Interview

Kinderarzt aus Olpe: „Keine Panik, wenn der Kopf juckt“

Keine Panik, wenn der Kopf juckt: Kinderarzt Dr. Joachim Füllenbach im Gespräch über Läuse.

Keine Panik, wenn der Kopf juckt: Kinderarzt Dr. Joachim Füllenbach im Gespräch über Läuse.

Foto: Jana Wehmann

Kreis Olpe.   Die Winterzeit ist die Hochsaison für Läuse. Kinderarzt Dr. Joachim Füllenbach erklärt, wie sich Eltern bei einem Läusebefall verhalten sollten.

Wenn der Kopf juckt, sind manchmal Läuse das Problem. Gerade zur Winterzeit tritt der Befall häufiger auf. Der Kinder- und Jugendarzt Dr. Joachim Füllenbach erklärt im Gespräch, was bei einem Befall zu tun ist und klärt über Mythen auf.

Warum gilt die kalte Jahreszeit als Hochsaison für Läuse?

Joachim Füllenbach: Die Winterzeit ist die Hochsaison, weil die Kinder einfach mehr zusammen drinnen spielen und die Köpfe zusammenstecken. Eine Laus krabbelt nicht auf dem Boden, sondern wandert von Haar zu Haar. Im Sommer sind die Kinder meistens draußen, deswegen tritt der Befall zur warmen Zeit seltener auf.

Wieso sind vor allem Kinder von Läusen betroffen?

Weil die Kinder einfach mehr ihre Köpfe zusammenstecken. Die Erwachsenen erkranken meistens durch ihre Kinder, zum Beispiel beim Kuscheln. Da kann die Laus schnell von einem Haar zum anderen springen.

Also stimmt der Mythos nicht, dass Läuse etwas mit mangelnder Hygiene zu tun haben?

Nein, die Hygiene hat gar nichts mit dem Läusebefall zu tun.

Wie bemerkt man, dass man von Läusen befallen ist? Was sind die ersten Anzeichen?

Meistens durch einem Juckreiz auf dem Kopf. Oft fällt es aber auch zufällig beim Haarekämmen auf. Bei ersten Anzeichen sollte man die Vermutung allerdings mit einem speziellen Läusekamm überprüfen. Dann kann man gegebenenfalls Läuse am Kamm finden.

Was kann man gegen den Befall machen? Muss man zum Arzt gehen?

Man sollte sich beim Arzt Medikamente verschreiben oder empfehlen lassen. Nicht alle in der Apotheke erhältlichen Medikamente wirken zuverlässig. Auf der Seite des Robert- Koch-Institutes findet sich eine Liste mit bewährten Medikamenten. Diese sind streng nach Packungsbeilage anzuwenden, zudem ist ein gründliches Auskämmen der Haare mit einem Nissenkamm an Tag eins, fünf, neun, dreizehn und 17 notwendig.

Wie verwendet man die Medikamente?

Die Medikamente sind quasi Shampoos. Man weicht die Haare damit ein und wäscht es anschließend wieder aus. Man benutzt dieses Shampoo zunächst einmalig am Tag des Befundes. Zwingend erforderlich ist eine erneute Anwendung nach neun oder zehn Tagen. Das Mittel tötet zwar die Laus, aber nicht die Eier. Deswegen sollte man das Shampoo noch mal einige Tage später benutzen, um auch die noch nicht geschlechtsreifen Larven zu erwischen. So können keine neuen Eier gelegt werden und der Lebenszyklus ist beendet.

Ab wann dürfen Eltern ihr Kind dann wieder in den Kindergarten schicken?

Direkt am nächsten Tag nach der ersten Anwendung. Die Läuse sind getötet und die Larven sind nicht mobil genug, um wandern zu können.

Müssen Eltern eine Bescheinigung vom Arzt, dass das Kind frei von Läusen ist, vorlegen?

Nein, müssen sie nicht. Diese Bescheinigung macht medizinisch keinen Sinn. In der dem Arzt zur Verfügung stehenden Untersuchungszeit findet man nur bei 20 Prozent der Betroffenen auch wirklich Läuse. Um Läuse sicher ausschließen zu können, müsste man jede einzelne Strähne mit einem Nissenkamm auskämmen, was im laufenden Praxisbetrieb nicht machbar ist. Es reicht, wenn die Eltern bescheinigen, dass sie das Kind nach Angaben des Arztes behandelt haben.

Wie sollte sich ein Kindergarten verhalten?

Die Eltern unterliegen einer Meldepflicht über den Befall im Kindergarten. Der Kindergärten muss die Nachricht an das Gesundheitsamt weitergeben und die anderen Eltern informieren.

Wie gehen die Eltern dann mit dieser Nachricht um?

Möchten die Eltern einen Läusebefall bei ihrem Kind ausschließen, sollten sie einen Nissen- beziehungsweise Läusekamm in der Apotheke kaufen, die Haare mit einer Spülung befeuchten und jede Strähne einzeln durchgehen. Bei einem blonden Jungen fällt der Befall natürlich schneller auf, als bei einem Mädchen mit brauen, langen Haaren.

Ist der Läusebefall gefährlich?

Nein, es ist zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Läuse übertragen keine Krankheiten.

Wie kann man sich vorbeugend vor Läusen schützen?

Mit einer Glatze (lacht). Dann ist es den Läusen zu kalt. Ansonsten kann man nichts dagegen tun. Würden sich alle Menschen auf der Welt an einem definierten Tag die Haare abrasieren, dann wäre das Läuse-Problem für immer erledigt (lacht).

Muss man im Falle eines Läusebefalls die Wohnung aufwendig reinigen?

Die menschliche Laus kann außerhalb des Kopfes nur zwei bis drei Tage überleben. Deswegen reicht es, das Bettzeug, Schlafanzug, Handtücher zu waschen, Mützen und Kappen für drei Tage in einen Plastikbeutel zu packen und die gemeinsame Haarbürste oder Haargummis in warmer Seifenlauge zu reinigen - man braucht keine Panik bekommen.

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