Nach der Wahl 2017

Jamaika-Koalition wäre Versuch wert - Umfrage im Kreis Olpe

Zufall? Die Plakate der Parteien für eine mögliche Jamaika-Koalition stehen schon seit Wochen einträchtig an der Krankenhaus-Kreuzung in Altenhundem.

Foto: Volker Eberts

Zufall? Die Plakate der Parteien für eine mögliche Jamaika-Koalition stehen schon seit Wochen einträchtig an der Krankenhaus-Kreuzung in Altenhundem. Foto: Volker Eberts

Kreis Olpe.  Eine mögliche schwarz-gelb-grüne Koalition in Berlin wird im Kreis Olpe unterschiedlich bewertet, ergab eine Umfrage der Lokalredaktion.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wo liegen die größten Klippen, die eine Jamaika-Koalition umschiffen müsste? Schwarz-Gelb gibt es, Schwarz-Grün ebenfalls, aber funktionieren Grüne und Liberale? „Bestens“, sagt Marius Becker von den Grünen in Attendorn. Er und Ralf Warias waren die erste Gelb-Grüne-Fraktionsgemeinschaft in NRW und könnten zumindest was den Stil des Miteinanderumgehens betrifft, eine Blaupause für Berlin sein. Signale, dass eine Jamaika-Fraktion im Bund funktionieren könnte, glaubt Becker beim FDP-Chef Lindner schon wahrgenommen zu haben.

Verhandlungen lohnten auf jeden Fall und dass am Ende alle, die am Verhandlungstisch gesessen haben, die eine oder andere Kröte schlucken müssten, sei auch klar: „Wir auch“, sagt Becker mit Blick auf die Fundis und Realos der Partei. Allzu große Probleme mit der CSU erwartet er nicht: „Ein Ergebnis unter 40 Prozent? Der Seehofer hat selbst das größte Problem.“

Ähnlich sieht das Ralf Warias (FDP), der fordert, dass grundsätzlich alle demokratischen Parteien miteinander reden können müssen. Seinen Optimismus, dass die schwarz-gelb-grünen Gemeinsamkeiten für eine Koalition reichen, schöpft er aus der Einsicht, dass Neuwahlen nichts besser machen würden: „Im Gegenteil, das haben wir doch in anderen europäischen Ländern gesehen, dann fasert das noch weiter auseinander. Irgendwie müssen sich die vier alten, klassischen Parteien zusammenraufen.“ Mit Politikern wie Kretschmann und Özdemir erwarte er keine Probleme, sehr wohl aber mit den Grünen Fundis und der „Wundertüte CSU“.

Über den eigenen Schatten

Auch Georg Geuecke, CDU-Fraktionsvorsitzender im Olper Kreistag, vermutet, dass „die CSU wohl am meisten über den eigenen Schatten springen“ müsse, damit am Ende eine Jamaika-Koalition möglich wird. Er selbst kann sich ein solches Bündnis „eigentlich nicht vorstellen“, ist aber dennoch sicher, dass „man es wohl machen muss“. Das Ergebnis hänge gleichwohl sehr von den handelnden Personen ab.

Geuecke: „Es haben 76 Prozent der Menschen gewählt und zwar zu 85 Prozent demokratische Parteien. Da muss man doch in der Lage sein, eine Regierung zu bilden. Ich stelle mir das ganz schwer vor. Aber es ist die einzige Chance.“ Neuwahlen seien jedenfalls keine Alternative.

Das sieht Dr. Gregor Kaiser, Sprecher der Grünen in Lennestadt und im Mai noch Landtagskandidat von Bündnis 90/DieGrünen im Kreis, anders. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit der rechts blinkenden CSU und der neoliberalen Lindner-FDP zu einem guten und tragfähigen Koalitionsvertrag kommen, der sozialpolitisch, umwelt- und klimapolitisch und auch was die Landwirtschaft betrifft, passt. Man muss es versuchen, aber wenn die Parteien nicht zusammen können, muss man auch über Neuwahlen nachdenken dürfen.“

Offen für Gespräche

Für den Versuch ist auch Joachim Hoffmann, der ebenfalls bei der Landtagswahl NRW kandidierte, und zwar für die FDP: „Die Parteiführung wird ihre Verantwortung gegenüber unseren Wählern genauso ernst nehmen wie das Votum aller Wähler. Deshalb ist die FDP offen für alle Gespräche. Wenn eine inhaltliche Zusammenarbeit möglich erschient, dann sollte man diese versuchen. Bei einem solchen Kompromiss müssen aber auch in der Umsetzung die liberale Handschrift deutlich werden.“ Denn es gehe um unsere Zukunft als ein freies, weltoffenes und erfolgreiches Deutschland.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik