Corona-Krise

Kreis Olpe: Waldbauern klagen über „apokalyptische Zustände“

Nach der Borkenkäfer-Krise trifft nun die Corona-Krise die Waldbauern im Kreis Olpe hart.

Nach der Borkenkäfer-Krise trifft nun die Corona-Krise die Waldbauern im Kreis Olpe hart.

Foto: Jürgen Hendrichs

Kreis Olpe.  Das Coronavirus trifft die ohnehin krisengeplagten Waldbauern im Kreis Olpe. Landwirte sind hingegen noch relativ gelassen.

„Es gibt sicherlich Branchen, die härter betroffen sind als wir“, sagt Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Olpe. Denn Bauernhöfe sind keine „Kontakthöfe“, auf denen sich viele Menschen tummeln und auch bei der täglichen Routinearbeit in Flur und Feld ist der moderne Landwirt oft sogar allein unterwegs. Dennoch sorgt das Coronavirus auch in den Land- und forstwirtschaftlichen Betrieben für Ungewissheit und Unsicherheit und lässt so manchen Bauer bange in die Zukunft blicken.

Den größten Kummer bereitet den Land- und Forstwirten nach wie vor der Wald. Die Absatzmärkte für das Rundholz werden immer kleiner. „Das Problem ist jetzt, dass unsere Sägewerke in den Orten ihre Rund- und Schnittholzlager voll haben. Die Betriebe rudern nun zurück und wollen wegen des zu erwartenden Konjunktureinbruchs nicht noch mehr Holz einlagern. Das ist verständlich“, so Richard.

Dahinter stecke die Angst der Sägewerke, das geschnittene Holz nach der Coronakrise nicht verkaufen zu können, weil niemand wisse, wie sich die Krise genau auf die Baukonjunktur auswirken werde. „Vorher hatten wir eine gut laufende Konjunktur, da wurde das Holz benötigt“, so der Vorsitzende. Seit Corona ist das anders.

Mehr H-Milch für Supermärkte

Gleichzeitig funktioniert der Holzexport nach China noch nicht wieder, weil die Container aus Asien nicht zurückkommen (wir berichteten). Michael Richard: „Diese beiden Entwicklung kommen jetzt zusammen, dazu noch der Anfall an Borkenkäferholz.“ Deshalb könne man in der Forstwirtschaft derzeit von apokalyptischen Zuständen sprechen. „Das ist schon extrem.“

Auch im landwirtschaftlichen Tagesgeschäft ist Corona der ständige Begleiter. „Vor allem an den Agrarmärkten gibt es große Unsicherheit. Bei der Milch zum Beispiel verschieben sich gerade die Warenströme, es geht nicht mehr in Richtung Gastronomie, dafür wird mehr H-Milch im Supermarkt gekauft, aber das ist weder positiv noch negativ“, erklärt der Bauernfunktionär.

Von der Molkerei gibt es klare Anweisungen und verschärfte Hygienerichtlinien, wie die Milchproduzenten mit dem Rohstoff Milch umzugehen haben. Das auch für den Fall, falls ein Landwirt sich mit dem Coronavirus infizieren sollte. Mittlerweile sei auch der Weizen durch die Coronakrise teurer geworden, eine Folge der Mehl-Hamsterkäufe.

Ferienwohnungen bleiben vorerst leer

Für die Zukunft, wenn die Krise bis in den Frühsommer anhalten sollten, will Michael Richard aus Bauernsicht keine Prognose wagen. „Das kann ich nicht einschätzen, das weiß niemand. Nahrungsmittel werden wir immer brauchen, da arbeiten wir halt dran. Wir müssen wie alle gucken, wie es weitergeht.“

Das gilt auch für den beliebten „Urlaub auf dem Bauernhof“. Viele Höfe im Kreis Olpe vermieten Ferienwohnungen, besonders beliebt bei Familien mit Kindern. Auch diese bleiben bis zum Ende der Krise leer.

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