Nach Bertelsmann-Studie

Krankenhäuser im Kreis: Die Angst vor dem Kahlschlag geht um

Die Katholische Hospitalgesellschaft Südwestfalen beherbergt zwei Krankenhäuser unter ihrem Dach. Die Bertelsmann-Studie sorgt für Unruhe.

Die Katholische Hospitalgesellschaft Südwestfalen beherbergt zwei Krankenhäuser unter ihrem Dach. Die Bertelsmann-Studie sorgt für Unruhe.

Foto: Foto: Josef Schmidt

Kreis Olpe.  Laut Bertelsmann-Studie ist die Hälfte alle Krankenhäuser überflüssig. Trifft das auch den Kreis Olpe?

Johannes Schmitz, Geschäftsführer der Katholischen Hospitalgesellschaft Südwestfalen, zögert auf die Frage, ob es in 20 Jahren immer noch drei Krankenhäuser im Kreis Olpe geben werde, keine Sekunde: „Nein“ lautet die Antwort. Und im weiteren Gespräch setzt er noch einen drauf: „Die Tendenz geht langfristig eher dahin, dass nur eines übrig bleiben wird.“ Welches der jetzt drei Krankenhäuser im Kreis das sein werde, dazu will der Geschäftsführer keine Prognose wagen. Schmitz ist ein erfahrener Krankenhaus-Manager, leitet die Geschicke der Hospitalgesellschaft seit mehr als zwei Jahren.

Was das Thema zuletzt in die Öffentlichkeit katapultierte, ist kein Geheimnis: Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hatte die Krankenhaus-Landschaft kräftig durcheinandergewirbelt. Wesentliche Aussage der Bertelsmann-Experten: „Eine bessere Gesundheitsversorgung in Deutschland ist mit nur halb so vielen Krankenhäusern möglich.“

Eher eine Fußnote, auf die Johannes Schmitz aber aufmerksam macht: Mitverfasser der Studie sei ein Professor der TU Berlin, der auch zur Expertengruppe gehöre, die das Land NRW für den neuen Krankenhausplan berate. Schmitz: „Eine Straffung im Krankenhaus-System ist für NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ein ganz wichtiges Projekt.“ Und die Verpflichtung des Bertelsmann-Experten deute daraufhin, dass sich die Grundaussagen aus der Studie auch im neuen NRW-Krankenhausplan wiederfinden könnten.

Laumann macht Druck

Bestätigt wird der Verdacht von Schmitz durch öffentliche Zitate Laumanns bei Pressekonferenzen oder in überregionalen Medien. Kostprobe: „Ich bin der Meinung, dass wir in Nordrhein-Westfalen eine straffere Krankenhausplanung und erst einmal einen vernünftigen Krankenhausplan brauchen. ….In den vergangenen Jahren hat leider keine wirksame Krankenhausplanung mehr stattgefunden. Das werde ich ändern… . Wir werden ... ein Gutachten ausschreiben und wollen auf dessen Basis noch in diesem Jahr erste Ergebnisse mit allen an der Krankenhausplanung Beteiligten diskutieren….“

Dass das auch den Kreis Olpe treffen könne, ist für Schmitz fast folgerichtig. Wobei er selbst eindringlich appelliert, an den ländlichen Raum eigene Maßstäbe anzulegen: „Wir brauchen hier viel mehr eine sichere Grundversorgung. Wenn sich ein Fußballer sonntags verletzt, kann man ihn doch nicht über 50 Kilometer durch die Gegend fahren.“

Auf der anderen Seite räumt Schmitz ein, dass bei speziellen Anforderungen, bei schweren Krebs- oder Herzkrankheiten spezialisierte Kliniken unabdingbar seien. Für solche Behandlungen suchten sich die Patienten auch jetzt schon ihre Wunschklinik, egal wie weit entfernt. Auch ins Martinus-Hospital nach Olpe kämen Patienten aus Hessen, die hier vom Kardiologen oder Gefäß-Chirurgen ihres Vertrauens behandelt werden wollten. Für Schmitz völlig klar: „Wir müssen in diese Spezialisierung investieren.“ Beispiel: Eine spezielle Herzpumpe sei 2018 in Olpe zweimal eingesetzt worden, „in diesem Jahr sind es schon sechs und wir hoffen, auf 12 bis 15 zu kommen.“ Das sei der richtige Weg.

Die Schlussfolgerung, dass ein Kahlschlag als erstes das St. Josefs-Krankenhaus in Lennestadt als kleinstes treffen müsse, will Schmitz nicht gelten lassen: „Wenn man sich die Geografie des Kreises und der Nachbarregionen ansieht, wäre Lennestadt der problematischste Schließungskandidat.“ In der Nachbarschaft habe Fredeburg geschlossen, Kloster Grafschaft verfüge über keine Chirurgie mehr.

Aber, so Schmitz: „Der wirtschaftliche Druck ist da, und das Planungsrecht liegt beim Land.“ Politisch handle es sich allerdings um ein äußerst heikles Thema: „Bisher hatte niemand den Mut, Krankenhäuser zu schließen.“ Und vor den Kommunalwahlen 2020 sei damit sicherlich nicht zu rechnen.

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