Verkehr

Kreis Olpe: Wer und was hinter dem roten Blitz steckt

Der Polizeihauptkommissar kontrolliert die Kamera, die Teil der Geschwindigkeitsmessanlage  am Feuerwehrhaus Grevenbrück ist. 

Der Polizeihauptkommissar kontrolliert die Kamera, die Teil der Geschwindigkeitsmessanlage am Feuerwehrhaus Grevenbrück ist. 

Foto: Viktor Dobek

Grevenbrück.   Beamte vom Verkehrsdienst der Kreispolizeibehörde Olpe erklären, was hinter der Technik steckt und welche Probleme die Arbeit mit sich bringt.

Zack! Ein roter Blitz, der sich fürwenige Sekunden in die Netzhaut brennt. Das grelle Aufleuchten am Straßenrand bedeutet vor allem eins: Es ist zu spät. Kaum versieht man sich, flattert schon ein Schreiben in den Briefkasten. Öffnet man den Umschlag, kommt einem das eigene Gesicht entgegen, eingefangen in einem verpixelten Schwarz-Weiß-Foto. Und weil das noch nicht zu viel des Guten war, steht gleich nebenan eine Zahlungsaufforderung, die binnen weniger Wochen zu entrichten ist. Doch wer ist dafür eigentlich verantwortlich? Wer sitzt am Auslöser für den roten Blitz?

Wir nennen sie mal Werner Müller und Rainer Grote (Namen von der Redaktion geändert). Sie sind Polizeibeamte beim Verkehrsdienst der Kreispolizeibehörde Olpe. Sie führen Geschwindigkeitskontrollen durch – im Sinne der Sicherheit, denn „jedes Jahr gibt es durch erhöhtes Tempo unzählige Tote und Verletzte“, so Müller. Heute sind sie in Grevenbrück unterwegs.

Möge das Fahrzeug auch mit noch so vielen Assistenzsystemen ausgestattet sein, „die Physik, also Reaktionsweg und Bremsweg, sind unerbittlich“, sagt Müller. Die beiden Polizisten kennen diese Unerbittlichkeit. Denn es gehört auch zu ihren Aufgaben, die Horrornachrichten von tragischen Unfällen den Angehörigen zu übermitteln: „Man muss einer Mutter und ihren Kindern beibringen, dass der Ehemann oder Vater bei einem Unfall gestorben ist“, erklärt Rainer Grote.

Anfeindungen von Autofahrern

Von weitem kaum zu erspähen, steht sie da, die Geschwindigkeitsmessanlage, genannt ESO, vor dem Feuerwehrgerätehaus in Grevenbrück. Die Gerätschaft hat drei Komponenten: „Einen Sensorkopf und zwei Kameras“, erklärt Werner Müller. Er bückt sich und schaut, ob alle Einstellungen stimmen. Die Messinstrumente sind so aufgestellt, dass sie beide Fahrtrichtungen kontrollieren. Dafür ist eine der Kameras per Funk mit dem Sensorkopf verbunden und steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Ein Kabel auf der Straße wäre ja gefährlich“, sagt Grote.

Obwohl es den Beamten mit ihren Kontrollen merklich um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer geht, werden sie dennoch von einigen Autofahrern angefeindet: „Uns wird der Mittelfinger gezeigt oder wir werden beleidigt“, sagt Müller. Erfahrungen mit körperlicher Gewalt haben sie im Kreis Olpe hingegen noch nicht gemacht. „Gewalt gegen Verkehrspolizisten ist noch nicht so weit verbreitet. Da sind die Kollegen in den Wachen schlimmer gestellt“, sagt Grote. Zu diesem etwas „angenehmeren“ Umstand trage auch das Blitzerfoto bei: „Die Leute haben einen handfesten Beweis für ihr Fehlverhalten“, so Rainer Grote.

Deutlich zu viel auf dem Tacho

Nicht nur um die Eigensicherung müssen sich die Beamten sorgen, sondern auch um die Technik. Da käme es nämlich durchaus vor, dass sich Unbefugte an ihr zu schaffen machen: „Es gibt Fälle wo Sensoren verstellt-, oder Plastiktüten über die Kameras gestülpt wurden“, erinnert sich Müller. Deshalb sei während der Geschwindigkeitskontrollen volle Aufmerksamkeit gefragt – und das nicht nur des Equipments Willen.

„Während der Messung steuern wir alle wichtigen Funktionen auf einem Bedienelement.“ Auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm lässt sich beispielsweise der Grenzwert einstellen, bei der die Technik auslöst. Die Polizei im Kreis Olpe kommt den Fahrern dabei etwas entgegen: „Der Auslösegrenzwert steht immer einige Stundenkilometer über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit“, so Müller. Aber es gebe natürlich dennoch noch Verkehrsteilnehmer, die mehr auf dem Tacho hätten. Viel mehr: „Vor einigen Jahren haben wir einen Motorradfahrer mit 184 bei erlaubten 100 erwischt“, erinnert sich Grote.

Die Bundesstraße 55 zählt zu den frequentierteren Messstellen. Dort herrsche ein hohes Verkehrsaufkommen mit vielen fremden Fahrern, so Grote. Dennoch fixieren sich die Beamten nicht nur auf eine bestimmte Strecke: „Wir sorgen dafür, dass alle wichtigen Stellen im Kreis im Wechsel kontrolliert werden“, betont Müller. Die Entscheidung, welche genau das sind, hänge immer von der Sinnhaftigkeit ab: „Dazu zählen die klassisch schutzwürdigen Plätze wie Schulen, Kindergärten und Wohngebiete. Und natürlich dort, wo erfahrungsgemäß hohe Geschwindigkeiten gefahren werden“, fügt Müller hinzu.

Ein Stereotyp, der den Beamten dabei regelmäßig „ins Netz geht“, ist der Außendienstmitarbeiter. „Die fahren nicht schnell, weil sie besonders ,böse’ sind, sondern jagen von einem Termin zum nächsten“, weiß Müller. Aber sie gefährdeten die Verkehrssicherheit. So wie in Grevenbrück. Dort hat es mittlerweile schon 46 Mal rot geblitzt.

Blitzer-Mythen auf dem Prüfstand

Hinter den Lenkrädern vieler Autofahrer ranken sich einige Mythen rund um das Thema Geschwindigkeitskontrollen. Auch im Kreis Olpe. Die Verkehrspolizisten stellen klar, was tatsächlich der Wahrheit entspricht:

1.Mythos: „Ich bin das nicht auf dem Bild.“ Ein Standardsatz, den sich vor allem die fleißigen Punktesammler unter uns regelmäßig zurechtlegen, wenn es sie mal wieder erwischt hat. Doch dabei handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt: „Schiebt man jemand anderem die Schuld zu, obwohl man es selbst ist, kann dieses durchaus ein strafbares Verhalten darstellen“, klären die Beamten auf.

2.Mythos: Der kleine Hinweis, um dem entgegenkommenden Autofahrer zu signalisieren, dass er runter vom Gas soll, bleibt straffrei. „Das ist eine missbräuchliche Nutzung von Warnzeichen“, sagen die Beamten. Die „Ausrede“, man wolle nur jemanden begrüßen, helfe nicht, denn das falle ebenfalls unter „missbräuchliche Nutzung.“

3.Mythos: Verkehrspolizisten wissen außerhalb der Arbeitszeit, wo kontrolliert wird. Stimmt nicht: Auch sie können und werden geblitzt. Polizeibeamte haben sich – außer bei der Inanspruchnahme von Sonderrechtsfahrten – an die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu halten. Untereinander gibt es keine Tipps, wo die diensthabenden Kollegen gerade die Geschwindigkeit messen: „Wir bekommen keine bewussten Informationen zugespielt“, versichert die Polizei. Zudem würden sich die Messstellen auch kurzfristig ändern.

4.Mythos: Nah am Ortsschild darf nicht geblitzt werden. Auch falsch: Seit 2006 gibt es keine Bestimmung mehr, die vorschreibt, wie weit die Geschwindigkeitskontrollen von einem Ortseingangs- oder Tempo-Schild entfernt sein muss. Auch bei stationären Messgeräten gilt diese Vorschrift nicht: „Allerdings ist die Geschichte noch in vielen Köpfen präsent“, bestätigen die Polizisten.

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