Überlebenskampf

Kirchhundem: Wie ein 79-Jähriger das Coronavirus besiegte

Paul Hennemann sitzt in seinem Garten. Hier kümmert er sich gerne um seine knapp 40 Bonsais.

Paul Hennemann sitzt in seinem Garten. Hier kümmert er sich gerne um seine knapp 40 Bonsais.

Foto: Britta Prasse / WP

Kirchhundem.  Paul Hennemann aus Kirchhundem infiziert sich im März mit Corona. Er wird lange beatmet und muss das Laufen wieder lernen. So geht es ihm heute.

Paul Hennemann ist glücklich, dass er nicht mehr auf den Rollstuhl angewiesen ist. Dass er sich wieder um seine geliebten Bonsais kümmern kann. Knapp 40 Bäumchen stehen in seinem Garten. „Der liebe Gott hat mir ein zweites Leben geschenkt“, sagt der 79-Jährige. Dass er seinen Geburtstag Anfang August feiern konnte, war nicht selbstverständlich. Denn wegen eines schweren Covid-19-Verlaufs war er gut zwei Monate im Krankenhaus, musste mehrere Wochen beatmet werden. Doch er hat es geschafft. Er hat überlebt.

Der Ursprung

Es war Anfang März, als sein Sohn Matthias Hennemann zu einem Geburtstag eines Freundes eingeladen war. Vor dem Lockdown, als es noch keine Kontaktbeschränkungen gab. Dieser Freund sei kurz vorher im Urlaub in Ischgl gewesen, erzählt Matthias Hennemann. Eben jener Ort, der zum Synonym für Europas Corona-Hotspot wurde. Der Freund machte einen Corona-Test, obwohl er symptomfrei war. Das Ergebnis: negativ.

Eigentlich ein Grund zur Beruhigung. Doch die Schwester des Heimkehrers zeigte erste Grippe-Symptome. Und auch Matthias Hennemann bekam später Fieber und Husten, fühlte sich schlapp. „Am 17. März habe ich dann einen Corona-Test gemacht, doch auch ich bekam ein negatives Ergebnis“, sagt der 40-Jährige. Drei Tage lang lag er mit einer vermeintlichen Grippe im Bett. Dann fühlte er sich wieder besser. Offenbar doch keine Corona-Infektion. „Zeitlich würde es nicht passen. Zwischen der Feier und dem Corona-Test mit dem Negativergebnis lagen elf Tage“, erklärt Hennemann. Falls es Corona gewesen sein sollte, hätte man zu diesem Zeitpunkt doch schon ein positives Ergebnis haben müssen. Oder?

Die Übertragung

Kurz darauf erkrankte sein Vater, der mit ihm zusammen in einem Haus wohnt. Auch er bekam Fieber, trockenen Husten, Atemnot. Er fuhr zum Corona-Testzentrum an der Sauerlandhalle nach Altenhundem, um Gewissheit zu haben, ob es sich bei ihm um eine Corona-Infektion handelte. Das Ergebnis: negativ. Also vielleicht wirklich nur eine Grippe.

Bei Paul Hennemann verschwanden die Krankheitssymptome nicht nach drei Tagen. Sie verschlimmerten sich. Eine Woche lang, bis zum 31. März. „Da bin ich nachts in die Küche gegangen, um mir ein Glas Wasser zu holen – und bin einfach umgefallen“, erinnert sich der 79-Jährige. Sein Sohn hörte das Poltern, lief in die Küche und sah seinen bewusstlosen Vater am Boden. Er rief sofort den Krankenwagen, der Hennemann ins St.-Martinus-Hospital nach Olpe brachte.

Die Beatmung

Dort wurde er zunächst auf der Isolier-Station untersucht und wieder ein Rachenabstrich gemacht. Das Ergebnis: negativ. Nichtsdestotrotz blieb er erstmal auf der Isolier-Station. „Ab da ging eigentlich alles ganz schnell“, erinnert sich sein Sohn. Dienstag ins Krankenhaus gekommen, Freitag auf die Intensiv-Station verlegt worden, nochmal einen Corona-Test machen. Das Ergebnis: positiv. Einen Tag später wurde er bereits ins künstliche Koma versetzt, um beatmet werden zu können. In seinem letzten Anruf vor der Koma-Phase sagte er zu seinem Sohn: „Vergiss bitte nicht, die Bonsais zu gießen.“

Mehr als vier Wochen hat Hennemann „geschlafen“, wie er selbst sagt. Bis er am 8. Mai wieder „aufgewacht“ ist. Sein Zustand hatte sich stabilisiert, er konnte wieder selbstständig atmen. Drei Wochen blieb er danach noch im Krankenhaus. So lang hat er bisher noch nie im Krankenhaus sein müssen. „Aber ich habe mich dort immer gut aufgehoben und versorgt gefühlt“, sagt Hennemann. „Ich wurde jederzeit über alle notwendigen Maßnahmen sehr gut aufgeklärt und kann nur ‘Danke’ sagen. Danke dafür, dass sich das Intensivpflege-Personal so gut um mich gekümmert hat und die Ärzte mir mit ihrer Fachkompetenz das Leben gerettet haben.“

Die Reha

Hennemann hatte zu diesem Zeitpunkt zwar den Überlebenskampf gewonnen. Doch auch danach musste er weiterkämpfen. Das Laufen wieder lernen. „Ich kam mit dem Rollstuhl in der Reha-Klinik in Reichshof an und bin am Ende wieder herausgegangen“, sagt er und lächelt dabei. Vier Wochen harte Arbeit, in denen er Geduld und Ehrgeiz beweisen musste. Dazu die Atemtherapie mit Übungen, die ihm dazu verhelfen sollten, wieder genügend Luft in die Lunge zu bekommen. Es war anstrengend. „Aber ich wollte das unbedingt“, sagt Hennemann.

Der Überlebenswille

Der 79-Jährige merkt, dass ihn die Covid-Erkrankung viel Kraft gekostet hat. Er hat neun Kilo abgenommen, konnte nach der Reha-Entlassung nur noch 500 Meter am Stück laufen. Ein herber Rückschlag, ging er doch vor der Infektion zwei Mal in der Woche ins Fitnessstudio und lange im Wald spazieren. Doch er merkt auch, dass seine Kraft wiedergekommen ist. „Ich lege sehr viel Wert auf meine Gesundheit, achte darauf, dass ich mich ausreichend bewege und viel Obst und Gemüse esse.“ Mittlerweile läuft er wieder acht Kilometer pro Tag. Bald will er wieder ins Fitnessstudio gehen.

Wenn die Leute jetzt Paul Hennemann spazieren gehen sehen, winken sie ihm zu und freuen sich. Darüber, dass es ihm wieder so gut geht. „Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist“, so Hennemann. Er ist dankbar und möchte weiter sein Leben genießen. Und sich um seine Bonsais kümmern. Denn auch die haben überlebt, als Paul Hennemann geschlafen hat.

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