Urteil

Kirchhundem: Pflegevater muss für Missbrauch ins Gefängnis

Ein Mann aus Kirchhundem ist wegen sexuellen Missbrauchs seiner Pflegetochter verurteilt worden.

Ein Mann aus Kirchhundem ist wegen sexuellen Missbrauchs seiner Pflegetochter verurteilt worden.

Foto: Uli Deck / picture alliance/dpa

Siegen/Kirchhundem.  Wegen sexuellen Missbrauchs seiner Pflegetochter ist ein Mann aus Kirchhundem verurteilt worden. Sein Anwalt will dagegen vorgehen.

Vier Jahre und drei Monate soll der Mann (39) aus einem Ortsteil von Kirchhundem ins Gefängnis, der seine älteste Pflegetochter nach Überzeugung des Gerichts mindestens viermal sexuell missbraucht hat, in Tateinheit mit Missbrauch an einer Schutzbefohlenen, mit einfacher und schwerer Körperverletzung sowie Freiheitsberaubung.

Damit erreicht die 1. Große Strafkammer des Siegener Landgerichts nicht ganz den Antrag von Staatsanwältin Katharina Burchert, die sechs Jahre gefordert hatte. Sie ist aber deutlich entfernt von Verteidiger Klaus Söbke. Der hatte genau elf Tage zuvor auf Freispruch plädiert und kündigt im Anschluss direkt die Revision gegen das Urteil an.

Zunächst macht das Gericht es noch einmal spannend. Es gibt ein Polizeivideo vom Tatort, einem Dachboden, wo das heute neunjährige Opfer vom Angeklagten mit den Händen über dem Kopf an einen Balken gefesselt und geknebelt worden war. Dabei hat sie nach Auffassung der Richter und Schöffen Schmerzen und Atemprobleme gehabt, was zur Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung führen wird. Dieses Video sei nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt worden, müsse daher noch einmal mit Zuschauern abgespielt werden, stellt Richterin Elfriede Dreisbach fest.

Aussage des Mädchens als glaubwürdig eingestuft

Danach wird die Beweisaufnahme erneut geschlossen, wiederholen die Anwälte ihre Anträge. „Ich habe meiner Tochter nichts getan. Ich weiß nicht, wie die Vorwürfe entstanden sind. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, erklärt der zum Abschluss. Nach einer kurzen Unterbrechung wird das Urteil verkündet.

Das Gericht hat dem Mädchen geglaubt und nicht dem Angeklagten. Während der Verteidiger die Widersprüche in deren Angaben hervorgehoben und zu Zweifeln genutzt hat, ist die Kammer mit der Sachverständigen der Ansicht, das Mädchen habe authentisch und überzeugend ausgesagt. Kleinere Abweichungen seien sogar wichtig, als Beweis dafür, dass die Vorwürfe erlebt seien und erinnert, nicht aber auswendig gelernt vorgetragen würden. Aus ihrer Sicht sehr überzeugend sei die Empörung gewesen, sagt Elfriede Dreisbach, als das heute neunjährige Mädchen auf ihre Frage, warum der Papa das denn mit ihr gemacht habe, sofort ausrief: „Das hat der mir doch nicht gesagt!“

Immerhin seien die Folgen der Taten zumindest im Moment nicht zu schwerwiegend. Seit das Mädchen sich ihrer Mutter offenbart habe, seien die schlechten Träume und Essstörungen weitgehend abgeklungen, die sie davor geplagt hätten.

Für den Verteidiger ist die Revision bereits klar. „Das war nicht das letzte Wort in dieser Sache“, kündigt Klaus Söbke direkt auf dem Flur an. Für ihn hat sich die Kammer schwer getan mit dem Begründen, auf Vermutungen gestützt, wo eigentlich Fakten hätten vorgelegt werden müssen.

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