Medizin

Junge Hausärzte in der Praxis am Imberg schätzen ihre Arbeit

Sebastian Lepperhoff, Dr. Thomas Heuel und Jan Patrick Goebel (von links) gehört die Olper Praxis am Imberg

Foto: Flemming Krause

Sebastian Lepperhoff, Dr. Thomas Heuel und Jan Patrick Goebel (von links) gehört die Olper Praxis am Imberg Foto: Flemming Krause

Kreis Olpe.   Der Kreis Olpe steuert langfristig einem Hausärzte Engpass entgegen. Ärzte wie Goebel,Heuel und Lepperhoff gibt es im Kreis Olpe kaum.

Zu den Etablierten gehören Jan Goebel (39), Thomas Heuel (41) und Sebastian Lepperhoff (38) keineswegs. Die drei Mediziner, die sich vor rund anderthalb Jahren in der Praxis am Imberg in Olpe zusammengefunden haben, zählen eher zur Kategorie Jungspunde unter den Hausärzten.

Der Ärztemangel

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht: Der Kreis Olpe steuert langfristig einem Hausärzte-Engpass entgegen. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) sind 40 Prozent der niedergelassenen Hausärzte älter als 60 Jahre. „Viele werden in den nächsten Jahren in Ruhestand gehen und einen Nachfolger suchen. Wegen der angespannten Nachwuchssituation könnte sich die Suche allerdings schwierig gestalten“, macht Vanessa Pudlo, Pressesprecherin bei der KVWL, auf den drohenden Kollaps aufmerksam.

Dabei leide nicht nur der ländliche Raum unter einem Nachwuchs-Problem. „Es gibt grundsätzlich immer weniger Ärzte, weshalb wir den Ersatzbedarf nicht decken können“, sagt Klaus Dercks. Der stellvertretende Pressesprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe rechnet vor: „In Westfalen bräuchte es jedes Jahr 200 neue Hausärzte, um die zu ersetzen, die aus Altersgründen ausscheiden.“

Eine neue Generation sei allerdings kaum in Sicht. Auch, weil es laut Dercks zu wenig Studienplätze gebe. Die Fehler liegen in der Vergangenheit, da sind sich die drei Olper Ärzte einig. „Das System ist nicht bedarfsgesteuert“, betont Goebel und ergänzt: „Als wir mit dem Studium angefangen haben, wurde uns gesagt, dass wir niemals einen Job bekommen würden. Damals war der Bedarf gedeckt.“

Die Heimatverbundenheit

Doch beschweren wollen sich die drei Ärzte nicht. Schon gar nicht darüber, dass sie in einer ländlich geprägten Region arbeiten. Ganz im Gegenteil. „Mir war immer klar, dass ich nicht in der Großstadt bleiben möchte“, sagt Goebel, ein gebürtiger Olper, der in Gießen Medizin studierte und danach im Gummersbacher Krankenhaus seine Facharztausbildung anschloss.

Dort lernt er seine beiden heutigen Praxis-Kollegen kennen. Sebastian Lepperhoff, der in Gummersbach aufwuchs, ehe er zum Studium nach Köln wechselte und danach in seine Heimat zurückkehrte, schätzt ebenso die Arbeit außerhalb der Stadt. Er sagt: „Hier leben wir nicht so anonym und haben eine engere Bindung zu unseren Patienten, die wir auch mal auf der Straße treffen. Die Atmosphäre ist viel angenehmer als in einem Ballungszentrum.“ Ganz wichtig für den 38-Jährigen: Die Lebensqualität. „Der ländliche Raum muss sich nicht verstecken, hier ist die Luft noch gut“, sagt er. Eine Stadt wie Olpe habe viel zu bieten, auch eine funktionierende Infrastruktur. Ein Punkt, den auch Dercks ausführt: „Das Umfeld, in dem sich Ärzte niederlassen wollen, ist entscheidend. Es braucht Schulen für die Kinder und der Lebenspartner muss einen adäquaten Arbeitsplatz finden“, sagt er.

Die einmalige Chance

Dass der Weg der drei jungen Ärzte nach Olpe führte, ist ein wenig dem Zufall geschuldet. „Meine Mutter hatte damals mitbekommen, dass die Praxis Ehlers in Olpe einen Nachfolger sucht“, berichtet Goebel und ergänzt: „Das passte super, weil es mein persönlicher Wunsch war, hier zu arbeiten, denn hier habe ich meine Wurzeln.“ Genauso suchten damals die Praxis Schulte und die Praxis Ali Nachfolger. Ein Glücksfall für Sebastian Lepperhoff und Thomas Heuel. „Das war eine einmalige Gelegenheit“, betont Lepperhoff, der wie seine Kollegen die Vorzüge einer Gemeinschaftspraxis wahrnahm. Denn: „So können wir uns die Arbeitszeit teilen und mal frei machen, ohne, dass die Patienten vor verschlossenen Türen stehen.“

Die Perspektive

Mittlerweile denken die drei sogar darüber nach, im eigenen Haus auszubilden. Um später nicht vor demselben Problem zu stehen wie einige Kollegen, die keine Nachfolger finden. „Dafür halten wir Kontakt zu unseren ehemaligen Kliniken und Kollegen und versuchen, den einen oder anderen auf den Geschmack zu bringen, sich mal unsere Praxis anzuschauen“, sagt Heuel. Gerade junge Ärzte. Die braucht es hier allemal.

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