Abriss und Neubau

Kindergarten statt Turnhalle: Wo sollen die Sportler hin?

Klaus Meinerzhagen und Hermann Jadatz (rechts) vom TuS 09 Drolshagen, vor dem großen Hallenspiegel.

Foto: Lothar Linke

Klaus Meinerzhagen und Hermann Jadatz (rechts) vom TuS 09 Drolshagen, vor dem großen Hallenspiegel. Foto: Lothar Linke

Drolshagen.  Fragezeichen beim TuS Drolshagen

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Eines stellen die beiden Sportsleute von vorneherein klar: „Wir sind nicht gegen den Kindergarten“, sagt Hermann Jadatz, seit 30 Jahren 1. Vorsitzender des TuS 09 Drolshagen, „aber wir wollen wissen, woran wir sind.“

Hermann Jadatz (67) und Hallenwart Klaus Meinerzhagen (78) sind an diesem Morgen die einzigen Menschen in der Sporthalle am Buscheid. Das Gebäude soll abgerissen und durch einen Kindergarten (siehe unten) ersetzt werden. „Nach den Herbstferien wurde uns von der Stadt gesagt: ,Um die Halle braucht ihr euch keine Gedanken mehr zu machen. Die wird verkauft“’, berichtet Jadatz. Er beklagt, „dass man so abgefertigt wird.“

Die Folgen malt der Boss des 1000-Mitglieder-Vereins in düsteren Farben: „Damit entfällt der Raum für 200 bis 300 Sportler. Das heißt: Uns laufen die Mitglieder davon. Wo sollen die denn alle hin?“ Turnfrauen, Turnmädchen, Tanzgruppen, Rückenschule, Bauchkiller, Sport für Behinderte, Fit über 50, Orientalische Tänze, Griechische Folklore : Die Nutzerschar des Buscheid-Baus ist bunt und groß.

Vier städtische Hallen hat Drolshagen: Die Wünne, den Herrnscheid, plus die Grundschulhallen in Hützemert und Schreibershof. Dorthin auszuweichen sei schwierig, sagt Meinerzhagen: „Die Dörfer haben selbst ihren Sport. Und im Winter kommen ja noch die Fußballer dazu.“

Ideelle und materielle Werte

Jadatz und Meinerzhagen bieten eine Führung durch das Gebäude am Buscheid an. Durch die Halle mit dem riesigen, 3000 Euro teuren Spiegel für die Tanzgruppen, den die Volksbank gestiftet hat. Dann in den Geräteraum und schließlich in den Klubraum.

Durch jeden Winkel weht der Charme alter Turnhallen: „Frisch, fromm, fröhlich, frei.“ Im kleinen Klubraum glänzen Pokale. Schwarz-Weiß-Fotos zeugen von großen Erfolgen. Was dem Besucher sofort ins Auge fällt, ist eine schwere, fast 100 Jahre alte Fahne. Es sind große ideelle Werte, die das Gemäuer beherbergt. Aber auch materielle, die im Geräteraum lagern. Jadatz zieht die Schultern hoch und zeigt auf ‘zig große Gymnastik-Bälle, auf einen Mattenwagen, auf einen Barren: „Wohin damit? Bei mir zuhause kann ich das nicht verwahren.“

Berghof: „Unvernünftig“

Bürgermeister Uli Berghof hält es aus städtischer Sicht für „unvernünftig, die Halle weiter zu betreiben.“ 500 000 Euro würde die Sanierung laut Gutachten kosten. „Und das will der Bürgermeister von den Füßen haben,“ vermutet Jadatz.

Meinerzhagen zweifelt diese Summe schlichtweg an: „Damit will man uns nur bange machen.“ Die Halle sei „tip top in Ordnung“, versicherte er und verweist beispielsweise auf den neuen Boden, der vor zehn Jahren verlegt worden sei. Insgesamt habe der TuS 30 000 Euro in die Hand genommen, Spenden und Eigenmittel.

Das bestreitet Berghof nicht. Aber: „Es gibt das Gutachten. Wir können nur in die Halle rein gucken und sagen: Oh, hier ist aber alles schön. Aber hinter den Fassaden sehen wir eine uralte Heizung, Fenster, durch die der Wind pfeift, ein Dach, wo wir bei jedem Sturm die Luft anhalten in der Hoffnung, dass da nichts runterfällt.“

Den Vorwurf, den TuS nicht informiert zu haben, lässt Berghof nicht stehen: „Die wissen beide, wo ich sitze. Ich bin jederzeit ansprechbar,“ antwortet er, „aber ich kann Herrn Jadatz und Herrn Meinerzhagen auch nur sagen: Die Entscheidung ist noch nicht getroffen. Ich kann ja nicht, bevor ich nicht weiß, ob das zum Verkauf kommt, anfangen, irgendwelche Hallenzeiten umzulegen.“

Feinarbeit steht noch bevor

Nach Auswertung der Hallenbücher habe man seitens der Verwaltung geschaut, welche Kapazitäten zur Verfügung stehen. Berghof: „Wir gehen davon aus, dass die Nutzer in unseren weiteren Hallen unterzubringen sind. Die Feinarbeit wird der Stadtsportverband übernehmen.“

Überhaupt komme es ja „nicht von heute auf morgen, dass man ohne Halle dasteht,“ sagt Berghof, „da gibt’s einen Vorlauf, da werden sich die Vereine auch beim Stadtsportverband einbringen können.“ Eigentlich habe die Stadt vor, sich „da heraus zu halten,“ sagt Berghof, „nur wenns nicht klappt, sind wir natürlich Ansprechpartner.“

Markus Feldmann über die Pläne der GFO

Wenn alles planmäßig vonstatten geht, soll der neue zweigruppige Kindergarten der Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) am Drolshagener Buscheid am 1. August 2019 an den Start gehen: Das bestätigte gestern der Geschäftsführer der GFO, Markus Feldmann, im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die Grundstücksverhandlungen sind abgeschlossen. Wir wollen jetzt so schnell wie möglich mit dem Bau beginnen.“ Der zweigeschossige Kindergarten für rund 40 bis 50 Kinder, davon etwa ein Dutzend U 3-Kinder, werde rund 1,2 Millionen Euro kosten. Über die neue Gruppenförderung des Kreises - pro Gruppe 600 000 Euro - sei das Gebäude finanziert, die GFO müsse lediglich die Kosten für das Grundstück und den Abriss der alten Sporthalle übernehmen. Feldmann hob hervor, dass die GFO ausreichend Parkraum auf dem Grundstück anbieten werde: „Das werden 23 Parkplätze unmittelbar am Kindergarten sein, die in den Abendstunden durchaus auch den Sportlern der umliegenden Sportanlagen zur Verfügung stehen und die angespannte Situation vermutlich entschärfen können.“

Das derzeit drängendste Problem im Kindergartenbereich sei es, genügend Fachkräfte zu bekommen. Feldmann: „Für den neuen Kindergarten in Drolshagen benötigen wir sechs Erzieherinnen bzw. Erzieher.“ Drei Stellen könnten aus der GFO heraus besetzt werden, für die drei anderen suche man Bewerber.

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