Schweinebabys

Jäger aus Oberhundem schenkt Wildschweinbabys neues Zuhause

Max Schulte und Alina Hanses ziehen zwei Wildschweinbabys groß. 

Max Schulte und Alina Hanses ziehen zwei Wildschweinbabys groß. 

Foto: Riem Karsoua

Oberhundem.  Die Wildschweinbabys Maggie und Henry halten das Paar aus Oberhundem ganz schön auf Trapp: Spielen, kuscheln und kraulen rund um die Uhr.

Sie streiten sich darum, wer zuerst die Milch bekommt, als wären sie leibliche Geschwister. Im Grunde genommen sind Maggie und Henry es auch. Nur eben mit Borsten und der Ausnahme, dass sie nicht sprechen, sondern grunzen. Die beiden Wildschweinbabys flitzen aufgeregt durch den Garten ihrer neuen Zieh-Eltern Alina Hanses und Max Schulte in Oberhundem um die Wette, wühlen mit der Nase in der Erde herum oder verkriechen sich unter einen Busch.

Seit drei Wochen sind sie wie eine kleine Familie, mit allem was dazugehört. Alle vier Stunden klingelt der Wecker, damit die Wildschweinbabys mit Ferkelmilch, Mehlwürmern oder Mais gefüttert werden. Es wird geschmust, gekrault und gespielt.

Zuerst gab es nur Maggie

Vor drei Wochen wird Max Schulte, der seit sieben Jahren Jäger ist, von einem Bekannten angerufen. Er erzählt ihm, dass am Aldi in Herrntrop ein kleines Wildschweinbaby hockt und nicht mehr weg kommt. „Ich habe dann direkt den zuständigen Forstamtleiter angerufen. Der sagte nur, dass ich mit dem Schwein machen kann, was ich will“, lacht der 25-jährige Oberhundemer. „Eigentlich wollte ich gar nicht hinfahren. Aber da ich sowieso in die Richtung musste, dachte ich mir, wieso nicht“, erzählt Schulte.

Von Anwohnern erhält er eine Katzenbuxe, um das verlorene Ferkel sicher zu transportieren. „Sobald sie den Anschluss zu der Mutter verloren haben, finden sie nicht mehr zurück“, weiß der erfahrene Jäger. Der nächste Anruf geht sofort an die 27-jährige Freundin Alina Hanses.

„Ich habe ihr gesagt, dass sie Stroh in die Pferdebox legen soll, um einen warmen Platz für das Schwein zu haben“, erinnert er sich. Mit Wärmelampen und Wärmeflaschen wird sich rund um die Uhr um die verängstigte Maggie gekümmert. „Ohne die Wärme der Mutter können Ferkel ihre Körpertemperatur nicht regulieren. Deshalb war es wichtig, den Stall warm zu halten“, erklärt Schulte.

Es sah nicht gut aus für Maggie

Erfahrene Landwirte prophezeien keine lange Lebensdauer des kleinen Wildschweins. „An einem Tag war die Kleine total fit. Um die Mittagszeit ging es ihr plötzlich schlecht“, erinnert sich Alina Hanses.

Bis zwei Uhr morgens verbringt sie bei dem Ferkel, gibt dem Tier mit einer Spritze Wasser und Milch in den Mund, damit sie etwas Kraft tankt. „Wir dachten wirklich, dass sie nicht mehr lange bei uns ist“, erzählen die beiden.

„Doch am nächsten Tag flitzte sie wieder durch den Garten, als wäre nichts gewesen“, lacht Hanses und nimmt das kleine Schwein auf den Arm. „Mittlerweile wird sie immer größer und schwerer“, sagt sie stolz wie eine echte Mama.

Maggie kommt zu Kräften und die Ferkelmilch wird mit Mais und Mehlwürmern ersetzt. „Wenn wir morgens in den Stall kommen, kommt sie direkt angelaufen und springt uns an“, erzählt Hanses. Und auch richtig verschmust ist die Kleine.

„Wenn ich ihr den Bauch kraule, dann genießt sie es richtig.“ Sobald die beiden Zieh-Eltern nach Hause kommen, weiche das Ferkel nicht von ihrer Seite. „Wie unser Schatten läuft sie uns hinterher“, lacht Schulte. Auch die Treppen im Haus schaffe sie problemlos hinauf. Und: „Mittlerweile hört Maggie sogar auf ihren Namen“, lacht Alina Hanses.

Und dann kam Henry

Zwei Wochen später erhält Max Schulte den nächsten Anruf von einem Bekannten. Ein weiteres Wildschweinbaby ist gefunden worden. Im Gegensatz zu Maggie, ist er gesundheitlich ziemlich mitgenommen und total verängstigt. „Vermutlich konnte es nicht mehr mit den anderen mithalten, weil es am Hinterbein eine offene Wunde hatte, in der schon kleine Maden waren“, erinnern sich die Zieh-Eltern zurück.

Und auch der vordere Lauf ist entzündet, weshalb Henry mit einem Verband und Wundsalbe herumlaufen muss. Beim Tierarzt wird ein Blutbild gemacht und die Wunde gesäubert. „Nach einer Woche Antibiotika hat sich die Entzündung zum Glück gelegt“, freut sich Hanses und erzählt: „Als wir mit Henry nach Hause kamen, war er am Ende. Dann hat Maggie gegrunzt und er hat sofort aufgeschaut, weil er etwas bekanntes gehört hat. Es ist schön, dass die beiden sich jetzt haben.“

Kuschel-Einheit nach der Arbeit

Das Schwierigste haben die beiden Wildschweinbabys nun überstanden. Henry wird noch mit einer Zugsalbe für Hunde und Katzen versorgt, befindet sich aber auf dem besten Weg der Besserung.

„Alle, die ein wenig Ahnung von den Tieren haben, haben gesagt, dass sie es nicht schaffen werden. Aber siehe da: Es geht. Ich muss ehrlich sagen, ich freue mich nach der Arbeit darauf, mit den beiden zu kuscheln“, erzählt Alina Hanses mit einem Strahlen im Gesicht.

Wie es für die beiden Wildschweine weitergeht, ist noch nicht entschieden. „Ich habe schon angedeutet, hier Zuhause ein Schweinelauf zu bauen“, erzählt Max Schulte und schaut zu seiner Freundin.

„Es wird tatsächlich immer schwieriger, sich von den beiden zu trennen. Was du auch machen willst, ich stehe hinter dir“, antwortet sie.

Neben den beiden Eseln, Hühnern, Laufenten, Wachteln, Hunden und Katzen, die sie bereits haben, werden die Wildschweinbabys nicht sehr viel mehr Arbeit machen, sind sich die beiden sicher.

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