Klimawandel

Klima im Kreis Olpe wird immer extremer

Hochwasser an der Lenne in Langenei.

Hochwasser an der Lenne in Langenei.

Foto: Volker Eberts

Lennestadt.   Zahlen belegen: Heißere Sommer, mehr Starkregen und Überflutungen. Experten fordern Doppelstrategie, um Schäden zu reduzieren.

Der Klimawandel ist auch in Lennestadt angekommen. Besonders das Jahr 2018 war von schweren Extremwetterbedingungen gekennzeichnet. Kräftige Gewitter mit Starkregen führten zu rund 50 Feuerwehreinsätzen allein im Bereich Lennestadt und Kirchhundem. Welche Auswirkungen das Klima und welche Folgen die Extremwetterbedingungen auf Lennestadt hatten, stellte der Klimamanager der Stadt Lennestadt, Martin Rabe, vor.

In den meisten Fällen habe es vollgelaufene Keller und überflutete Straßen gegeben, berichtet er. „Es ist aber interessant, dass wir uns bei Extremwetterereignissen meist auf Starkregen fokussieren, dabei hat die Wetterstation in Lennestadt-Theten im Februar dieses Jahres einen Rekord aller Wetterstationen in ganz Nordrhein-Westfalen geliefert.“ Dort wurden an einem Tag 21,9 Grad Celsius gemessen und damit der höchste Wert, der jemals in einem Februar an einer Wetterstation gemessen wurde.

Klimawandel schreitet voran

In einem Zeitraum von 30 Jahren wurde an der Wetterstation der Mittelwert aller Tropentage gemessen. „Tropentage werden die Tage genannt, an denen es mindestens 30 Grad Celsius heiß ist“, erklärt Rabe.

Während der Mittelwert im Zeitraum von 1961-1990 noch bei 3,4 Tagen lag, ist er während der vergangenen Jahre kontinuierlich gestiegen. Der letzte ermittelte Mittelwert von 1981 bis 2010 lag bei 6,9 Tagen. „Parallel dazu hat sich die Anzahl der Frosttage in diesen Jahren deutlich verringert: In den Jahren 1961-1990 lag der Mittelwert noch bei 92,8 und im Vergleich dazu in den Jahren 1981-2010 nur noch bei 82,6 Frosttagen“, erklärt der Klimamanager.

Dr. Tobias Kemper von der Energieagentur NRW erläuterte die Klimaentwicklung im Sauerland und führte Strategien auf, die zur Klimafolgeanpassung entwickelt werden können. Der Klimawandel äußere sich zum einen durch schleichende Auswirkungen wie dem Temperaturanstieg und der Niederschlagsentwicklung, aber auch durch eine Zunahme von Extremwettereignissen wie Unwetter, die zu schweren Schäden führen.

„Der Umgang mit dem Klimawandel erfordert eine Doppelstrategie“, erklärt Kemper. Auf der einen Seite müsse man den Klimaschutz stärken und weiter voran bringen – den Temperaturanstieg also begrenzen. Mehr Klimaschutz würde bedeuten, dass die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts weniger ansteige. „Man muss aber ganz klar sagen: Klimaschutz allein ist nicht ausreichend.““

Maßnahmen zur Anpassung

Parallel müsse man sich auf die unvermeidbaren Klimafolgen vorbereiten. „Wichtig ist, dass wir früh anfangen auf kommunaler und regionaler Ebene anpassen, um Schäden und Schadenskosten zu reduzieren.“ Es gehe darum, proaktiv zu handeln und nicht zu warten, bis die Schäden entstanden sind.

Maßnahmen, die man zur Entschärfung von Extremsituationen umsetzen könnte, wären bei Trockenheit zum Beispiel die Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. „Man sollte versuchen, mehr Grün- und Wasserflächen zu schaffen. Ganz besonders im Fokus steht momentan auch Fassaden- und Dachbegrünung, mit der gleichzeitig die Möglichkeit geschaffen wird, bei Starkregen Wasser aufzunehmen.“

Notwasserwege schaffen

Bei der Zunahme von Starkregenereignissen führt Kemper außerdem Maßnahmen wie die Schaffung von Regenrückhaltebecken und die Einstauung von Plätzen und Straßen mit sogenannten „Notwasserwegen“ an. „Das Wichtigste für den Erfolg der Klimaanpassung ist es aber, dass die zuständigen betroffenen Akteure kooperativ und sektorübergreifend arbeiten und nicht jeder für sich“, erklärt Tobias Kemper.

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