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K.o.-Tropfen-Prozess: Verteidiger zieht Berufung zurück

Das Urteil des Olper Schöffengerichtes im K.-o.-Tropfen-Prozess ist rechtskräftig. Die Berufungen wurden zurückgenommen.

Foto: Nicolas Armer

Das Urteil des Olper Schöffengerichtes im K.-o.-Tropfen-Prozess ist rechtskräftig. Die Berufungen wurden zurückgenommen. Foto: Nicolas Armer

Olpe/Siegen.   In seiner Wohnung hat ein 56-Jähriger Frauen K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt, um Sex mit ihnen zu haben. Verteidiger zieht Berufung zurück.

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Plädoyers und Urteil standen auf dem Plan am sechsten und letzten Verhandlungstag im K.-o.-Tropfen-Prozess vor dem Siegener Landgericht. Doch im allerletzten Moment verhinderte Verteidiger Klaus Hesse, dass es dazu kam.

Der Anwalt aus Olpe hatte der Vorsitzenden Richterin, Sabine Metz-Horst, mitgeteilt, dass er die Berufung zurücknimmt, wenn auch die Staatsanwaltschaft dazu bereit sei. Staatsanwalt Waldemar Gomer gab grünes Licht, und damit war das spektakuläre Verfahren plötzlich beendet.

K.o-Tropfen-Prozess: 56-Jähriger muss drei Jahre ins Gefängnis

„Das Urteil ist rechtskräftig“, verkündete Richterin Metz-Horst. Dabei bleibt es bei den drei Jahren Haft, zu denen das Olper Schöffengericht den 56-Jährigen in erster Instanz am 26. Juli 2016 verurteilt hatte. Nach Einlegung der Berufung von Verteidiger Hesse war der Prozess vor dem Siegener Landgericht neu aufgerollt worden. Die Berufung der Staatsanwaltschaft hatte sich nur gegen das Strafmaß gerichtet. Dies sei zu gering.

Der 56-Jährige war angeklagt, zwischen Oktober 2012 und April 2014 sechs Frauen in seinen Wohnungen in Rhode und Drolshagen K.o.-Tropfen in Getränke gemischt zu haben, um sie widerstandslos zu machen und Sex mit ihnen zu haben. Lange hatte der Mann alle Vorwürfe vehement abgestritten, bis er am dritten Verhandlungstag immerhin einräumte, dass er dem Sextett luststeigernde Liebestropfen in die Getränke gemischt haben. K.-o.-Tropfen seien das aber auf gar keinen Fall gewesen.

Nach Berufung droht sogar höhere Strafe

Allerdings stand die Berufung für den Drolshagener unter keinem guten Stern. Richterin Metz-Horst hatte im Prozessverlauf betont, dass es hier auch um präventive Gesichtspunkte gehe und um Abschreckung. Ein höheres Strafmaß als die drei Jahre aus erster Instanz hatte sich angebahnt.

Nach Informationen dieser Zeitung hätte aus dem angeklagten sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger Personen der Vorwurf der sechsfachen Vergewaltigung werden können. Und hier beträgt die Mindeststrafe für einen Fall bereits drei Jahre. Unterm Strich hätte es dann eine Haftstrafe zwischen vier und sechs Jahren geben können.

Es war also ein richtiger Schachzug von Verteidiger Klaus Hesse für seinen Mandanten, die Berufung im letzten Moment zurückzuziehen. „Das war praktisch eine Notbremse“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Von der ursprünglichen Absicht, in der Berufung noch eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren zu erzielen, musste sich Klaus Hesse schon zu Beginn der Berufungsverhandlung verabschieden. Das schloss die Richterin aus. Im Gegenteil. „Es bestand die Gefahr, dass er eine wesentlich höhere Strafe bekommt“, so Verteidiger Hesse.

Opfer klagten über Übelkeit und Erbrechen

In der Tat. Alle sechs Frauen hatten nach der Einnahme der Getränke wie Prosecco oder Kaffee von Übelkeit und Erbrechen berichtet, und dass sie nicht mehr Herr ihrer Sinne waren. Alle hatten ebenfalls betont, dass sie keinen Sex wollten. Da die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Strafmaß eingelegt hatte, hätte es bei einem neuen Urteil auch eine höhere Strafe geben können.

Zur Frage dieser Zeitung, warum denn die Staatsanwaltschaft jetzt mit den drei Jahren zufrieden sei, sagte Staatsanwalt Waldemar Gomer: „Sinn und Zweck der Berufung war zwar eine höhere Strafe, aber es ging hier primär um den Opferschutz und dass jetzt ein Schlussstrich gezogen werden kann.“ Auf weitere Nachfrage, wann der 56-Jährige denn jetzt ins Gefängnis müsse, meinte Staatsanwalt Gomer: „Es ist recht zeitnah mit einer Ladung zum Vollzug zu rechnen.“

Die Berufungskammer legte zudem fest, dass der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen muss. „Ist das Ihr Wille?“, wollte die Richterin vom Angeklagten nach der Rücknahme der Berufung wissen. Dazu der 56-Jährige: „Ich kenne mich mit dem Gesetz nicht aus. Ich vertraue da meinem Anwalt.“

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