeuge, über das Thema E-Mobilität zu sprechen.

Frage: Volvo hat verkündet, sehr schnell ganz auf E-Mobilität setzen zu wollen. Ist das wegweisend?

Henning Zoz: „Bei neuen Modellen zum Beispiel auf die Hybrid-Technik zu setzen, ist schlau, sollte eigentlich Status Quo sein, auf rein batteriebetriebene Autos zu setzen, halte ich nach aktuellem technischem Stand für nicht durchführbar.

Ist Volvo also auf dem Holzweg?

Nein. Sie holen sich die öffentliche Akzeptanz - da muss man ja heute E-Mobilität machen, sonst ist man gesellschaftlich unten durch, und auf der anderen Seite tun sie das, was ich schon viele Jahre sage: Warum machen wir keine Hybrid-Fahrzeuge für alles? Aber: Auch Verbrennungsmotor getriebene Fahrzeuge sollen, müssen und werden ebenfalls weiterentwickelt werden. Auch bei Volvo.

Aber die Autoindustrie marschiert eher in Richtung ,reine E-Modelle’.

Das wird sich aber derzeit nicht umsetzen lassen. Zudem kann die Auto-Industrie unmöglich den Verbrennungsmotor so schnell liquidieren. Für reine Batterie-Fahrzeuge fehlen uns auch die Energiespeicher. Da wird fabuliert, nächstes Jahr habe man Batterien, die seien zehnmal besser als die jetzigen. Das ist alles kalter Kaffee. Eine steile These wäre, dass man deswegen Hybrid nicht wollen könnte, weil diese Technologie dem Verbrenner viel schneller den Garaus bereiten könnte, als rein-elektrische Antriebe das Stand heute könnten. Für Hybrid, wobei ein Verbrenner eine Batterie ständig nachlädt, braucht man den Verbrenner zwar immer noch, allerdings viel kleinere und ganz andere. Das wäre eher etwas für Rasenmäher-Hersteller als für Daimler.

Also handelt es sich eher um eine zähe Materie?

Das wird alles noch sehr lange dauern.

Was verstehen Sie unter lange’?

Wir müssen eher in Zehn-Jahres-Schritten denken als in Jahres-Zyklen.

Sie sind also nicht der Meinung, dass Elektro-Autos in fünf Jahren eine Reichweite von 400 km schaffen, im Vergleich zu den jetzt durchschnittlich möglichen 200 km.

Ich glaube nicht, dass das ,ehrlich’ - also tatsächlich erreicht werden wird.

Warum nicht?

Das liegt an den fundamentalen Unterschieden zwischen Elektrophysik und Elektrochemie. Man kann mit der Chemie nicht zaubern. Im Moment setzen alle auf Lithium-Ionen-Batterien. Aber auch damit wird es nicht gelingen. Jedenfalls nicht so schnell.

Vor allem China nutzt diese Technik. Ist das Programm?

Die Chinesen verdienen mit der Lithium-Ionen-Technik noch mehr Geld als wir und dürften ein Interesse haben, den Verbrennungsmotor tot zu machen, um das Vakuum dann mit dieser eigenen Technologie wieder auszufüllen.

Manche E-Modelle gibt es inklusive der Bundesprämie schon für etwa 20 000 Euro.

Das ist nicht übermäßig teuer, aber diese Modelle werden sicherlich subventioniert, was nicht einmal nur an der Batterie, sondern natürlich auch an der produzierten Kleinstmenge liegt. Einen vergleichbaren Benziner bekommen Sie jedoch für 8 000 Euro. Und diese Differenz werden die Menschen nicht so ohne weiteres bezahlen. Außer, sie gehören einem ganz bestimmten Kundenkreis an.

2007 hat es in Deutschland 1790 E-Autos gegeben, 2017 sind es rund 34 000. Wie viele werden es 2027 sein?

Zwischen 100 000 und einer Million, ich glaube aber eher, es liegt näher bei den 100 000. Zehn der 34.000 waren von Zoz.

Hört sich eher pessimistisch an.

Nein, das ist nicht pessimistisch, das ist realistisch.

Wenn irgendwann aber doch alle mit Strom fahren, brauchen wir dann wieder mehr Kraftwerke, auch Atomkraftwerke?

Höchstwahrscheinlich schon. Möglicherweise und hoffentlich wird dann auch über die Kernfusion nochmal neu nachgedacht. Schließlich entwickeln wir hier in Olpe nicht nur tolle Batterien- und Wasserstoffspeicher-, sondern auch Fusionswerkstoffe.

Heißt also: Es gäbe zu wenig Strom für die derzeit 45 Mio. Kfz, die auf Deutschlands Straßen rollen?

Die Verteilung ist dabei ein noch größeres Problem. Diesen ganzen Strom muss man ja irgendwie transportieren. Dafür braucht man wirkliche Stromleiter. Und solche Massen - das geht nicht mal eben so. Da reden wir auch nicht von zwei Trassen, die Herr Seehofer will oder nicht, sondern über ganz andere Größenordnungen.

Was macht Politik in Sachen E-Mobilität richtig, was falsch?

Politik macht fast alles falsch. Immer, wenn es um Subventionen geht, würde die Politik gut daran tun, erst einmal die Finger davon zu lassen. Die Wirtschaft und der Markt regeln das. Das Zusammenspiel zwischen Verbraucher und Wirtschaft ist das, was uns dahin und so weit gebracht hat, wo wir heute stehen.

Freier Markt für freie Bürger also?

Die Rahmenbedingungen, die wir brauchen, sind im wesentlichen freiheitliche Rahmenbedingungen. Nehmen wir unsere derzeitige zeitplan-forcierte Energiewende. Hier werden Fördermittel offeriert, dadurch Chancen gegeben und ein Sog erzeugt. Das kann man machen, wobei über die Höhe der Fördermittel gestritten werden muss, die sind nämlich viel zu hoch. Was aber gar nicht geht, ist, wenn die Politik mit der Verbotskeule um sich schlägt.

Welche Verbotskeule?

Nehmen wir das Thema Atomkraftwerke. Vor Fukushima werden die Laufzeiten verlängert, nach Fukushima ist plötzlich alles anders und nichts gilt mehr. Da hätte doch die Förderung erneuerbarer Energien als Reaktion völlig ausgereicht, und man hätte nicht plötzlich alle Atomkraftwerke abschalten müssen.

Das Thema ist aber wohl gegessen?

Aber jetzt macht man es doch wieder so - mit der Elektro-Mobilität. Es sollte reichen, dass man die Rahmenbedingungen optimiert. Ich kann sogar hergehen und den Verbrennungsmotor künstlich teurer machen, mit noch mehr Steuern auf Hubraum und Kraftstoff. Aber ich muss doch nicht mit der Keule hinterher laufen und sagen: Automobil-Industrie, wenn Du Verbrennungsmotoren baust, verlasse dieses Land.

Ist das so?

Ja, das sagen wir gerade: Automobilindustrie raus! In dem Moment, wo gesagt wird, dass 2030 oder 2050 oder wann auch immer keine Benzin- oder Dieselmotoren erlaubt sein sollen, ist das genau so. Heute glaubt das keiner. Warten Sie mal zwei Jahre.

Was schlagen Sie vor?

Lassen wir das doch den Bürger anhand der Rahmenbedingungen selbst entscheiden. Wir brauchen ihm nicht auf die Backe zu hauen und zu sagen: ,Das musst Du jetzt so machen!’. Man sollte abwarten, ob die Zeit für diese Technik reif ist. Und wenn sie es nicht ist, dann ist die Reaktion des Marktes eben zu respektieren.

Macht denn nicht der Klimawandel den Umstieg auf die E-Mobilität notwendig?

Nein. Ein ganz klares Nein. Das ist hirnrissig. Dazu gibt es überhaupt keinen nachgewiesenen Zusammenhang.

Also Sie leugnen den Klimawandel oder zumindest, dass der Mensch etwas damit zu tun hat?

Ich verwehre mich bereits gegen den Begriff ,leugnen’. Denn das würde bedeuten, dass es eine Gewissheit gäbe,und dass jemand diese eben leugnen würde. Solche Gewissheit gibt es aber ganz und gar nicht.

Das sieht Frau Merkel aber offenbar ganz anders und kämpft wie eine Löwin für das Klimaabkommen.

Es ist ein Drama, was da passiert. Ich stelle wirklich in Zweifel, ob unsere Bundeskanzlerin einmal eine naturwissenschaftliche Ausbildung wirklich genossen hat. Sonst dürften solche Sachen eigentlich gar nicht passieren. Noch einmal: Einen Klimawandel hat es immer gegeben, und den wird es immer geben, aber es gibt offensichtlich keinen Zusammenhang zwischen dem vom Menschen verursachten CO2-Ausstoß und solchem Klimawandel. Das schafften wir bestenfalls, wenn wir alle Atombomben gleichzeitig zünden - und das wird doch hoffentlich nicht passieren.

Viele Wissenschaftler sagen das Gegenteil.

Es gibt Veränderungen, das ist nicht zu bezweifeln. Ob wir diese beeinflussen können, bleibt aber mehr als fraglich. Ich erinnere an die Katastrophenmodelle Waldsterben, ,Erdöl alle’ oder Ozonloch. Alles nicht so eingetroffen.

Zurück zum CO2-Ausstoß.

Der Anteil von CO2 an unserer Atmosphäre liegt durchschnittlich unter 0,04 Prozent. Es ist weiterhin unstreitig, dass der Anteil davon, den der Mensch in irgendeiner Weise beeinflussen kann, bei maximal vier Prozent liegt. Also nochmal: Vier Prozent von 0,04 Prozent. Und wir können von heute auf morgen nicht etwa diese vier Prozent abschalten. Die Politik träumt ja davon, dass man 50 Prozent der CO2-Emissionen abschalten könnte. Das wären dann also zwei Prozent der 0,04 Prozent. Was das dann für eine Auswirkung auf unser Klima haben soll, müsste man mir erklären. Die maßgeblichen Institute, die der Politik das einreden, haben für mich eher religiösen Charakter. Es kommt aber noch viel besser. Mittlerweile sind wir da angekommen, dass Politik und Hardcor-Ökologen mit den verbreiteten Thesen der IPCC, also dem Weltklimarat, nichtmals mehr zufrieden sind. Offenkundig werden die Modelle der IPCC von SEite eins übernommen, der Hinweis zur ,beinahe-Nichtvorhersagbarkeit’ auf Seite 2 aber verschwiegen. Das ist ein Skandal.

Ist es aber nicht die vorherrschende Position der Wissenschaft?

Das Desaströse daran ist ja, das solche Unsinnigkeiten zu einer Art Evangelium des Gutmenschentums avancieren. Und wehe, Sie sagen mal etwas dagegen. Ich sage es klipp und klar: Klimaschutz ist uns heute praktisch nicht möglich. Aber eine freie Meinungsäußerung gibt es bei uns ja schon nicht mehr. Sie endet am besagten Gutmenschentum. Gefühlt, haben wir hier schon eine Art DDR 4.0.

Zurück zur E-Mobilität: Sie sind schon immer Verfechter von Wasserstoff-Autos gewesen. Warum hört man davon kaum noch etwas.

Wenn in den nächsten Jahren nicht jemand in Sachen ,Mobilität’ etwas vollständig Neues erfindet, dann wird es definitiv dabei bleiben, was ich vor einigen Jahren schon einmal in einem Gastkommentar bei Ihnen gesagt habe: Kurzstrecke Batterie, Mittel- und Langstrecke Wasserstoff.

Wenn Sie ein Jahr Kanzler spielen dürften, was würden Sie in Sachen E-Mobilität auf den Weg bringen?

Das würde ich sehr gerne einmal tun, gehen Sie aber davon aus, dass man mich nach drei Tagen in den Knast stecken würde. Die ganzen Subventionen, die es gibt, würde ich wohl auf ein Minimum reduzieren und das Geld lieber in den Taschen der Leute lassen. Den technologischen Fortschritt würde ich fördern, auf jeden Fall. Aber ich würde ganz sicher nicht versuchen, den Verbrennungsmotor kaputt zu machen, da unsere Wirtschaft von dieser sehr ausgereiften Technologie sehr abhängig ist. Dennoch halte ich die Förderung von Elektro-Fahrzeugen bedingt für richtig.

Wie würden Sie fördern?

Ich würde die Förderung wohl massiv auf Hybrid-Fahrzeuge focussieren. Zudem würde ich Projekt-bezogen in den staatlichen Forschungsinstituten investieren, beispielsweise in die Entwicklung von Brennstoffzellen. Ich würde aber nicht mit der Gießkanne für jeden E-Mobilkäufer 4000 oder 5000 Euro dem jeweiligen Hersteller in die Hand drücken.

Aber kauft dann überhaupt noch jemand E-Autos?

In dem Moment, wo sie technisch mithalten können, ja. Und genau das muss das Ziel sein.

Die Personalie Henning Zoz

Prof. Dr. Henning Zoz ist von Hause aus Verfahrens-Techniker und hat in Mexico-City promoviert. Zoz ist Vater von vier Kindern und wohnt in Freudenberg-Niederholzklau. Unternehmens-Standorte der Zoz-Group sind u. a. in Olpe und Hünsborn.

In Sachen Elektro-Mobilität ist der 53-Jährige u. a. stellv. Vorsitzender der 1. bayerischen Modellstadt Elektro-Mobilität Neustadt an der Saale.

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