Gericht

Kirchhundem: Ungereimtheiten im Vergewaltigungsprozess

Am Freitag, 29. März, sollen alle offenen Fragen geklärt werden.

Am Freitag, 29. März, sollen alle offenen Fragen geklärt werden.

Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Kichhundem/Siegen.   Ein Bußgeldverfahren wurde eingeleitet, weil das Opfer weitere Aussagen verweigert. Die Fragen zum Tatzeitpunkt und dem Chatverlauf bleiben offen

Im Mai vergangenen Jahres soll ein damals 26-Jähriger eine 15-Jährige in einem Kirchhundemer Ortsteil vergewaltigt haben. Am gestrigen dritten Verhandlungstag verweigerte das Opfer allerdings weitere Zeugenaussagen. Deshalb hat das Siegener Landgericht gegen sie ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

Die Kriminalkommissarin, die das heute 16-Jährige Mädchen damals verhörte, trat gestern in den Zeugenstand. Obwohl die Aussagen des Opfers glaubhaft und schlüssig gewesen seien, schrieb sie in ihrem Eindrucksvermerk, dass es einige Ungereimtheiten gab. „Ich hatte das Gefühl, dass sie mir noch mehr erzählen könnte, es aber nicht tut.“

Als eine der Ungereimtheiten gab die Beamtin einen Chatverlauf an, in dem das Opfer mehrmals den Kontakt zu dem Beschuldigten suchte.

Auch wegen des Tatorts waren einige Angaben des Opfers für die Kommissarin nicht schlüssig: Der Beschuldigte soll das Mädchen hinter einen Container gezerrt und vergewaltigt haben. Bilder, die dem Gericht vorliegen, zeigen, dass der Container sehr offen liegt und der Tathergang daher leicht hätte beobachtet werden können.

Sie zuckte nur mit den Schultern

Während der Tonbandvernehmung, die ein anderer Kommissar führte, sei das Mädchen nicht bereit gewesen, dabei mitzuwirken, den genauen Tatzeitpunkt zu ermitteln, berichtete der Kommissar im Zeugenstand. „Wenn sie sich in einigen Punkten selbst widersprach und ich noch einmal nachhakte, starrte sie auf die Decke oder zuckte nur mit den Schultern.“

Auch zum Tatzeitpunkt ergaben sich für ihn Fragen: Der Beamte glich den Busfahrplan mit den Arbeitszeiten des Beschuldigten ab, um den Tatzeitraum einzugrenzen: „Mit dem Abgleich der Fahrtzeiten müsste die Tat allerdings sehr viel früher stattgefunden haben, als es das Mädchen schildert.“

Die Freundin, die am Tattag mit ihr zusammen war, erschien trotz Ladung nicht vor Gericht. Sie soll am Freitag, 29. März, in den Zeugenstand treten. Dann soll auch mit Hilfe des Opfers der genaue Tatzeitpunkt ermittelt und die Hintergründe zu dem Chat geklärt werden, der das Verhältnis von Opfer zu Täter widersprüchlich beschreibt.

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