Attendorn

Johann König schimpft über seine drei Bazillen

Einen Witz reißen, den Lacher abwarten und dann zum nächsten Thema übergehen, das scheint bei dem gebürtigen Soester undenkbar.

Einen Witz reißen, den Lacher abwarten und dann zum nächsten Thema übergehen, das scheint bei dem gebürtigen Soester undenkbar.

Foto: Voss

Attendorn.   Der Comedian präsentiert sich in der Attendorner Stadthalle unter anderem als liebender Familienvater oder zumindest als so etwas Ähnliches

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Westfälisch trockener Humor, ausgeprägte analytische Fähigkeiten, die Johann König dermaßen gekonnt transportiert, dass sie anstelle von Kopfschütteln langanhaltende Lacher auslösen, waren am Samstag in der Attendorner Stadthalle zwei der Markenzeichen, mit denen der Comedian beim Publikum im ausverkauften Saal punktete.

Einen Witz reißen, den Lacher abwarten und dann zum nächsten Thema übergehen, das scheint bei dem gebürtigen Soester undenkbar. Seine unberechenbaren, auf die Zwerchfelle der Besucher abgefeuerten Angriffe bauen aufeinander auf. Wer den schwarzen Humor des 46-Jährigen verstehen will, muss ihm konzentriert zuhören, um ihm bei seinem Soloprogramm „Jubel, Trubel, Heiserkeit“, mit dem der dreifache Familienvater seit einigen Wochen auf Tour ist, folgen zu können.

Verbale Brechstange

Nachdem der mehrfach ausgezeichnete Comedian die Bühne betreten und den Beifall genossen hatte, bekamen die Gäste direkt seine verbale „Brechstange“ zu spüren: Guten Abend, in diesem scheunenartigen, sauber verfugten – wie heißt das Dingen noch – rot-orange angestrichenen City-Puff. Ich war vor acht Jahren das letzte Mal hier. Es hat sich nichts verändert. Glückwunsch dazu.“

Alle Altersklassen

Nachdem er festgestellt hatte, dass das Publikum, in dem übrigens alle Altersklassen vertreten waren, frei habe, wenn er arbeiten müsse, betonte der Meister seines Fachs, dass er Montag um elf Uhr Zeit habe. „Aber da seid ihr ja auf der Schicht oder auf dem Feld.“ Für Johann König wurde die Bühne zur Spielfläche, auf der er den Hula-Hoop-Reifen mit gekonntem Hüftschwung in Bewegung hielt, Schokolade von Nestle aß, die er eigentlich zuvor kategorisch abgelehnt hatte und sich sowohl von seiner poetischen wie auch von seiner cholerischen Seite zeigte.

Letztgenannte ließ den Gästen in Anbetracht der Dezibel ab und an den Schrecken durch die Glieder fahren. Johann König betrachtet die alltäglichen Begebenheiten und sein Leben aus seiner ganz speziellen Sicht. „Kinder sind was Feines, das muss man sich nur immer wieder einreden“, so König, der hervorhob, wie schön es auf diesem Planeten sei und bedauerte, drei neue Bazillen darauf abgesetzt zu haben.

Ressourcen verballern

Seine drei Kinder haben in seinem Programm ihren eigenen Platz und kriegen dabei so manches Mal verbal einen „verbraten“. Doch was ist, wenn die Kinder durch ihren immensen Fleisch-, Spielzeug- und Gummistiefel-Bedarf die Ressourcen des Planeten frühzeitig verballern? Sind dann die Eltern raus aus der Verantwortung für ihre Zukunft?

Die Antwort darauf gibt es auch. Zugegeben - etwas anders als erwartet. Die Lachmuskeln der Gäste waren auf jeden Fall genauso beansprucht, wie der stete Beifall sicher war.

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