Grippewelle

Krankenhäuser im Kreis Olpe am Rande der Erschöpfung

In der Notaufnahme der Helios Klinik Attendorn bekommen Patienten eine Wartemarke.

Foto: Dominik Brendel

In der Notaufnahme der Helios Klinik Attendorn bekommen Patienten eine Wartemarke. Foto: Dominik Brendel

Attendorn.   Lange Wartezeiten, gestresstes Personal, verständnislose Patienten: Die Grippewelle bringt Notaufnahmen im Kreis Olpe an ihre Belastungsgrenzen.

Durch den Haupteingang, dann halb rechts, zwei Etagen mit dem Aufzug hoch, dann wieder rechts. Da sitzen sie, die Viren. Und das nicht zu knapp. Die Grippewelle hat die Helios Klinik Attendorn und ihre Notaufnahme in den vergangenen Wochen an die Belastungsgrenze gebracht.

„Alle Krankenhäuser im Kreis Olpe waren zeitweise nicht mehr aufnahmefähig. Und auch wir hatten keine Betten mehr für Intensivpatienten“, sagt Tobias Hindermann, Geschäftsführer der Attendorner Klinik.

Die Folgen: Schwere Notfälle müssen länger warten als nötig, ungeduldige Patienten vergiften die Atmosphäre, während Ärzte und Pfleger unter ständigem Druck arbeiten. In Paderborner Krankenhäusern wird mit einem offensiven Slogan auf das Problem aufmerksam gemacht: „Ihr Schnupfen verstopft unsere Notaufnahme“.

Das Problem mit den Bagatelle-Patienten

Ein hohes Patientenaufkommen gibt es in der Notaufnahme der Helios Klinik Attendorn nicht erst seit der Grippewelle. Seit Jahren beobachtet Dr. Manfred Kemmerling, wie immer mehr Menschen den Weg in die Notfallambulanz finden. „Die Tendenz derer, die mit Bagatellen in die Notaufnahme kommen, nimmt zu. Das ist ein Versorgungsproblem“, erklärt der Ärztliche Direktor. „Der Patient, der beispielsweise Rückenschmerzen hat, kriegt bei seinem Orthopäden erst in sechs Wochen einen Termin. Dann überlegt er sich, ob er so lange warten will. Manche wählen dann den Weg zu uns in die Notaufnahme.“ Oft werde solch ein Patient dort für einige Minuten angesehen, ehe er mit Schmerzmitteln wieder nach Hause geschickt wird mit der Anweisung: Bitte zum Hausarzt gehen. Krankenhäuser ächzen wegen solcher Patienten nicht nur unter einer enormen Arbeitsbelastung, sondern auch unter hohen Kosten.

Doch abweisen darf die Notaufnahme niemanden. „Wir sind grundsätzlich zur Versorgung verpflichtet. Wir können und wollen niemanden wegschicken, ohne ihn angesehen und versorgt zu haben“, betont Dr. Kemmerling. Denn sonst könnten dem Krankenhaus haftungsrechtliche Konsequenzen drohen. Ein Risiko, dem sich auch in der Hansestadt niemand aussetzen möchte. „Die Klagefreundlichkeit der Menschen nimmt zu“, merkt Dr. Manfred Kemmerling an. Allerdings würde man in Attendorn Bagatelle-Patienten sowieso nicht grundsätzlich ablehnen: Hindermann: „Auf dem Land haben wir das Problem, dass wenn wir Menschen mit Bagatellen wegschicken, diese bei ernsthaften Erkrankungen uns nicht ausreichend zügig aufsuchen oder sie eben das Krankenhaus wechseln. Und Krankenhäuser kämpfen heutzutage um Patienten.“

Für wen ist dieNotaufnahme?

Ein Krankenhaus ist ein Notfallbetrieb. „Teilweise geht es hier um Leben und Tod“, bringt es Tobias Hindermann auf den Punkt. Ein Krankheitsfall außerhalb der Sprechzeiten von Haus- und Fachärzten ist nicht immer ein Notfall. Nur bei akuten und lebensbedrohlichen Erkrankungen sollte die Notaufnahme aufgesucht werden.

Für alles andere gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Dieser hilft, wenn die Arztpraxis geschlossen hat. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des jeweiligen Bundeslandes koordiniert den Bereitschaftsdienst. Über die bundesweit einheitliche Telefonnummer 116 117 sind niedergelassene Ärzte erreichbar, die Patienten in dringenden medizinischen Fällen ambulant behandeln. Auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen.

In der Helios Klinik Attendorn ist samstags, sonntags und an Feiertagen in der Zeit von 8 bis 20 Uhr die KV-Praxis besetzt.

Wie funktioniert dieNotaufnahme?

In der Helios Klinik Attendorn begibt sich ein Notfallpatient auf die Ebene 3, wo bunte Pfeile auf dem Boden den Weg weisen. An einem Automaten kann er eine Wartemarke ziehen und auf einem Monitor wird er dann aufgerufen. Ein bisschen kommt man sich vor wie im Bürgeramt. „Wenn Sie sich ausreichend wartefähig fühlen, ziehen Sie eine Wartemarke und wenn nicht, gehen Sie direkt zum Schalter und melden sich dort“, erläutert Pflegedirektorin Sanja Lietz.

Am Schalter beurteilt ein Pfleger, ob ein Patient sofort Hilfe braucht. Um die Dringlichkeit einer Behandlung einzustufen, setzen Krankenhäuser auf ein Triage-System. Der Begriff Triage kommt vom französischen Wort „trier“ und bedeutet sortieren. In Attendorn wird in drei Kategorien eingeteilt: rot, gelb und grün. „Unsere Fachkräfte stellen durch das optische Erscheinungsbild des Patienten und durch Abfragen der Symptome fest, ob eine sofortige Behandlung nötig ist “, sagt Lietz. Wer Anzeichen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls zeigt, ist ein roter Patient und kommt sofort dran. Wem die Nase läuft, der wird als grün eingestuft und muss warten – auch mal mehrere Stunden. Das sorgt nicht selten für schlechte Stimmung im Wartebereich der Notaufnahme. „Die Beschwerden über lange Wartezeiten gibt es“, kommentiert Dr. Kemmerling lakonisch.

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